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Duisburg: Ausstellung legendärer Seifenkisten

Duisburg : Ausstellung legendärer Seifenkisten

Im Stadthistorischen Museum erinnert ab Sonntag eine Ausstellung an die Seifenkistenrennen, die ab den 50er Jahren am Uhlenhorst ausgetragen wurden und sogar Prominenz in die Stadt lockten.

Die älteren Duisburger werden bei dem Stichwort "Seifenkisten" sicherlich leuchtende Augen bekommen. Denn mehr als zwei Jahrzehnte war Duisburg der Austragungsort des bundesweit größten Rennens dieser selbstgezimmerten Kisten. Von 1951 bis 1971 rollten sie auf der sogenannten "Uhlenhorststrecke", auf dem schnurgeraden Abschnitt zwischen der leichten Anhöhe und der A-3-Auffahrt. Zu Hunderten standen die Zuschauer gebannt am Streckenrand, um bei den halsbrecherischen Talfahrten mitzufiebern.

Mit bis zu 40 Stundenkilometern stürzten sich die Fahrer eine zehn Meter hohe und äußerst steile Rampe hinunter. Das natürliche Gefälle der Straße nutzten sie dann, um auf der 360 Meter langen Rennstrecke Tempo zu machen und der Konkurrenz davon zu rollen. Der "Rennsport" der besonderen Art lockte damals Prominente aus ganz Deutschland nach Duisburg. Unter ihnen war auch der Boxer Max Schmeling, der sogar selbst mit einer Seifenkiste in Form eines Boxhandschuhs an einem Show-Rennen teilnahm. Auch die Theatergröße Willy Millowitsch feuerte damals am Streckenrand die Fahrer an.

Das Stadthistorische Museum erinnert ab Sonntag, 2. Juni, mit einer Ausstellung an diese glorreichen Zeiten. Dabei sind sogar zwei originale "Rennwagen" aus den 50er Jahren zu bestaunen, die auf einer nachgebauten Rampe im Museum stehen. Eine der beiden Seifenkisten mit dem Schriftzug "Germany" hat 1956 am internationalen "All-American-Soap-Box-Derby" in Dayton/Ohio teilgenommen. Denn der schnellste Deutsche Fahrer gewann damals neben einem Preisgeld von 5000 Mark — eine für die Nachkriegszeit sehr hohe Summe — eine Teilnahme an den amerikanischen Meisterschaften.

Die Ausstellung erinnert jedoch nicht nur an die Seifenkisten-Derbys, vielmehr ist sie eine Zeitreise in die Jahre des Wirtschaftswunders, eine Zeit, in der es Duisburg noch prächtig ging. So hängt etwa im Eingangsbereich der Ausstellung ein riesiges Plakat, auf dem der "Gläserne Hut", der damalige "Szene-Treffpunkt" der Duisburger vor dem Bahnhof, abgebildet ist und an die Lebendigkeit der Stadt erinnert —heute gibt es dort eine Bahnhofsplatte. Neben historischen Bildern aus der Stadt empfängt die Besucher im Eingangsbereich auch eine typische Wohnungseinrichtung jener Zeit, ein dreibeiniger Nierentisch, den sicher der eine oder andere Duisburger auch im Wohnzimmer stehen hatte. Daneben erinnern in einem Glaskasten viele Kinderspielzeuge der 50er Jahre auch die ältere Generation an ihre Kinder-und Jugendjahre. So sind etwa die damals beliebten Peitschenkreisel in verschiedenen Farben ausgestellt, ebenso ein hölzerner Tretroller und ein hölzernes Dreirad. Nicht nur die ältere Generation wird an der Ausstellung ihre Freude haben, auch Kinder haben hier etwa die Möglichkeit sich in einen offenen Seifenkistenrennwagen zu setzten und das Rennfahrergefühl der 50er Jahre zu spüren.

"Mit der Ausstellung wollten wir ein Duisburger Heimatthema ansprechen, das die Menschen in der Stadt bewegt hat und immer noch bewegt. Es weckt Erinnerungen an das Tüfteln von Sohn und Vater an der Seifenkiste und erinnert zugleich an die blühende Zeit des Wirtschaftswunders", sagt Museumsdirektorin Dr. Susanne Sommer.

"Heute ist man nicht mehr so stolz auf die Stadt wie früher, Duisburg hat eine Identitätskrise, viele ältere Duisburger fühlen sich nicht mehr so wohl wie damals. Die Ausstellung soll an die glanzvolleren Momente der Stadtgeschichte erinnern", so Sommer.

Die Idee zur Ausstellung reifte beim jüngsten Kinder- und Kulturfestival, bei dem Kornelia Kerth-Jahn mit Kindern Seifenkisten baute und sie immer wieder von interessierten "Opas", die am Museum vorbeischlenderten, auf die damaligen Rennen angesprochen wurde. "Dies war die Geburtsstunde der Idee, eine Ausstellung zu den Seifenkistenrennen zu machen".

Um auch die richtige Stimmung bei der Ausstellung zu kreieren, gibt es als Getränk "Sinalco" und als Untermalung das "Seifenkistenfahrerlied", gespielt vom jungen Ensemble Ruhr gespielt wird. Um an die Gegenwart anzuknüpfen, ist bei der Ausstellung eine moderne Rennwagen-Seifenkiste aus Aluminium ausgestellt. So soll eine Brücke von einer längst vergangenen Zeit in die Gegenwart geschlagen werden. Und vielleicht entdeckt dabei das eine oder andere Duisburger Kind beim Anblick des modernen Aluminium-Flitzers ja seine Leidenschaft für das Seifenkistenfahren.

(RP/ac)