Duisburg: Auf dem Weg zum kritischen Leser

Duisburg: Auf dem Weg zum kritischen Leser

Gestern ist das Projekt "Schüler lesen Zeitung" der Rheinischen Post gestartet. Sechs Wochen lang lesen Schüler aus ganz Duisburg täglich die Zeitung, werten sie aus, vergleichen sie mit anderen und werden selbst zu Reportern, indem sie eigene Artikel verfassen.

Homberg Was Achtklässler mit dem Tageszeitungslesen verbindet ist ziemlich unterschiedlich. Bei Julius ist es zum Beispiel das Vorbild des Vaters zu Hause: "Das habe ich mir so abgeguckt, morgens liegt die Zeitung da", erzählt er. "Ich gucke mir alles an, und den Sportteil lese ich." Mitschülerin Melanie interessiert sich "für Mode und so. Und dafür, was in der Stadt so passiert".

Oft blicken Jugendliche in ihrem Alter ja nur sporadisch mal in die Zeitung. Aber das wird sich jetzt ändern: Im Franz-Haniel-Gymnasium´ feierten Schüler und Lehrer gestern den Auftakt zu "Schüler lesen Zeitung", einem Gemeinschaftsprojekt der Rheinischen Post mit Vodafone. Sechs Wochen lang bekommen rund 350 Schüler verschiedener Duisburger Schulen täglich die Rheinische Post in die Klasse geliefert.

Im Franz-Haniel-Gymnasium machen vier achte Klassen mit. Die jungen Teilnehmer, erzählt Lehrerin Andrea Rudert, "sind ganz euphorisch bei der Sache."

Qualität unterscheiden können

Sie sollen "kritisch an Zeitungen herangehen, damit sie unterscheiden können: Was ist eine gute, was ist eine schlechte Zeitung? Wo kriege ich Informationen her, und wie kann ich sie verarbeiten?" Dazu wird solides Grundwissen vermittelt: Was ist ein Kommentar, was ist ein Bericht? Welche Ressorts gibt es, wie ist eine Tageszeitung aufgebaut? Wie verschafft sie sich Wissen und wie vermittelt sie es?

Zur Eröffnung von "Schüler lesen Zeitung" gestalteten die Gymnasiasten eine Show in ihrer Aula. Da gab es kurze Gedichte über Reporter und über Leser, einen Zeitungs-Rap, ein Quiz – Wo steht der "Kopf des Tages" in der Rheinischen Post? Wo das Wetter? – und Sketche. In einem davon hatte Schulleiter Werner Binnenbrücker einen undankbaren Auftritt: Er musste auf der Bühne den Aufbau einer Schülerzeitung unterbinden. Im wahren Leben läge ihm nichts ferner, versicherter er nachher.

Ein Kurzfilm wurde vom Publikum bejubelt: Die Filmemacher hatten Werbespots und Filmszenen neu synchronisiert und den Darstellern dabei mit einem Schuss Humor Dialoge übers Zeitungslesen in den Mund gelegt.

Jugendliche auf Themensuche

Jetzt geht es für die Schüler ans Lesen und ans Schreiben. Die Jugendlichen haben Presseausweise bekommen und verfassen Artikel, die sogar in der Rheinischen Post abgedruckt werden können.

Ihre Themen suchen sie sich selbst. "Mal gucken, vielleicht was über Vereine", überlegt zum Beispiel Torben. "Vielleicht was über Veranstaltungen, die hier stattfinden", erwägt Laura. Jedenfalls ist sie sicher: "Wenn wir selbst Berichte schreiben, dann wird es bestimmt noch interessanter, die Zeitung zu lesen."

(RP)