Duisburg: Bierzelt-Stimmung in aller Früh

Duisburg : Bierzelt-Stimmung in aller Früh

Vor 75 Jahren übertrug der damalige "Reichssender Köln" das erste Hafenkonzert vom Vorplatz der Schifferbörse in Ruhrort. Keine Radio-Reihe blieb so lange auf Sendung wie die Duisburger Hafenkonzerte. Erst 2009 war Schluss.

Gerd Hoppensack, viele Jahre Pressechef bei der Duisburger Stadtverwaltung, schrieb für das jüngste Duisburger Jahrbuch einen schönen Nachruf auf eine Duisburger Veranstaltungsreihe, deren Fangemeinde aus Hunderttausenden Hörern bestand: Die Hafenkonzerte. Vor 75 Jahren zu Ostern wurde das erste Hafenkonzert vom damaligen Reichssender Köln von der Ruhrorter Schifferbörse aus übertragen.

Gerd Hoppensack berichtet in seinem Beitrag von der damals zwölfjährigen Ingeborg Schwager, die das Gedicht ihres Vaters ins Mikrofon sprach, in der das Motto der neuen Unterhaltungssendung zusammengefasst wird: "Der Rundfunk ist am Niederrhein/ und kehrt jetzt oft in Ruhrort ein,/ und wird, wenn ihr noch denkt an Schlafen/ euch Musik senden aus dem Hafen." — "Wenn ihr noch denkt an Schlafen..." Kaum zu glauben: Ihre beste Zeit hatten die Duisburger Hafenkonzerte, als sie morgens ab sechs, jeweils sonntags, gesendet wurden. Und zwar aus dem Festzelt auf der Mühlenweide, das meist Wochen vor der Sendung ausverkauft war. Unmusikalisch begleitet waren viele Hafenkonzerte von einem Trödelmarkt. Beide Attraktionen zogen Tausende Menschen an.

Zweifellos war Hasso Wolf "der" Moderator der Duisburger Hafenkonzerte. Von 1951 bis 1991 war er souveräner Herr des Mikrofons. "Hasso", wie er von vielen Duisburgern genannt wurde, verstand es, eine Sendung zusammenzuhalten, in der über spezielle Probleme der Rheinschifffahrt ebenso gesprochen werden konnte wie über die Kunst des schnellen Spargelschälens. Bereits in der allerersten Sendung wurde diese Mischung aus Unterhaltung und Information gewissermaßen vorgegeben, wie Gerd Hoppensack herausfand: In der Ostersendung 1938 ging es zunächst um den Hafenumschlag, dann traten Kölner gegen Duisburger an und maßen sich in der Kunst des — "Eiertippens".

Ein ganz wichtiges Element war natürlich die Musik. In der Vorkriegssendung erklangen vorzugsweise Märsche und Schifferlieder. Später dominierte jene "Klangfarbe", die man mit dem WDR 4 verbindet. Gerd Hoppensack zählt einige der Schlagerstars und populären Interpreten auf, die sich in den 70er Jahren die Schiffsglocke in die Hand gaben: Margot Eskens, Evelyn Künneke, Greetje Kauffeld, Fred Bertelmann, Bully Buhlan, Lena Valaitis, Roberto Blanco, Cindy & Bert, die Jacob Sisters und immer wieder gerne Maria und Margot Hellwig. Im September 1979 war ein ganz besonderer Künstler in den Hafenkonzerten zu Gast: der jugendliche Frank-Peter Zimmermann, der damals vor Beginn seiner internationalen Karriere als Geiger stand. Häufiger Gast war auch der bekannte Duisburger Opernsänger Karl Ridderbusch, der gerne kam, weil er die populäre Radio-Reihe schätzte und beweisen konnte, dass er auch in der leichten Muse zu Hause ist.

Die Hafenkonzerte waren so beliebt, dass es sich auch prominente Politiker nicht nehmen ließen, trotz sonntäglicher Frühstunde, nach Ruhrort zu reisen. Beim Smalltalk konnten sie Sympathiepunkte sammeln, besonders gerne in den Vorwahl-Zeiten. Johannes Rau, damals noch NRW-Ministerpräsident, sang beispielsweise in aller Herrgottsfrühe mit Schlagersängerin Ulla Norden im Duett. Und auch Kurt Biedenkopf von der CDU gab sich leutselig.

Nach dem Ausscheiden von Hasso Wolf hatten die Hafenkonzerte immer wieder Gastspiele außerhalb von Schifferbörse und Mühlenweide. Das letzte reguläre Duisburger Hafenkonzert wurde am Muttertag 2008 von der alltours-Plaza am Innenhafen übertragen. Stargast war damals Jürgen Marcus, der immer mal wieder ein Comeback versuchte.

"Ein guter Schlager braucht ein Happy-End", sagte damals WDR-4-Moderator Peter Kuttler. Das Ende der Hafenkonzerte kam schleichend und mehr oder weniger unangekündigt. 2009 gab es auf der Mühlenweide unter dem Namen "Hafenkonzert" noch einmal eine große Open-Air-Veranstaltung von 11 bis 17 Uhr mit viel Musik und 10 000 Besuchern. Mit den traditionellen frühsonntäglichen Hafenkonzerten hatte das aber schon nichts mehr zu tun.

Deren Zeit war ausgeläutet.

(RP)