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Duisburg: Blick auf die Kunstszene der 60er Jahre

Duisburg : Blick auf die Kunstszene der 60er Jahre

In seiner Archiv-Galerie "DU/ ART" am Dellplatz erinnert Gerhard Losemann an die Künstlergemeinschaft "Nos", die von 1965 bis 1969 in Duisburg aktiv war. Die keineswegs nostalgische Retrospektive zeigt Werke hoher Qualität.

Einen ungemein spannenden Einblick in die Duisburger Kunstszene der 60er Jahre ermöglicht in den kommenden drei Monaten der renommierte Duisburger Künstler Gerhard Losemann in seiner Archiv-Galerie DU/ART am Dellplatz 8. Wie berichtet, hat Losemann, jahrelang auch Sprecher der Duisburger Künstlerschaft, dort zusammen mit seiner Lebensgefährtin eine Kunststätte eingerichtet, die regelmäßig Werke aus den Nachlässen Duisburger Künstler der Nachkriegszeit zeigt. In der aktuellen Schau geht es nicht nur um Werke verstorbener Künstler, sondern um die Künstlergruppe "Nos", die von 1965 bis 1969 in Duisburg aktiv war. Gerhard Losemann war einst mit 27 Jahren das jüngste der sieben Gründungsmitglieder dieser Gruppe, deren lateinischer Name "wir" bedeutet.

Gerhard Losemann hat all seine vielfältigen Verbindungen spielen lassen und darüber hinaus ausgiebig recherchiert, um diese Retrospektive in dieser erstklassigen Weise zeigen zu können. Bis zu zwölf Künstler gehörten "Nos" an, Werke von elf Künstlern kann Losemann vorstellen. Von einem Gründungsmitglied fehlt bislang jede Spur: Über Bruno Kiowski konnte Losemann trotz aller Bemühungen nichts erfahren. Vielleicht ändert sich das im Laufe der Ausstellung. Werke folgender "Nos"-Künstler sind nun zu sehen. Rolf Binder (Jahrgang 1926), Hans-Joachim Herberts (1925—1992), Heribert A. Huneke (Jahrgang 1932), Bernd Kaute (1944—2010), Christina Lauer (Jahrgang 1939), Gerhard Losemann (Jahrgang 1938), Hans Joachim Robert Schäfer (1931—1984), Henry (Karl-Heinz) Schmidt (1922—1989), Chinmayo (früher: Hermann James Schmitz, Jahrgang 1936), Eugen van Stiphaut (1933—1997) und Klaus Quast (Jahrgang 1941).

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Einige der ausgestellten Werke stammen aus den Nachlässen, die Losemann verwaltet. Andere Werke gaben die Künstler für die Ausstellung aus den Händen. Wieder andere liehen Erben der verstorbenen Künstler für die Ausstellung aus. Die erste "Nos"-Galerie wurde an der Untermauerstraße 10 gegründet. "Wir waren eine Ausstellungsgemeinschaft, die Kunst in Duisburg zeigen wollte", so Losemann. Später zog "Nos" an die Düsseldorfer Straße 19, dorthin, wo heute die Duisburger Abteilung der Folkwang-Uni beheimatet ist. In "Nos" kamen Künstler unterschiedlicher Stilrichtungen zusammen. Losemann selber gehört der Sezession an, die für die ungegenständliche Kunst stand. Andere "Nos"-Künstler waren Mitglieder im Künstlerbund, der fürs Gegenständliche stand. Wichtig war "Nos" nicht zuletzt deshalb, weil Sezessionisten und Künstlerbünder gemeinsam an einem Strang zogen. Zuvor hatten sich beide Duisburger Künstlergruppen öffentlich immer wieder angefeindet.

Wer heute die "Nos"-Retrospektive besichtigt, wird vor allem von der hohen Qualität der Arbeiten angetan sein. Raffiniert-ausgelotete konstruktive Arbeiten (Rolf Binder) treffen auf gesellschaftskritische Zeichnungen (Bernd Kaute) oder wohltuenden freie Farbenspiele (Christina Lauer) oder auch beeindruckende Materialkompositionen (Eugen van Stiphaut) und raffinierte, transparent wirkende Stillleben (Klaus Quast). Wer die farbintensiven Enkaustik-Werke des späten Heribert A. Huneke kennt, wird über die filigranen, gespinstartigen Drahtgeflechtwerke des jungen Huneke überrascht sein. Und der jetzige Naturkünstler Chinmayo arbeitete in den 60er Jahren mit geometrischen Strukturen unter Verwendung von Lack und Kunststoff auf Leinwand.

1969 löste sich "Nos" auf. Die tägliche Anwesenheit in einer Galerie sei zuviel geworden. Nicht zuletzt wurde das Engagement der Mitglieder, die nicht nur eigene Werke ausstellten, sondern sich auch für künstlerische Gäste engagierten, nicht wie erhofft honoriert.

(RP)