Duisburg: Augenkontakt zweier Kulturen

Duisburg: Augenkontakt zweier Kulturen

Das Projekt von Tim Isfort "Myanmar meets Europe" geht in erweiterter Form in die nächste Runde.

Nachdem es vor kurzem eine Reihe verschiedener Konzerte, Workshops und Proben in der Region und darüber hinaus von Tim Isforts Musik-Austausch-Projekt "Myanmar meets Europe" gab - so auch in Duisburg - und damit den vierten Besuch der birmanischen Musiker in Europa, startet dieser Tage mit "Eye Contact" ein neues Kulturformat in dieser Reihe.

Insgesamt war das jüngste Zusammentreffen die inzwischen zehnte Begegnung zwischen Musikern aus beiden Kulturen im Rahmen des seit 2010 bestehenden internationalen Kulturaustauschs mit Myanmar – dem ersten und weiterhin einzigen dieser Art hierzulande. Der Duisburger Musiker, Produzent, Komponist und Arrangeur Tim Isfort ergriff vor drei Jahren die Initiative, zusammen mit dem Goethe-Institut, dem NRW Kultursekretariat und dem Land Nordrhein-Westfalen sowie weiteren Partnern, darunter das Auswärtige Amt, der Westdeutsche Rundfunk und die Heinrich-Böll-Stiftung, diesen ambitionierten Kulturaustausch mit dem seit 1962 isolierten südostasiatischen Staat ins Leben zu rufen.

Vor wenigen Tagen erst kam Isfort von der wohl bedeutendsten Musikmesse der Welt, der "WOMEX", auf der er bereits 2011 war, aus dem walisischen Cardiff zurück. Dort stellte er am Messestand vom NRW Kultursekretariat und Landesmusikrat NRW das außergewöhnliche Austauschprojekt vor. Jetzt reiste Isfort zusammen mit Musikern und Videokünstlern auf Einladung des Goethe-Instituts nach Yangon (Rangun), um dort gemeinsam mit burmesischen Musikern, einem Streicher-Ensemble aus Myanmar und Cartoonisten bzw. Live-Zeichnern das Projekt "Eye Contact" (Augenkontakt) zu starten. Aus dem ursprünglichen Vorhaben, Stummfilme aus beiden Kulturen neu zu vertonen, ist neben einer in der Bonner Bundeskunsthalle aufgenommenen CD inzwischen ein erweitertes multimediales Projekt geworden.

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In einem Dialog zwischen Live-Zeichnern, Stummfilmsequenzen und Musik aus beiden Kulturen findet - allen sprachlichen Barrieren zum Trotz - eine weitere Annäherung der Menschen über die Künste statt. Dieser steht stellvertretend als weiterer Mosaikbaustein auf dem Weg der vorsichtigen Öffnung des Landes und als Brückenschlag hin zu westlichen Kulturen. Neben dem Austausch über Eigenheiten von kulturellen Tugenden und Traditionen geht es auch um die jeweilige Geschichte, um Religion und Weltanschauungen.

Die Uraufführung von "Eye Contact" wird anlässlich der Wiedereröffnung des Goethe-Instituts in Myanmar im Februar nächsten Jahres stattfinden. Das deutsche Kulturinstitut hatte sich nach Beginn der Diktatur vor 50 Jahren aus dem damaligen Birma zurückgezogen. Zu den Feierlichkeiten 2014 werden hochrangige Gäste erwartet, darunter Bundespräsident Joachim Gauck. Im Sommer dann wird es weitere Aufführungen in Europa geben, so auch in der Bundeskunsthalle in Bonn und vielleicht auch wieder in Duisburg.

(RP)
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