Duisburg: Big Brother Mozart

Duisburg : Big Brother Mozart

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf / Duisburg übernahm ihre gelungene neue Produktion der Mozart-Oper "Così fan tutte" in ihr Duisburger Haus. Sensationell die Rollendebüts von Christina Dietzsch und Theresa Kronthaler.

"Così fan tutte" von Wolfgang Amadeus Mozart ist eine Oper über die ebenso einfache wie erschreckende Erkenntnis, dass es auch ein anderer Liebespartner tun würde, vielleicht ebenso gut, womöglich besser. Das ist nicht "unmoralisch" oder "albern", wie frühere Generationen meinten (selbst ein Ludwig van Beethoven befand sich in diesem Irrtum), sondern heute mehr denn je ist jeder einzelne Mensch dazu aufgerufen, dazu selbst seine Entscheidungen zu treffen. Mozart und sein Librettist Lorenzo da Ponte konnten die Frage natürlich nicht beantworten, sie zeigen nur, dass Betrug auch Selbstbetrug ist.

Das wurde sicherlich selten auf der Bühne so klar wie in der neuen Produktion dieses Werkes durch die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf / Duisburg. Für Regisseur Nicolas Brieger sind die sechs Protagonisten verschiedene Aspekte ein und derselben Person, die drei Paare verkörpern drei verschiedene Vorstellungen von Liebe. Das hat etwas von "Big Brother", denn die Sechs sind oft alle anwesend. Das hat etwas zu tun damit, dass Mozarts Musik uns als Zuhörern immer wieder einen Wissensvorsprung vor den Figuren verschafft. Vielleicht geht Brieger zu weit, indem er suggeriert, alle sechs wüssten von vornherein Bescheid.

Umwerfende Spielfreude

Von der Duisburger Übernahmepremiere zu vermelden ist vor allem das sensationelle Rollendebüt von Christina Dietzsch als Fiordiligi und Theresa Kronthaler als deren Schwester Dorabella. Das muss man erlebt haben, wie die beiden jungen Sängerinnen stimmlich und darstellerisch brillieren, mit ihren berühmten Arien wie "Smanie implacabili" beziehungsweise "Come scoglio" oder ihrem Duett "Prenderò quel brunettino". Das heißt etwas, denn auch Jussi Myllys und Dmitri Vargin als ihre Partner Ferrando und Guglielmo sowie Günes Gürle und Elzbieta Szmytka als die – hier enorm aufgewerteten – Strippenzieher Don Alfonso und Despina zeigen umwerfende Spielfreude, formen ein einheitliches Ensemble, wohl auch infolge der Inszenierung.

Auch Dirigent Christoph Altstaedt besteht weitgehend den "Mozart-Test". Immerhin ermöglicht er nicht nur den Sängern, sondern auch den Duisburger Philharmonikern (mit Cécile Tallec am Hammerklavier) sich transparent zu profilieren, insbesondere den Holzbläsern wird in dieser kniffligen Partitur ja einiges abverlangt.

(hod)
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