Duisburg: Axel Hacke plaudert über Anstand bei drei Glas Bier

Duisburg: Axel Hacke plaudert über Anstand bei drei Glas Bier

Schon bei den Duisburger Akzenten im vergangenen Jahr wusste Axel Hacke das Publikum zu begeistern. Jetzt war er mit seinem neuen Buch und Bestseller "Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen" am selben Ort zu Gast. Doch diesmal stimmte das inhaltliche Mischungsverhältnis zwischen dem von der Bibliothek ausgewählten Werk, weil zum Akzente-Titel passend, und den anderen vorgetragenen Texten nicht. Denn erst kurz vor Schluss widmete sich Hacke explizit dem Anstandsthema. Zuvor las er fast ausnahmslos aus seinen zugegebenermaßen äußerst amüsanten und stets hintersinnig, nachdenklich stimmenden Kolumnen, die der aufmerksame Besucher seiner Lesung von vor einem Jahr an gleicher Stelle allerdings teilweise schon einmal zu hören bekam. Und auch sein Abschlusstext aus dem "Handbuch des Verhörens" als Teil drei seiner sogenannten "Wumbaba"-Trilogie war schon 2017 hier zu hören. Dabei hat sein neues kleinformatiges Buch mit dem langen Titel doch so viel zu bieten: Hacke geht in seinem 192-seitigen Essay nämlich der bewegenden Frage nach: Was versteht man heute unter Anstand? Und die höchst lesenswerte Abhandlung dieser Frage erzählt er - typisch Hacke - eingerahmt in eine Unterhaltung des Autors mit einem alten Freund bei drei Glas Bier.

Anstoß für diese schnell herunterzulesende Schrift sei die Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten gewesen. So heißt es in seinem Buch: "Wir leben (...) in einer Welt, in der ein Verlust jedes menschlichen Anstands einen Mann nicht daran gehindert hat, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. Sondern in der gerade diese Zurschaustellung der eigenen Niedertracht ihm den Weg in dieses Amt sogar geebnet zu haben scheint." Allein diese Zeilen stellen dem Leser wie Zuhörer gleichermaßen schnell den interessanten Zusammenhang zwischen persönlichem Anstaltsverhalten einerseits und großer Weltpolitik andererseits her und damit der stets einhergehenden latenten Gefahr von Krieg. Hacke greift beim Aufschreiben seines munter sprudelnden Redestroms mitten hinein in das politische wie öffentliche als auch private Leben auf dieser Welt - vor allem hierzulande. Er zitiert Fakten und Tatsachen aus dem Alltag, Literarisches und Philosophisches von früher sowie aus der Jetzt-Zeit. Hacke stellt Fragen und hält sich mit Antworten eher bedeckt. Vielmehr plädiert er dafür, Antworten nicht zuerst bei anderen zu suchen, sondern bei sich selbst. Das Zuhörerpublikum reagierte mit großem Applaus.

(RP)
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