Verbrechen in Duisburg im Jahr 2017: Weniger Einbrüche, mehr Tötungsdelikte

Kriminalstatistik Duisburg: Weniger Einbrüche, mehr Tötungsdelikte

Die Kriminalstatistik für 2017 zeigt: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging um 30 Prozent zurück und fällt auf den niedrigsten Wert seit 15 Jahren. Im Jahr 2017 starben aber mehr Menschen durch Tötungsdelikte.

Erstmals seit 2009 ist die Zahl der Straftaten im Jahr 2017 mit 49.739 unter 50.000 geblieben. Das ist ein Rückgang um knapp acht Prozent gegenüber 2016. Bei einer Aufklärungsquote von 53,90 Prozent klärten die Ermittler mehr als jede zweite Tat. Das teilte die Duisburger Polizeipräsidentin Elke Bartels bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2017 am Mittwoch mit. Nicht nur die Zahl der Wohungseinbrüche sei um über 30 Prozent zurückgegangen, sondern auch die Gewaltkriminalität habe um fast zehn Prozent abgenommen.

Die Zahl der Tötungsdelikte in Duisburg und Umgebung ist hingegen auf 24 (15 im Vorjahr) gestiegen. Zwölf Menschen starben. Fünf Tote aus zwei Taten seien statistisch noch nicht erfasst. Sorge macht der Behördenleiterin die Belastung der Ermittler: "Bei 54 Mordkommissionen in Duisburg und dem Kreis Wesel im Jahr 2017 ist die Belastung für die gesamte Kripo außerordentlich hoch."

Im Januar tötete ein 39-jähriger Duisburger seine Mutter und zündete dann das Haus an. Im Februar starben zwei Frauen. Eine 40-Jährige kam bei einem Streit mit ihrem Mann ums Leben, eine 61-jährige Frau wurde auf der Straße niedergestochen. Ostern beschäftigte die Ermittler der Tod eines Jungen (14). Dieser wollte bei einem Streit helfen und starb durch einen Messerstich.

Im Mai erschoss ein Unbekannter die 46-jährige Geschäftsführerin des Café Vivo im Innenhafen. Die Ermittlungen dauern immer noch an. Ein Tatverdächtiger sitzt derzeit in Berlin in Untersuchungshaft.

Im September starben vier Menschen nach einem Brand an der Vohwinkelstraße. Auch hier sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Ebenfalls im September starb eine 47-jährige Frau. Der Ehemann soll die Frau durch Messerstiche getötet haben.

Hinzu kamen weitere versuchte Tötungsdelikte: So wurde im November auf ein Haus im Rotlichtviertel geschossen. Im Jahr 2017 eskalierten mehrere Streitereien und die Kontrahenten verletzten sich mit Messern oder Schnapsflaschen.

Aus dem Nachbarkreis sorgten insbesondere der Fund einer skelettierten Frauenleiche in Hamminkeln und der dreifache Messerangreifer aus Dinslaken für ein großes Medieninteresse.

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Der Raub ging um knapp 10 Prozent auf 476 (526) Taten zurück und ist der niedrigste Wert im Zehn-Jahres-Rückblick. Mehr als 45 Prozent der Tatverdächtigen gingen der Polizei ins Netz.

Raubüberfälle auf Straßen, Wegen und Plätze stellten mit 250 Taten den größten Anteil dar. Hier gab es 2017 einen Rückgang von 50 Taten gegenüber 2016.

Der Überfall auf ein Geldinstitut in Rumeln-Kaldenhausen beschäftigte die Kriminalisten ebenso, wie ein Tankstellenräuber, der zehn Überfälle (auch in anderen Städten) begangen haben soll. Die Ermittler legten ihm das Handwerk und brachten ihn in Untersuchungshaft.

Die Zahl der angezeigten Körperverletzungen (KV) ging um 311 Taten auf 4.534 (4. 845) zurück. In 1.258 (1.405) Fällen ermittelten die Beamten wegen gefährlicher bzw. schwerer Körperverletzung. Das bedeutet: Der Täter hatte eine Waffe dabei, agierte mit mehreren Personen oder verletzte den anderen erheblich. 86 Prozent der Tatverdächtigen wurden ermittelt. Fast 80 Prozent sind männlich. 959 von ihnen unter 21 Jahren.

Besonders erfreulich ist der wiederholte Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen. Die Zahl der Einbrüche ging um fast 33 Prozent auf 1.094 (1630) Taten zurück. Und das, obwohl bereits ein Rückgang in 2016 um knapp 27 Prozent zu verzeichnen war. Beinahe die Hälfte (523) der Einbrüche blieb im Versuch stecken, weil Diebe an den Sicherungen scheiterten oder aufmerksame Nachbarn den Notruf wählten. Damit ist der niedrigste Wert seit 15 Jahren erreicht.

Die Aufklärungsquote stieg seit 2012 kontinuierlich und lag jetzt bei 20 Prozent. Dazu trug auch die Festnahme eines Fassadenkletterers bei. Der 34-jährige Mann war im Frühjahr 2017 in mehrere Geschäftsräume und Wohnungen in der Altstadt und im Dellviertel eingebrochen. Die Ermittler erwischten den Mann auf frischer Tat und konnten ihm 33 Taten aufgrund der Spurenlage nachweisen. Er ist bereits zu einer Haftstrafe von mehr als zwei Jahren verurteilt worden.

Insgesamt weist die Statistik knapp 24 Prozent weniger Diebstahlstaten auf, 21.452 zu 23.121 in 2016. Beim Fahrraddiebstahl war die neue Ermittlungskommission ein Erfolg. Es wurden 812 Fahrräder weniger als im Jahr 2016 (3416) gestohlen. Bei den Kraftfahrzeugen gab es mit 224 gestohlenen gegenüber 266 im letzten Jahr ebenfalls einen Rückgang. In sechs Fällen lag der Schaden allerdings jeweils bei mehr als 50.000 Euro.

Sorge machte der Polizei auch die zunehmende Zahl der Opfer nach Trickbetrug, insbesondere bei älteren Menschen. 221 Senioren sind durch raffinierte Gespräche von falschen Handwerkern, falschen Mitarbeitern von Wasser- und Stromversorgern oder sogar von falschen Polizisten überlistet worden, 90 waren es im Vorjahr gewesen. "Wenn sich am Telefon die Polizei meldet und auf dem Display die 110 erscheint, können Sie davon ausgehen, dass es nicht die wahre Polizei ist. Die meldet sich niemals unter dieser Nummer", warnte Polizeipräsidentin Bartels.

(heif)