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Duisburg: Autor Knister hilft bei der Lehre

Duisburg : Autor Knister hilft bei der Lehre

Die auszubildende Buchhändlerin Morticia Maas organisiert für den 3. November eine Lesung mit dem Kinderbuchautor Knister in der Buchhandlung Lesenswert. Die öffentliche Veranstaltung ist Teil des neuen Berufsbilds des Buchhändlers.

Ohne fachkundige Angestellte sind die meisten Bücherwürmer aufgeschmissen. Eine dieser Buchexperten will auch Morticia Maas werden. Die 18-Jährige wollte schon von klein auf in der Stadtbibliothek arbeiten, jetzt ist sie im zweiten Lehrjahr in der Duisburger Buchhandlung Lesenswert. Zum Berufskolleg muss Morticia Maas trotzdem nach Düsseldorf fahren, denn viele Schulen haben geschlossen. "Das liegt am neuen Berufsbild, viele Buchhandlungen sind sich unsicher und wollen nicht mehr ausbilden", erklärt Mortica Maas.

Alles akribisch dokumentieren

Das neue Berufsbild ist am 2. August 2011 in Kraft getreten und fordert unter anderem, dass die Auszubildenden eine Internetseite gestalten, eine neue Warengruppe etablieren oder ein Buchprojekt veranstalten. Morticia Maas entschied sich für das Buchprojekt und hat den bekannten Kinderbuchautor Knister für den 3. November nach Walsum eingeladen. "Ich bin wirklich froh, dass Knister sofort zugesagt hat", berichtet Morticia Maas. "Dazu kommt noch, dass er die Lesung ganz ohne Gage macht." Der Autor bekannter Kinderbücher wie "Yoko" oder "Hexe Lilli" hat in Indien die "Knister School" gegründet, der die Eintrittsgelder zugutekommen. Die Idee, einen Kinderbuchautor einzuladen, kam Morticia Maas, als sie ihre Geschwister beobachtete. "Bei denen kommen Computer und Fernsehen vor Büchern, ich finde, dass sich das ändern sollte", begründet sie die Wahl von Knister. Der Autor wird aber nicht nur aus verschiedenen Büchern vorlesen, auch singen und malen wird er mit den Kindern.

Neben der Produktion von genügend Plakaten und Flyern und dem Anlegen eines Vorrats von Knister-Büchern muss Morticia Maas zudem alles akribisch dokumentieren. Die Lesung und die Vorbereitungen darauf werden Teil der mündlichen Prüfung der Auszubildenden sein.

"Eine Lesung zu organisieren kam mir eher unpassend für den Aufgabenbereich einer Buchhändlerin vor, aber die ganze Ausbildung ist sehr praxisorientiert und auf Kundennähe ausgelegt", sagt die Nachwuchsbuchhändlerin. So ist zum Beispiel das Fach Literatur gestrichen worden, dafür wird aber verstärkt Kommunikation mit Kunden geübt. "Man merkt deutlich, dass man mit Kunden anders redet", sagt Morticia Maas über den Lernerfolg in den Kommunikationsfächern.

Praxisorientiert

Die zunehmende Praxisorientierung nennt Dirk Spinner "Anpassung an die Realität". Der Ausbildungsberater für Buchhändler bei der IHK sagt, dass nicht mehr "monolithisch" ausgebildet werde. "Für Buchhändler sind heute moderne Rechercheformen über das Internet relevant, genauso wie der Umgang mit Datenträgern zusätzlich zu dem klassischen Buch", so Dirk Spinner. Zudem verkaufen Buchhändler nicht länger bloß nur Bücher, auch das "Drumherum" gehöre dazu, so zum Beispiel Zubehör oder Merchandise-Produkte. Ebenfalls mit in das neue Berufsbild eingeflossen ist die beinahe übermächtige Konkurrenz aus dem Internet. "Deswegen müssen Buchhandlungen einen Mehrwert bieten, gute Beratung ist nur ein Beispiel dafür", so der Ausbildungsberater. Ein Mehrwert gegenüber dem Internet ist indes auch, dem Autor aus Fleisch und Blut beim Lesen seiner eigenen Bücher zuhören zu können.

Morticia Maas ist guter Dinge, dass "die Bude voll" wird. Noch wichtiger ist ihr allerdings, dass sie ein paar Kinder zu Bücherwürmern "konvertieren" kann.

(RP/ac)