Duisburg: Bizarr: Woody Allens frühe Farce "Gott"

Duisburg : Bizarr: Woody Allens frühe Farce "Gott"

Philosophie, ja letzte Fragen und überschießende Comedy miteinander zu verbinden, das ist die große Stärke des US-amerikanischen Filmemachers Woody Allen. Besonders gut gelang ihm das in seiner frühen Farce "Gott" (1978). Bei der deutschen Erstaufführung drei Jahre später in Düsseldorf führte Robert Ciulli Regie; seine Inszenierung überarbeitete er später für das Mülheimer Theater an der Ruhr, wo sie bis heute ständig gepflegt und aktualisiert wird. Jetzt kam dieser "Gott" nach sieben Jahren zum zweiten Mal ins Duisburger Theater.

Athen, um 500 vor Christus. Das Dramenfestival steht vor der Tür. Erster Preis: eine Kiste Ouzo. Doch dem Autor Hepatitis und seinem Schauspieler Diabetes fehlt noch ein Schluss für die geplante Uraufführung. Ein "deus ex machina" soll schließlich für ein gutes Ende sorgen, ein "Gott aus der Maschine". Dumm nur, dass die Maschine außer Kontrolle gerät und sich der einschwebende Zeus stranguliert. Es geht also nicht nur um eine Parodie der antiken Tragödie, sondern auch um die Frage nach dem Theater als Abbild des Lebens, um Kritik an der (mittlerweile nicht mehr nur amerikanischen) Kulturindustrie, um die Frage nach künstlerischer Freiheit und letztlich um die Frage, ob es einen Gott gibt, oder ob der Mensch ganz alleine verantwortlich ist. Die Antwort lautet hier übrigens: Ja, aber Gott ist tot.

Da ist dann auch das Publikum erfunden, und es fallen Sätze wie "Hör auf, mit dem Publikum zu reden!". Der Chor greift auch schon mal ein mit Worten wie "Nun mach schon, du Idiot".

Das ist sicher eine der besten Ciulli-Arbeiten, denn hier greift sehr gut sein Prinzip, unbändige Spiel-Lust scheinbar mühelos zu verbinden mit tieferen Einsichten. Das ist bei den Mülheimern wieder einmal radikales Schauspieler-Theater mit viel Körpereinsatz.

Als Beispiel aus dem durchweg großartigen Ensemble genannt seien der (pseudo-)türkisch wortschwallende Ferhat Keskin und der ihn um mehrere Köpfe überragende Rupert J. Seidl als "die Schicksals", Bob und Wendy Schicksal.

(hod)
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