Ausstellung von Dorothee von Windheim im Museum DKM

Ausstellung: Heiliger Sebastian als Tuch in Türkisch-Rot

Von den Künstlern, die mit dem Museum DKM verbunden sind, hatte bislang nur Dorothee von Windheim dort keine eigene Ausstellung gehabt. Das ändert sich nun.

Die im Jahre 1945 im Kreis Minden geborene Künstlerin lebt schon seit langer Zeit in Köln. Seit Eröffnung des Museums DKM in Duisburg ist sie in der Dauerausstellung mit einem eigenen Raum vertreten, der in der Regel ihre „Arbeit für Hanau“ dokumentiert. Zum zehnjährigen Bestehen des Hauses wird dort jetzt stattdessen noch bis zum 7. Juli 2019 eine Vitrinenarbeit präsentiert, deren Titel durch die Legende vom Heiligen Sebastian inspiriert wurde.

Dieser wird in der Kunstgeschichte meistens von Pfeilen durchbohrt vor einem Baum dargestellt. Das große rote Tuch mit Lochstickerei ist bei von Windheim aber nicht ausgebreitet zu sehen, sondern wird zusammengeknüllt in einer Spitzhaubenvitrine gezeigt.

Auch diesmal dokumentierte Dorothee von Windheim den Entstehungsprozess ihres Werkes, an der Wand des Ausstellungsraumes in Form einer Text- und Fotoarbeit. Schon 1971 fertigte sie den ersten Abdruck eines Baumstamms an, in dem sie ein Bild ihrer selbst erkannte. Die Arbeitsweise, das Bild durch Reiben mit der bloßen Hand auf mit Wasser benetztem Musselinstoff abzudrücken, erinnerte sie an die Entstehung des in Turin aufbewahrten Schweißtuchs der Veronika. Seither setzt die Künstlerin sich mit dieser Geschichte auseinander, die sie als „Darstellung des Ausdrucks par excellence in der Kunstgeschichte“ wahrnimmt. Später entdeckte sie auf dem Kapuzinerberg in Salzburg einen Baum, der durch zahlreiche – vom Frost verursachte – Verletzungen in ihr Assoziationen eben an die Legende des Heiligen Sebastian hervorrief. Es musste Inlett sein, das ist ein speziell gewebter Baumwollstoff für Federbetten und -kissen, der die Eigenschaft besitzt, auch für feinste Federn undurchlässig zu sein. Und es musste die Farbe „Türkisch Rot“ sein, in der Inlett längst nicht mehr hergestellt wird.

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Die Löcher hat die Künstlerin zunächst in deren Umrandungen aufgestickt und dann mit der Schere aufgeschnitten – zumindest einige, denn sonst wäre es zu aufwändig geworden und das Tuch zu sehr ausgefranst. Dass Matthias Grünewald, einer ihrer Lieblingsmaler, seinem Heiligen Sebastian auf dem Isenheimer Altar in Colmar ein großes rotes Tuch umgeschlungen hat, empfand Dorothee von Windheim „insgeheim als Bestätigung für meine Arbeit“. Die Spitzhaubenvitrine erinnert schon sehr an einen gläsernen Schrein.

Geöffnet ist das Museum DKM an der Güntherstraße 13-15 (in der Nähe des Duisburger Hauptbahnhofs) samstags und sonntags sowie jeden ersten Freitag im Monat, jeweils von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene zehn Euro, ermäßigt fünf Euro, ab dem 1. Januar 2019 zwölf beziehungsweise sechs Euro.

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