Duisburg: "Attentat" ohne Verletzte

Duisburg : "Attentat" ohne Verletzte

Das "Straßenbahnderby" hatte es in sich – nicht nur auf dem Platz: Es gab elf Freiheitsentziehungen, 14 Anzeigen wegen Körperverletzungen und ähnlicher Delikte und reichlich sichergestellte Pyrotechnik. Es wird weiter ermittelt.

Unrühmlicher negativer Höhepunkt des "Straßenbahnderbys" der zweiten Fußball-Bundesliga zwischen dem MSV Duisburg und Fortuna Düsseldorf war der "Beschuss" des Gäste-Fanblocks mit Leuchtraketen von Block 1 der Westtribüne. Martin Haltermann, Pressesprecher des MSV, bezeichnete dies ziemlich drastisch, aber wohl zutreffend als "Attentat". Gottlob sei nach ersten Erkenntnissen niemand verletzt worden, sagte er. Eine Leuchtrakete sei auf dem Dach liegengeblieben, eine andere sei auf dem Rasen niedergegangen, eine flog auf die Tribüne.

364 Ordner und mehrere Hundertschaften der Polizei hatten nicht verhindern können, dass Kriminelle jede Menge Feuerwerkskörper in die Schauinslandreisen-Arena geschmuggelt hatten. "Wir haben jede Menge Pyrotechnik sichergestellt", erklärte Polizeisprecher Ramon van der Maat am Tag nach dem aus Duisburger Sicht mit 0:2 verlorenem Derby. Trotz Körperkontrollen an den Eingängen – die Sache des Sicherheitsdienstes und nicht der Polizei sind – sind aber offensichtlich noch immer größere Mengen Pyrotechnik ins Stadion gelangt. "Leuchtspurmunition, die man im Internet bestellen kann, ist oft nur so groß wie ein Edding-Stift", so der Polizeisprecher. Wie kriminell die vermeintlichen "Fußball-Fans" vorgehen, zeigt auch die Tatsache, dass einige mit in Kondomen versteckten Chemikalien ins Stadion kommen, die dort zum Beispiel auf der Toilette zusammengemixt werden. Selbst die vom MSV aus eigenen Mitteln angeforderten Sprengstoff-Spürhunde hatten nicht angeschlagen.

Die Polizei weist Vorwürfe zurück, sie habe beim Leuchtraketenbeschuss tatenlos zugesehen. "Anschließend mit zahlreichen Polizisten einen voll besetzten Block zu stürmen, würde nichts bringen." Van der Maat ist sicher, dass die Schuldigen anhand von Videoaufnahmen ausfindig gemacht werden. Aber auch hiergegen lassen sich Chaoten immer neue Tricks einfallen: Sie ziehen sich mehrfach um, tragen Perücken oder wechseln mehrfach den Standort.

"Unter den 23 117 Besuchern waren rund 500 gewaltbereite Düsseldorfer und noch weniger gewaltbereite Duisburger", so van der Maat. Die allermeisten von ihnen seien der Polizei ohnehin bekannt. Manchmal werde man den Übeltätern schnell habhaft, und es sei auch stets ein Vertreter der Duisburger Staatsanwaltschaft vor Ort.

Stadionverbote

Der MSV prüft nun, ob Stadionverbote ausgesprochen werden müssen. Acht Verbote hat es in der laufenden Saison bereits gegeben. Außerdem droht erneut eine Geldstrafe seitens des Fußball-Bundes, die aber gegebenenfalls an die Täter weiter gegeben werden soll. In diesem Zusammenhang ist der Verein bereits ein "gebranntes Kind". "Wir werden mit allen Mitteln versuchen, bei der Fahndung nach den Verantwortlichen dieser Zwischenfälle fündig zu werden", sagte Haltermann.

Vergleichsweise ruhig ging es in den Straßenbahnen zu: Nachdem Randalierer im vergangenen Jahr gleich zwei Bahnen "zerlegt" hatten, erklärten Thomas Nordiek (DVG) und Georg Schumacher (Rheinbahn) gestern, aus Sicht der beiden Verkehrsbetriebe sei es ein "fast normales Fußballspiel" gewesen.

(RP)