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Ausstellungen in Duisburg: Ruhrgebiet trifft Ruhrort im Kreativquartier

Ausstellungen in Duisburg : Ruhrgebiet trifft Ruhrort im Kreativquartier

Ein Veranstaltungsprojekt mit drei Künstlern an zwei Orten: so lässt sich „Ein Traum in bunt“ formalreduziert beschreiben. Etwas näher betrachtet, besteht das Projekt aus zwei Ausstellungen dreier Künstler, in denen Fotos, Texte und Skizzen gezeigt werden, und einer Lesung.

Die Vernissagen als auch die Lesung waren am vergangenen Samstag im Ruhrorter Kreativquartiersladen „Das Plus am Neumarkt“ sowie im „Studio 37“, dem Atelier von Gernot Schwarz, auf der Fabrikstraße. Beide Ausstellungen sind noch bis zum 26. September an den besagten Orten zu sehen.

Das Projekt, das Kreativquartiersmoderator Heiner Heseding in den Duisburger Hafenstadtteil an Land gezogen hat, ist ein Zeitdokument des Ruhrgebiets. Dazu hat der Journalist Stefan Thoben mit seinem Fotobuch „Ein Traum in bunt – Entdeckung Ruhrgebiet“ Texte und Fotos beigetragen, währenddessen der Illustrator Marius Schmahl Skizzen und der Fotograf Tristan Kreß Fotos unter dem Titel „4650 Gelsenkirchen“ beisteuerten.

Thoben, gebürtig in Oldenburg, ist freier Journalist und lebt in Hannover und Berlin. Sein vor kurzem im Verlag Andreas Reiffer erschienenes Buch „Ein Traum in bunt - Entdeckung Ruhrgebiet“ steht mit vier weiteren Neuerscheinungen auf der Shortlist für den diesjährigen Literaturpreis Ruhr. Die Preisverleihung findet am 28. Oktober im Festspielhaus der Ruhrfestspiele Recklinghausen statt

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Vom 29. Juni bis 27. Juli 2019 machte sich Thoben auf, das Ruhrgebiet zu erkunden. Geplant waren die vier Wochen als private Reise. Erst im Laufe der 29 Tage reifte die Tour zum Buchprojekt. Begonnen hatte die Fahrt in Hagen, ging kreuz und quer durchs Revier und endete in Dortmund. Zunächst schrieb Toben ein eher privat motiviertes Tagebuch mit Fotos auf Instagram, bis er den Taubenzüchter Manfred Heldt in Oberhausen traf, dessen aufregende Geschichte das Reiseprojekt vom Internet-Tagebuch zum haptischen Sachbuch werden ließ.

Natürlich hielt sich Thoben auch in Duisburg und vor allem in Ruhrort auf. Vier Tage lang war er dort und besuchte dabei unter anderem Meiderich, den Duisburger Hafen und seinen Hafenstadtteil, die Brautmodenmeile in Marxloh sowie den Landschaftspark und das Lehmbruck Museum. Fast jedem Tag und Ort widmete Thoben auf dem 240 Seiten starken Fotobuch einen eigenen Satz oder ein Fremdzitat. So zitiert er Günter Wallraff aus dessen „Industriereportagen“ von 1966 am Tag 23 zum Landschaftspark Duisburg-Nord: „Hier gibt es keinen richtigen Himmel, nur nachts das rötliche Zucken der Wolken. Die Fabrik ist größer als die Stadt.“

Angeregt von Thobens Fotografien, die er auf Instagram entdeckt hatte, fertigte Marius Schmahl zwölf Skizzen an, die er eigens für die Ruhrorter Ausstellung entwarf. Als Motive aus Ruhrort sind das „Blaue Büdchen“ und die Gaststätte „Endstation“ dabei. Schmahl lebt und arbeitet als Architekt in Hagen. Seit 2019 veröffentlicht er auf der Internet-Plattform „Pottpinsel“ Skizzen aus dem Ruhrgebiet.

Nach der Lesung von Thoben aus besagtem „Traum“-Buch über Fußball im Ruhrgebiet (Kapitel „Ruhrgebiet, wer denkt da nicht an Fußball?“), die er mit denselben Worten der berühmten Antwort des Fußballers „Ente“ Lippens auf dessen Verwarnung durch den Schiedsrichter („Herr Lippens, ich verwarne Ihnen!“) beendete („Ich danke Sie!“), gingen Teile der Vernissage-Besucher noch zum Foto-Atelier „Studio 37“, wo 15 Farbfotos des Jungfotografen Tristan Kreß mit Motiven aus Gelsenkirchen hängen. Kreß, geboren in Marl, wohnt in Gelsenkirchen und fotografiert seit vier Jahren zu jeder Tages- und Nachtzeit und dazu äußerst ambitioniert.