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Duisburg: Asyl: Stadt muss Alternativen finden

Duisburg : Asyl: Stadt muss Alternativen finden

An der Kaßlerfelder Straße (Kaßlerfeld) wird wohl kein neues Asylbewerberheim entstehen, und auch der Standort Zechenstraße (Homberg) wackelt. Es müssen also andere Lösungen her - und das, obwohl die Zeit drängt.

Mindestens einer der geplanten Standorte für ein neues Asylbewerberheim ist so gut wie vom Tisch: An der Kaßlerfelder Straße in Kaßlerfeld wird höchst wahrscheinlich keine neue Unterkunft entstehen. Prüfungen hätten ergeben, dass wegen der Nähe zu diversen Industrieunternehmen hier ein umfangreiches Störfallgutachten in Auftrag gegeben werden müsste, erläutert Anja Geer, Leiterin der Bauaufsicht. "Zudem ist Lärm an dieser Stelle ein Thema. Hier wäre eine hohe Lärmabschottung nötig." Weil dies zu teuer wäre und vor allem die Zeit drängt, wird die Stadt Duisburg von diesem Standort also wohl Abstand nehmen. Ähnliches deutet sich in Homberg an: An der Zechenstraße soll ebenfalls ein Asylbewerberheim entstehen. Hier, erläutert Geer, bestehe wegen der unmittelbaren Nähe zum Chemieunternehmen Huntsman (ehemals Sachtleben) eine ähnliche Problematik.

Es zeichnet sich also ab, dass sich die Stadt nicht nur im Bezirk Mitte, sondern auch in Homberg/Ruhrort/Baerl nach einem alternativen Standort umsehen muss. Das sind zeitliche Verzögerungen, die ihr die Arbeit nicht unbedingt leichter machen. Denn von den sieben neuen Standorten, die der Rat der Stadt 2013 beschlossen hatte, sind bislang lediglich die Unterkünfte Masurenallee (Wedau) und Helmholtzstraße (Beeck) fertig - und sie sind voll belegt.

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Bis das Heim an der Deichstraße/Hochfelder Straße (Hochemmerich) bezugsfertig ist, werden laut Stadtdirektor und Sozialdezernent Reinhold Spaniel wohl noch anderthalb Jahre vergehen. Grund seien Verzögerungen, weil der Auftrag neu ausgeschrieben werden musste. Immerhin: Mitte März soll die Unterkunft an der Königstraße (Walsum) fertig sein, bis Ende Juni die an der Holtener Straße (Hamborn).

 Die Unterkunft am ehemaligen Barbara-Hospital ist eine Einrichtung des Landes.
Die Unterkunft am ehemaligen Barbara-Hospital ist eine Einrichtung des Landes. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Doch ausreichen wird das nicht sehr lange. "Keiner weiß, wie sich die Lage entwickelt", sagt Spaniel. Anfang 2014 seien Duisburg pro Monat im Schnitt 100 neue Asylbewerber zugewiesen worden, gen Jahresmitte dann schon 130 pro Monat, im November seien es gar 170 gewesen.

Aktuell sind in Duisburg knapp 2000 Asylbewerber untergebracht - in den sechs alten Heimen, in den beiden neuen, in rund 280 "beschlagnahmten" Wohnungen sowie in der Turnhalle Dislichstraße (Meiderich) und in der ehemaligen Schule mit Turnhalle an der Werthauser Straße (Rheinhausen), die übergangsweise als Not-Unterkünfte dienen.

Aber auch diese sind schon voll, genau wie es die ehemalige Jugendherberge am Kalkweg schon bald sein wird. Dort sind am 5. Januar die ersten Asylbewerber eingezogen. In der vergangenen Woche waren es bereits rund 40 Menschen, die darauf warten, dass ihre Anträge auf Asyl bearbeitet werden. Deshalb begrüßt Spaniel auch ausdrücklich die Ankündigung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, sein Personal deutlich aufzustocken, um Asylanträge schneller bearbeiten zu können.

Spaniel: "Derzeit dauert das im Schnitt acht bis neun Monate. Es ist der richtige Ansatz, das Verfahren zu beschleunigen."

(RP)