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Duisburg: Bedroht, aber keine Bedrohung

Duisburg : Bedroht, aber keine Bedrohung

Am Donnerstag informierte Stadtdirektor Reinhold Spaniel im Hamborner Rathaus die Bezirkspolitiker sowie die Vertreter von Kirchen, Verbänden und bürgerschaftlichen Gruppen über das "Asylbewerber-Wohnheim in Hamborn".

Anlass für die Inforunde war die Abänderung des Ratsbeschlusses zum ursprünglich geplanten Standortes für das Hamborner Übergangswohnheim, das eigentlich auf der Brachfläche Kopernikusstraße / Im Holtkamp in Form eines Container-Fertighauses errichtet werden sollte. In einem Dringlichkeitsbeschluss des Stadtrates vom vergangenen Montag wurde nun mit dem derzeit leer stehenden Haus Holtener Straße 332/334 in Abänderung der bisherigen Planung ein neuer Standort festgelegt.

Duisburgs Stadtdirektor, der auch das Dezernat für Arbeit und Soziales leitet, war nicht alleine zu dem Informationsgespräch gekommen. Neben der Leiterin des Amtes für Soziales und Wohnen, Andrea Bestgen-Schneebeck, standen noch weitere städtische Verantwortliche bereit, um Fragen im Zusammenhang mit dem Asylbewerber-Wohnheim zu beantworten.

Die Änderung der ursprünglichen Standort-Planung sei allein aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt, so Duisburgs Sozialdezernent. Die Errichtung eines Container-ähnlichen Fertighauses, wie es in Wedau an der Masurenallee realisiert wurde, sei erheblich teurer als die Sanierung des derzeit unbewohnten Gebäudes an der Holtener Straße, das früher als Obdachlosen-Wohnheim diente, erläuterte Spaniel. Der Hamborner Bezirksbürgermeister Uwe Heider hätte es besser gefunden, wenn diese bereits vor dem 25. Mai politisch verabredete Planungsänderung vor den Kommunalwahlen bekannt gemacht worden wären. So fühlt man sich in der Bezirksvertretung schon irgendwie übergangen. "Mit diesem Thema sollte man schon offen umgehen", so der Bezirksbürgermeister, der der Einrichtung des Übergangsheims in seinem Bezirk ansonsten positiv gegenüber steht und nur mit der Vorgehensweise nicht einverstanden ist ("Man hätte die Anwohner mitnehmen sollen, das hätte Ärger erspart").

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Reinhold Spaniel machte noch einmal deutlich, dass man als Kommune rechtlich verpflichtet sei, diese Menschen, "die zusammen mit ihren Kindern um ihr Leben gerannt sind", aufzunehmen. Er erläuterte, dass nach dem bundeseinheitlich festgelegten Verteilerschlüssel rund 21 Prozent der Asylsuchenden, vorwiegend aus Syrien und Afghanistan, in Nordrhein-Westfalen aufgenommen werden. Für Duisburg ergibt sich daraus ein Bewerber-Anteil von 2,6 Prozent. Neben der Einrichtung der Wohnheime (je Stadtbezirk ein Übergangsheim) seien aufgrund der stetig ansteigenden Flüchtlingszahlen bereits eine große Anzahl von leer stehenden Wohnungen beschlagnahmt worden, um die Asylsuchenden unterzubringen.

Die Situation sei schon sehr angespannt, erläuterte die Leiterin des Wohnungsamtes Andrea Bestgen-Schneebeck, denn derzeit habe man nur noch 40 freie Wohnplätze. "Das ist gerade mal ein Bus mit Flüchtlingen", fügte Reinhold Spaniel ergänzend hinzu. Duisburgs Stadtdirektor zeigte durchaus Bereitschaft, die Anwohner der Holtener Straße zu einem weiteren Informationsgespräch einzuladen. Beeindruckt zeigte sich Spaniel von der bisher gezeigten "Willkommenskultur" der Duisburger Zivilgesellschaft. Beispielhaft zitierte er aus einem Brief eines Anwohners aus dem Umfeld Holtener Straße, in dem es hieß "Flüchtlinge sind bedroht...und keine Bedrohung".

(pol)