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Duisburg: Auftakt im Theater-Trakt

Duisburg : Auftakt im Theater-Trakt

Das Programm der 34. Duisburger Akzente "500 Jahre Gerhard Mercator" im Theater-Trakt im Festivalzentrum Mercator-Quartier begann jetzt mit der etwas kuriosen Renaissance-Video-Installation "Global_Eyes".

Die junge Frau auf dem Video hat in den Händen einen Schlagbohrer. Wütend bearbeitet sie die Wand und reißt sie nach und nach ein. Der Beginn der Renaissance-Video-Installation "Global_Eyes" macht uns als Besucher erst einmal klar, wo wir uns befinden. Der Theater-Trakt im Festivalzentrum Mercator-Quartier ist ja das ehemalige Kaufmännische Kolleg am Burgplatz; an der Stelle, wo Gerhard Mercator seinerzeit wohnte.

In den verschiedenen Etagen haben sich für die Dauer der 34. Duisburger Akzente "500 Jahre Gerhard Mercator - Vom Suchen und Finden" diverse freie Theatergruppen eingerichtet. Die "kainkollektiv"-Regisseure Mirjam Schmuck und Fabian Lettow sowie der Medienkünstler Nils Voges von sputnic haben im zweiten Stock die Gang-Wände zweier gegenüberliegender einstiger Klassenzimmer eingerissen, dazwischen nimmt das Publikum Platz.

Auf ein großes Leintuch werden teils vorproduzierte, teils live abgefilmte Videos gezeigt. Ansonsten wird sehr viel nasse Wäsche getrocknet und aufgehängt. Die Fiktion von "Global_Eyes" ist nämlich eine Flutkatastrophe in Duisburg, bei der einiges aus den Fugen gerät, und zwar nicht nur äußerlich.

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Das wird teils erschreckend, teils augenzwinkernd erzählt, etwa wenn eine somalische Piratendelegation eine Hafenrundfahrt macht. Das enthält immer wieder Seitenhiebe auf die mehr oder weniger aktuelle Befindlichkeit in Duisburg, etwa wenn es heißt, der Bürgermeister solle ins Sauerland abgeschoben werden, verschanze sich aber im Rathaus, weil er jede Verantwortung für die Naturkatastrophe von sich weise.

Ob man diesen etwas kuriosen 80 Minuten in deutscher, englischer und französischer Sprache einen tieferen Sinn abgewinnt, bleibt jedem selbst überlassen. Getragen wird der Abend aber durch die drei ganz großartigen Darsteller, nämlich die junge Schauspielerin Bianca Künzel, die Mezzosopranistin und Gambistin Vanessa Taylor sowie den Countertenor Michael Taylor.

Ihre eindringliche Präsenz lässt den manchmal ein wenig abgedrehten Text dennoch gut zur Geltung bringen. Grund genug, noch eine der beiden folgenden Aufführungen zu besuchen: am heutigen Dienstag, 6. März, um 19 Uhr, und am Mittwoch, 7. März, um 20.30 Uhr. Der Eintritt kostet acht Euro, ermäßigt sechs Euro. Infos unter www.duisburger-akzente.de.

(hod)