1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg: Armutsquote ist "dramatisch"

Duisburg : Armutsquote ist "dramatisch"

Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) gehört Duisburg zu den ärmsten Großstädten in Deutschland. Lokale Experten sind darüber alles andere als überrascht.

Über 100.000 Duisburger sind arm, das entspricht knapp unter einem Viertel der ansässigen Bevölkerung. Das sagt die aktuelle Erhebung der WSI aus. Daten für die 15 größten deutschen Städte wurden ausgewertet, unter anderem für Leipzig, Dortmund, Bremen, Berlin, München und eben Duisburg. Die geringste Armutsquote weist dabei Bayerns Hauptstadt mit rund zwölf Prozent auf.

Zwar ist die ärmste Großstadt den Angaben zufolge Leipzig – dort waren 2011 rund 25 Prozent der Bewohner arm – doch auch in Dortmund und Duisburg sei die Lage "dramatisch", erklärte Sozialforscher Eric Seils. In Duisburg liegt die Quote derzeit bei 23,5 Prozent, in den vergangenen Jahren ist in keiner deutschen Stadt diese mehr gestiegen. Alleinstehende in diesem Bevölkerungsteil verdienen weniger als 848 Euro im Monat.

"In keiner anderen Stadt wird weniger Geld verdient"

Die Zahlen beeindrucken die lokalen Experten aber nicht im Entferntesten. "Dieses Armutsrisiko ist generell bekannt, wir haben ja bereits Anfang des Jahres eine vergleichbare Studie gehabt. Überraschend ist das keineswegs", erkärt Andreas Fateh, Geschäftsführer der Paritätischen Kreisgruppe Duisburg. Er sagt aber auch: "Dieses Problem besteht in ganz Nordrhein-Westfalen".

  • Osten und Ruhrgebiet besonders betroffen : In deutschen Großstädten wächst die Armut
  • Befristete Stellen sind laut Gewerkschaft IG
    Laut IG Bau : Im Kreis Kleve sind 52 Prozent aller Neueinstellungen befristet
  • Großer Andrang bei einer Impfaktion in
    Vom Land NRW : Duisburg erhält Sonderkontingent für Impfungen in Hotspots

Karl-August Schwarthans, Geschäftsführer der AWO-Integrations GmbH in Duisburg, findet deutlichere Worte: "Armut bedeutet ja primär, wie viel Geld ein Mensch besitzt. Und in keiner anderen Stadt wird weniger Geld verdient, als hier in Duisburg. Bei dem Thema Privatüberschuldung sind wir sogar bundesweit Schlusslicht."

Das größte Problem sieht er bei dem derzeitigen Schulsystem. Sozial benachteiligte Kinder würden keine Möglichkeit haben, einen guten Schulabschluss zu absolvieren, so Schwarthans: "Das ist ein direkter Sachzusammenhang, den man nicht verleugnen kann". Die in Duisburg herrschende Armut betrifft aber nicht nur die jüngeren Generationen, auch die in den vergangenen Monaten oft diskutierte Altersarmut spiegelt sich in der Studie der WSI wider. "Im Grunde genommen sind alle Altersgruppen betroffen", so das Fazit von Fateh.

(REU)