Duisburg: Antisemitismus? Polizei weist Vorwurf zurück

Duisburg: Antisemitismus? Polizei weist Vorwurf zurück

Der stellvertretende Polizeipräsident von Duisburg, Detlef von Schmeling, ist durch seine Teilnahme an einer Lesung des Israel-Kritikers Hermann Dierkes in die Kritik geraten. Dierkes, Vorsitzender der Linkspartei im Duisburger Stadtrat, hatte im vergangenen Jahr zum Boykott von israelischen Produkten aufgerufen. Die NRW-CDU hatte ihm daraufhin "Nazipropaganda" vorgeworfen.

Bei der Lesung hatte Dierkes sein neues Buch "Bedingungslos für Israel?" vorgestellt. Der Vize-Polizeipräsident hatte nach der Veranstaltung ein Exemplar erworben. "Ich habe an der Lesung privat und als politisch interessierter Bürger teilgenommen", erklärte von Schmeling auf Anfrage. Antisemitische Äußerungen seien nicht gefallen.

Bei der Lesung hatte es einen Zwischenfall gegeben. Ein Journalist, der Aufzeichnungen machen wollte, war aus dem Raum verwiesen worden. Von Schmeling habe nicht eingegriffen, berichtet der Internet-Blog "Ruhrbarone". Der Autor fragt sich, ob es einen Zusammenhang zwischen dieser "Geisteshaltung" und einem Polizeieinsatz vom vergangenen Jahr gebe. 2009 war die Duisburger Polizei kritisiert worden, weil sie eine israelkritische Demonstration von Hamas-Anhängern unzureichend gesichert hatte. Dabei war von der Polizei eine israelische Fahne an einem Privathaus "aus Sicherheitsgründen" abhängt worden.

Der Vize-Polizeipräsident erklärte, er sei mit dem Demo-Einsatz nicht befasst gewesen. Es sei "absurd" und "grober Unfug" wenn der Eindruck erweckt werde, er schließe sich antisemitischen Positionen an. Von Schmeling betonte, er sei seit Jahrzehnten SPD-Mitglied. Allerdings teile er in Einzelfragen die Positionen der Linkspartei.

Horst Engel, innenpolitischer Sprecher der FDP, kritisierte, das Spitzenpersonal in Polizeibehörden sollte sich auch außerhalb der Dienstzeit vorbildlich verhalten. Die Linkspartei werde nicht ohne Grund vom NRW-Verfassungsschutz beobachtet. Die Teilnahme an der israelkritischen Veranstaltung des umstrittenen Fraktionschefs sei "mehr als fragwürdig".

(RP)