Unser Jahr: Aufbruchstimmung erwünscht

Unser Jahr : Aufbruchstimmung erwünscht

Persönliche Erlebnisse und Erfahrungen einmal ausgeblendet und auch die, die über unsere Stadtgrenzen hinausgehen, so ist der Blick zurück auf das Jahr 2016 in Duisburg eher grau als rosa. Aber, es gab Positives zu berichten. So zum Beispiel, dass der Zoo ein neues, attraktives Tigergehege bekommen hat und es mit der Delfinzucht so gut klappt. Immerhin ist der Tierpark nach wie vor einer der wichtigsten Imageträger Duisburgs. Schön auch, dass der Hafen seinen 300. Geburtstag feierte. Wobei: Viel mehr als das Fest in Ruhrort mit dem großartigen Feuerwerk wird die breite Öffentlichkeit kaum mitbekommen haben. Vielleicht ist ja bei dem einen oder anderen hängengeblieben, dass mit dem "Poseidon" auf der Mercatorinsel ein neues Kunstwerk steht.

Dass unsere Mercatorhalle wieder geöffnet ist, wird all jene freuen, die dort zum Feiern hinkommen oder Konzerte besuchen. Sportfans wird begeistert haben, dass sich der MSV zum Herbstmeister der Dritten Liga küren konnte und vielleicht auch, dass im Sommer die Beachvolley-Baller den König-Heinrich-Platz "unter Sand" setzten. Schaut man allerdings auf die eigentliche Stadtentwicklung, ist Euphorie nicht angebracht. Wenn sich hier etwas bewegt hat, dann fast nur, weil die Stadt in die Fördertöpfe von Land und Bund greifen konnte. Es mangelte erneut an Eigendynamik, an Aufbruchstimmung und an Begeisterungsfähigkeit. Nach wie vor leidet Duisburg in der Außendarstellung darunter, eine Schmuddelstadt zu sein. Obwohl vermutlich in allen Großstädten ähnliche Situationen herrschen, steht Marxloh bundesweit für Ghetto. Und hätte unsere Rechtsdezernentin nicht durchgegriffen und zu Recht Schmuddelhäuser räumen lassen, man hätte den Eindruck gewinnen können, dass man im Rathaus lieber auf bessere Zeiten hofft, als zur Tat zu schreiten.

Trotz der zahlreichen Straßenbaustellen (finanziert vom Bund) hat sich der Eindruck festgesetzt, dass bei der Verkehrsinfrastruktur hier nach wie vor eine Menge im Argen liegt. Die teilgesperrte Hochbrücke am Marientor, der auf Jahre nur eingeschränkt nutzbare Karl-Lehr-Brückenzug, ein immer unkomfortabler werdendes innerstädtisches Netz - Spaß macht es schon lange nicht mehr, mit dem Auto durch die City zu fahren. Und mit dem öffentlichen Nahverkehr auch nicht: Der DVG fehlen intakte Straßenbahnen (hier ist allerdings Besserung in Sicht) und für den Busverkehr Linienwege ohne Staugarantie.

Und das politische Jahr 2016? Abstoßend, dass diese Horde von Pegida-Anhängern und linksautonomen Gegendemonstranten immer noch vor dem Hauptbahnhof aufmarschieren dürfen. Dass für die Erdogan-Politik auf unseren Straßen (und im Rathaus) demonstriert wurde, was mit Integration ja nun wirklich nichts zu tun hat.

Und wenig erbaulich, dass die Rathauspolitik mal wieder kaum Akzente setzte. Aber was will man erwarten, wenn im Stadtrat die beiden größten Fraktionen (SPD und CDU) zusammenarbeiten und damit Opposition quasi nicht mehr stattfindet? Der Oberbürgermeister hing sich mehrfach mit Ankündigungen weit aus dem Fenster und pries gerade erst die guten Kontakte zu China, so, als wäre das etwas Neues. Dabei vergisst er zu erwähnen, dass Duisburg den großen Vorsprung längst eingebüßt hat, den die Stadt beim Abschluss der Partnerschaft mit Wuhan einst hatte. Düsseldorf beispielsweise ist auf dem besten Wege, sich als NRW-China-Zentrum zu etablieren und hätte (wegen des Images) weitaus bessere Karten, wenn es etwa um die Ansiedlung von Firmen aus Fernost geht. Ausnahme: Sie wollen die Hafennähe, denn da ist Duisburg absolut Spitze.

Wenn in den nächsten zwölf Monaten den Ankündigungen aus dem Rathaus nicht auch Taten folgen, dann werden wir Ende des Jahres erneut feststellen müssen, dass Duisburgs Aussichten grau statt rosa sind. Hoffen wir im Interesse unserer Stadt, dass es anders kommt. Hildegard Chudobba

(RP)