Bergbaumuseum Rheinhausen erinnert an Symbole an Weihnachten

Bergbaumuseum : Symbole für die Sehnsucht nach Licht

Nach dem Aus der letzten Steinkohlezeche ist Weihnachten unter Tage passé. Reviersteiger Wilfried Brücksken erinnert an Handwerkskunst.

In diesem Jahr feiern die Bergleute Weihnachten mit dem Wissen, dass genau am heutigen Tag die letzten Kumpel in Deutschland ins Bergwerk einfahren. Dann werden auch vielerorts die Schwibbögen in den Fenstern leuchten. Die Holzbögen mit Kerzen oder Lämpchen auf dem Rahmen haben ihren Ursprung im Bergbau, allerdings dem aus dem Erzgebirge. Inzwischen haben sie auch den Weg in viele Häuser und Wohnungen gefunden, die nichts mit dem Bergbau zu tun haben.

Die Abbildungen ähneln sich oft. In der Mitte stehen zwei Bergleute, die das sächsische Wappen mit zwei Kurschwertern halten, daneben sind Menschen bei der Holzverarbeitung und beim Klöppeln abgebildet – zwei weitere große Wirtschaftszweige des Erzgebirges. Einige davon kann man in der Rheinhauser Bergbausammlung besichtigen. Dort stehen sie aus Metall und Holz in den Fenstern. „Aber auch, wer heute in der Weihnachtszeit durch die Margarethensiedlung geht, sieht sie in vielen Fenstern leuchten“, sagt Wilfried Brücksken, Chef der Bergbausammlung und selbst ehemaliger Reviersteiger. Denn dort leben noch heute viele ehemalige Bergleute. „Früher, als die Straßen noch nicht beleuchtet waren, haben die Schwibbögen in den Fenstern den Bergleuten den Weg nach der Schicht nach Hause geleuchtet.“

Neben dem Bogen wacht die Barbara. Sie ist die Schutzheilige der Bergleute. Foto: FUNKE FotoServices/Norbert Prümen

Die Kerzen oder Lampen symbolisierten aber auch die „Sehnsucht der Bergleute nach dem Licht“. Nicht nur nach der Ausfahrt aus der Grube, sondern auch, wenn sie zuweilen viele Tage am Stück kein Tageslicht zu Gesicht bekamen. „Die gingen früher morgens zu einer Zehn-Stunden-Schicht im Dunkeln und kamen abends im Dunkeln zurück.“ Ein wichtiger Teil ist auch die enthaltene christliche Symbolik: Engel und Sterne sind fast immer eingearbeitet. Der Bogen solle den Himmelsbogen darstellen. „Die Bergleute waren gerade früher wegen ihres gefährlichen Berufs ziemlich fromm.“ Das zeigt sich aber nicht nur in den Schwibbögen, sondern auch daran, dass früher vor jeder An- und Ausfahrt in den Schacht gebetet wurde. Außerdem gab es in jeder Sohle eine Barbara-Figur – die Schutzheilige der Bergleute. So eine gibt es natürlich auch in der Bergbausammlung. „Jeden Donnerstag entzünden wir das Grubenlicht zu ihren Füßen für alle verstorbenen Bergleute weltweit“, sagt Brücksken.

Weihnachten an sich war für die Bergleute früher ein willkommener Anlass zur Erholung. „Bei der harten Arbeit waren sie froh, wenn sie frei hatten“, sagt Wilfried Brücksken. Einige Arbeiter mussten allerdings auch an den Feiertagen ran. Denn die einzelnen Bergwerksebenen mussten kontrolliert werden, ob es nicht irgendwo einen Wassereinbruch oder Einstürze gab. Denn das Gebirge drückt auch an Weihnachten. 

(sip)
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