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Duisburg: Asylheim: Hitzige Debatten in Neuenkamp

Duisburg : Asylheim: Hitzige Debatten in Neuenkamp

Bei einer Bürgerversammlung hatten die städtischen Vertreter einen schweren Stand. Eierwurf auf das Haus von Manfred Osenger.

Der Bürgerverein Neuenkamp hatte am Montagabend zu einer Informationsveranstaltung zum Thema "Asylbewerberheim in Neuenkamp" eingeladen, und das Interesse war gewaltig. Der Veranstaltungssaal des "Krins-Weber-Zentrums" war voll besetzt, und vor dem Gebäude warteten noch weit über 100 Interessierte, die lautstark ihren Unmut über den Planungsbeschluss der Stadt deutlich machten. Neben Sascha Westerhoven vom Neuenkamper Bürgerverein kamen mit Andrea Bestgen-Schneebeck, Leiterin des Sozialamtes, und Helmut Brüggenhorst vom Gebäudemanagement zwei Vertreter der Stadt, die aus erster Hand über den geplanten Umbau der ehemaligen Hauptschule berichteten.

Moderiert wurde die Veranstaltung vom Neuenkämper Ratsherrn und stellvertretenden Bürgermeister Manfred Osenger, dessen Haus, wie berichtet, bereits Ziel einer "Eierwurf-Attacke" geworden war. Osenger verwahrte sich gegen den Vorwurf, bereits weit vor dem Ratsbeschluss von der Absicht der Verwaltung Kenntnis gehabt zu haben. Mit der Aussage "Mein Einfluss auf politische Entscheidungen ist als stellvertretender Bürgermeister begrenzt. Meine Aufgabe beschränkt sich auf das Repräsentieren", versuchte sich Osenger bei seinen Neuenkämpern erstmal aus der Schusslinie zu bringen.

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Andrea Bestgen-Schneebeck erläuterte, dass derzeit 2000 Flüchtlinge in Duisburg untergebracht und in diesem Jahr weitere 1600 Asylbewerber zu erwarten seien. Die Sozialamtsleiterin machte noch einmal deutlich, dass die Unterbringung der Kriegsflüchtlinge eine gesetzliche Aufgabe sei und die Verteilung bundesweit nach einem festgelegten Schlüssel erfolge. Für Duisburg gelte, dass in jedem Stadtbezirk eine Gemeinschaftsunterkunft zur Aufnahme der Asylbewerber einzurichten ist. Zusätzlich seien für die Unterbringung im ganzen Stadtgebiet - auch in Neuenkamp - Wohnungen angemietet worden.

Zur Beruhigung der Diskussion trugen die vorgetragen Argumente und die Erläuterung der Rechtslage allerdings nicht bei. In zum Teil hitzigen Wortmeldungen machten die Anwesenden ihre Ablehnung gegen die städtischen Pläne deutlich und fragten, warum nicht andere Standorte wie das Schulgebäude an der Obermauerstraße, die stillgelegte ehemalige Kaufmännische Berufsschule oder das leerstehende Verwaltungsgebäude an der Memelstraße für die Aufnahme vorgesehen seien. Stephan Kiepe-Fahrenholz vom Diakonischen Werk versuchte die zum Teil aggressiv verlaufende Diskussion wieder zu versachlichen, indem er zum Teil falsche Vorstellungen - "Wir reden hier über Asylbewerber und nicht über Zuwanderer aus Südosteuropa" - gerade zu rücken versuchte. Das tat auch Andreas Fateh, der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, der klar machte, dass der Beschluss des Rates unumkehrbar und eine Bürgereingabe nur noch wegen baurechtlicher Bedenken möglich sei. Seine von Beifall begleitete Aussage "Es ist auf keinen Fall zu akzeptieren, dass das Recht auf Asyl in Frage gestellt wird" zeigte, dass auch nachdenkliche Töne in Neuenkamp durchaus ankamen.

Sascha Westerhoven vom Bürgerverein ist der Meinung, dass Neuenkamp aufgrund der Infrastruktur ein ungeeigneter Standort ist. Nach seiner Meinung könne man die Schule nur noch abreißen. Auf jeden Fall werde man dem Rat Unterschriftenlisten gegen die Einrichtung des Asylbewerberheims vorlegen. Manfred Osenger stellte zweifelnd die Frage, wie viel Asylbewerber sein Stadtteil denn vertrage und hofft darauf, dass, falls es doch zu der Sanierung der Schule kommen sollte, dort auch das Jugendzentrum, das sich bisher im Keller des gegenüberliegenden Kindergartens befindet, untergebracht wird. Anke Rieke, die Schulleiterin der Grundschule Lilienthalstraße, erwähnte, dass bereits 16 Kinder aus Syrien, Eritrea und anderen Krisengebieten als "Seiteneinsteiger" in Neuenkamp zur Schule gingen und sehr motiviert, lernwillig und vor allen Dingen äußerst dankbar seien. Mit dem Bezug des sanierten Asylbewerberheims müsse man mit bis zu 60 Kindern rechnen, die die Grundschule besuchen werden. Das sei nur mit mehr Klassen und auch einer entsprechenden Lehrerzuweisung zu bewältigen.

In der ehemaligen Hauptschule an der Paul-Rücker-Straße sollen ab dem kommenden Jahr 160 Kriegsflüchtlinge untergebracht werden. Die Sanierung der Schule wird rund 1,5 Millionen Euro kosten.

(RP)