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Duisburg: Auszeichnung für Pflege-WG in Bissingheim

Duisburg : Auszeichnung für Pflege-WG in Bissingheim

Beatmungspatienten leben nun in der umgebauten evangelischen Kirche des Stadtteils.

Im Mai erst ist die WG für lungenkranke Menschen in die umgebaute evangelische Kirche in Bissingheim eingezogen, schon heimste das Haus am Märchenweg einen Preis ein: Die Pflegewohngemeinschaft für Beatmungspatienten wurde kürzlich mit dem WiG Ergo Zukunftspreis ausgezeichnet. "WiG" steht für Wohnen in Gemeinschaft. Der mit 5000 Euro dotierte Award würdigt ambulant begleitete Wohngemeinschaften mit besonders innovativen Konzepten und Ideen.

Medimobil, ein auf die Begleitung von Beatmungspatienten spezialisierter ambulanter Pflegedienst mit Sitz in Krefeld, hat in der alten Kirche eine Wohngemeinschaft für sieben Frauen und Männer eröffnet, die aufgrund von Lungenfunktionsstörungen dauerhaft auf Beatmung angewiesen sind. Im Mai 2016 zogen die ersten Mieter ein. So blieb im ländlichen Bissingheim die Kirche im Dorf - auch im übertragenen Sinn. Die WG pflegt einen intensiven Austausch mit der evangelischen Gemeinde. Im Gebäude findet regelmäßig der kleine Dorfklatsch statt, bei dem Nachbarn und Mieter zusammenkommen.

Der Umbau der Kirche ist gelungen, alles wirkt hell und offen. Gleichzeitig ist noch etwas von der kirchlichen Atmosphäre zu spüren, die Glocken sind erhalten und auch die Fassade. "Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie neue Akzente aufgegriffen und in architektonisch besonderer Weise umgesetzt werden können. Das Haus am Märchenweg eröffnet mit intergenerativen Aspekten, mitten im Ruhrgebiet, neue Perspektiven", sagte Prof. Dr. Josef Hilbert, Geschäftsführender Direktor des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen/Bocholt/Recklinghausen, in seiner Laudatio. Hilbert erinnerte an vergangene Bergbauzeiten, als Lungenkranke am Fenster saßen, um Luft zu schöpfen. Die Redensart "Er ist weg vom Fenster" bedeutete, dass der Betreffende zu schwach für den Fensterplatz geworden war. Medimobil hingegen habe durch das architektonische Konzept für die WG-Mieter ein "Ran ans Fenster" geschaffen; auch dann, wenn sie bettlägerig seien.

Das 5000-Euro-Preisgeld ist verplant: Medimobil-Geschäftsführer Hans-Jürgen Block will sie in Terrassenmöbel investieren, damit sich die Bewohner und ihre Besucher im kommenden Sommer auch draußen wohl fühlen.

(RP)