Bistum entlässt Priester in Duisburg-Homberg

Gemeinde St. Franziskus : Bistum entlässt Priester in Homberg

Der Geistliche der St.-Franziskus-Gemeinde soll einen Mann per Chat mit pornografischen Nachrichten belästigt haben. Das Bistum machte den Fall öffentlich.

. Eine Priester-Entlassung überschattet die noch junge Geschichte der St. Franziskus-Gemeinde in Homberg. Am Wochenende gab die Gemeinde über die sozialen Medien bekannt, dass Pfarrer W. mit „sofortiger Wirkung“ von seinen Aufgaben entbunden und aus dem Dienst des Bistums Münster entlassen wurde. Er absolvierte ein Sabbatjahr in der Gemeinde und sollte noch bis Januar 2019 in Homberg bleiben, ansonsten gehört er offiziell zum brasilianischen Bistum Dourados.

Am Samstagabend gab es eine Gemeindeversammlung in der Kirche St. Peter in den Haesen, an der auch der neue Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp teilnahm. Er ist in seiner Position seit dem 1. Oktober Stellvertreter des Bischofs und damit zweiter Mann im Bistum. Grund für die Entlassung ist laut Bistumsmitteilung von Sonntagmittag, dass der Priester unangemessene Nachrichten sexuellen Inhalts über WhatsApp mit einem anderen erwachsenen Mann ausgetauscht habe.

„Es handelte sich dabei nicht um ein Verhältnis auf Augenhöhe, sondern es gab ein Gefälle“, erklärte Winterkamp am Samstag. Der Betroffene habe sich gegen die Nachrichten nicht anders zu helfen gewusst, als sich dem Pfarreiteam zu offenbaren. Von dort seien die Vorwürfe umgehend nach Münster gemeldet worden. „Es handelte sich ausdrücklich nicht um einen Minderjährigen“, so Winterkamp. Es habe wohl auch keinen strafrechtlich relevanten Missbrauch gegeben, dennoch sei das Verhalten des Priesters übergriffig gewesen. Winterkamp betonte, dass es unerheblich sei, ob das Opfer männlich oder weiblich ist.

Vor dem Hintergrund der kirchenweiten Missbrauchsdebatte habe man sich in Homberg für einen schnellen Gang an die Öffentlichkeit entschieden. Man habe nicht den Verdacht aufkommen lassen wollen, dass etwas vertuscht werden sollte. Einigen Gemeindemitgliedern ging es gerade bei Facebook zu schnell. Auf dem dortigen Auftritt der Franziskus-Gemeinde wurde die Mitteilung über die Entlassung mit Namensnennung zuerst gepostet. Nach wenigen Minuten wurde diese Meldung allerdings wieder entfernt. Dazu heißt es auf der Facebook-Seite: „Die Reaktionen auf die Veröffentlichung haben uns dazu bewogen den vorschnellen Post zurückzuziehen – wir verweisen auf die öffentliche Pressemitteilung des Bistums Münster, die am Wochenende erscheinen wird.“

Pastoralreferent Matthias Clessienne sagte bei der Gemeindeversammlung am Samstag, dass es ein Fehler gewesen sei, die Meldung so schnell zu veröffentlichen. Das Gemeindeteam habe mit solchen Vorfällen noch keine Erfahrung.

Für den Priester sei eine Übergangslösung gefunden worden, damit er finanziell nicht ins Bodenlose falle, hieß es am Abend. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte das Bistum am Sonntag allerdings mit: „Die Besoldung durch das Bistum Münster wird zum Monatsende eingestellt. Der Anspruch auf eine Dienstwohnung besteht ebenfalls nicht mehr. Die bisherige Dienstwohnung soll er umgehend verlassen. Kirchenrechtlich hat das Bistum Münster das unternommen, was notwendig und möglich ist. Da es keinen Hinweis auf sexuellen Missbrauch gibt, ist derzeit auch nicht daran gedacht, eine kirchenrechtliche Voruntersuchung einzuleiten.“

Die Verantwortung für gegebenenfalls weitere Schritte liege nun aber ohnehin beim Bischof des brasilianischen Bistums Dourados. Der entlassene Pastor ist weiterhin Priester der katholischen Kirche. Im Bistum Münster ist ihm jedoch die Ausübung des priesterlichen Dienstes untersagt worden. Für die Gemeinde gilt das, was einer der Gläubigen bei der Aussprache am Samstagabend sagte: „Wir dürfen uns durch diesen Vorfall nicht zerstreiten.“

Ein Kreuz aus Plexyglas wirft am Sonntag 02.09.2018 in der St. Liebfrauen Kirche ( St. Franziskus ) in Duisburg bunte Reflexe an die Kirchenwände. „Good Day“, lautet der Titel des Gospel-Konzertes, das der Chor „Voices in harmony“ der Gemeinde Liebfrauen zusammen mit dem Chor „Gospelheart Homberg“ der evangelischen Gemeinde gestaltet. Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services. Foto: funke/Ulla Michels

Zum Feiern war der Gemeinde jedenfalls nicht zumute. „Aufgrund der aktuellen Situation um die sofortige Freistellung des Priesters halten wir es für unangebracht, am heutigen Abend zu feiern“, teilte die Gemeinde am Samstag auf Facebook mit. „Daher sagen wir den Dank­abend für die Mitwirkenden bei „Boh glaubse!? 2018“ heute kurzfristig ab“, heißt es weiter. Ein Nachholtermin stehe noch nicht fest. „Ein Helferfest halten wir in dieser schwierigen Situation zurzeit nicht für angemessen und bitten dafür um Ihr Verständnis“, so die Mitteilung der Gemeinde.

(sip/mtm)
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