Duisburg: Ausstellung gottgefälliger Schönschrift

Duisburg : Ausstellung gottgefälliger Schönschrift

Zumindest an dieser Stelle gehört der Islam zu Deutschland. Während der diesjährigen islamischen Fastenzeit ist in der Ditib Bildungs- und Begegnungsstätte Duisburg-Marxloh, im Untergeschoss der großen Merkez-Moschee an der Warbruckstraße 51, eine Ausstellung mit Kalligraphien zu sehen. Gestern eröffnete Leyla Özmal, Leiterin des Referats für Integration der Stadt Duisburg, diese Ausstellung, die der Duisburger Tayfun Demir konzipiert hat. Zur Einführung hielt die Islamwissenschaftlerin Dr. Claudia Kleinert vom Fachbereich Kulturelle Bildung der Volkshochschule Duisburg einen ebenso fundierten wie spannenden Vortrag zum Thema.

Seit fünfzehn Jahrhunderten wird in der islamischen Welt die Schönheit der göttlichen Botschaft durch besonders kunstvolle und beeindruckende Schriftzüge wiedergegeben. Dabei geht es in erster Linie darum, den Koran zu schreiben, auch auf Einzelblätter. In vielen türkischen Wohnungen hängt eine Kalligraphie der so genannten Rettungs-Sure aus dem Koran. Auch Sufi-Dichter wie der Mystiker Rumi schrieben ihre Lyrik kalligraphisch. Kalligraphie gibt es auch auf Grabsteinen, zum Beispiel auf einem großen Friedhof in Istanbul, und an Gebäuden, zum Beispiel am Felsendom in Jerusalem oder an der Alhambra in Granada. In großen Moscheen zeigen Kartuschen kalligraphisch die Namen Allah, Mohammed und der vier ersten Kalifen. Seit dem 17. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung zählen zur Kalligraphie auch osmanische Herrscher-Kartuschen – diejenige von Sultan Süleyman dem Prächtigen, die in der Ausstellung zu sehen ist, wirkt fast wie ein abstraktes Kunstwerk.

Schwer zu lesen und zu fälschen

"Schwer zu lesen, daher auch schwer zu fälschen", nennt Claudia Kleinert das. In mindestens sechs verschiedenen Varianten wurde die arabische Schrift so verschlungen und aufgetürmt, dass ein Gleichgewicht von Vertikale und Horizontale erreicht werden konnte. Als derjenige, der das gottgefällige Werk des Schreibens verrichtet, hat der Kalligraph traditionell Vorrang vor allen anderen Künstlern. Er konnte damit auch Geld verdienen, vor allem wenn er am Hof angestellt war. Er war aber so angesehen, dass er in jedem Fall gut von den zahlreichen Geld- und Sachspenden leben konnte.

(hod)
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