Duisburg: Anke geht gerne im Anker vor Anker

Duisburg: Anke geht gerne im Anker vor Anker

Die Sängerin, Pianistin, Komponistin, Texterin und Filmemacherin Anke Johannsen ist eine vielseitige Wahl-Duisburgerin. Sie komponiert für Telefon-Warteschleifen, reist in den Libanon und tritt bald mit Robert Tonks auf.

Es gibt wohl nichts in ihrem Leben, was sie nicht kann - zumindest im Bereich der Musik, aber auch zuweilen darüber hinaus. Die Rede ist von Anke Johannsen, der Sängerin, Pianistin, Komponistin, Texterin und Filmemacherin, die seit einiger Zeit vor allem in Duisburg und dort insbesondere in Ruhrort von sich reden macht.

Am 15. Juni 1981 im nordrhein-westfälischen Siegburg geboren zog sie kurze Zeit später nach Süddeutschland und wuchs im Südwesten Baden-Württembergs unmittelbar an der Schweizer Grenze auf. Dort hat sie im elterlichen Wohnhaus zunächst in Lauchringen gelebt, wo sie zur Grundschule gegangen ist, dann im Nachbarort Waldshut-Tiengen, wo sie das Gymnasium besuchte. Nach dem Abitur folgte ihr Wegzug aus dieser Gegend mit anschließendem Auslandsaufenthalt, darunter in den USA, Afrika und Asien. Vor etwa fünf Jahren entschloss sie sich, nach Duisburg zu ziehen - "vorläufig", wie sie einst vorhatte. Der Grund dafür war ihre Großtante, die aus Duisburg stammte. Doch diese verstarb vor zwei Jahren und Anke Johannsen wollte "lieber heute als morgen wieder weg".

Dieses Lebens-Stenogramm ist völlig atypisch für den Charakter der 32-Jährigen und ihre Lebens- und Arbeitseinstellung. Sie ist alles andere als ein Überflieger im Sinne von höher, schneller, weiter oder gar oberflächlich. Ihre Musik und Dichtung zieht sie aus der Tiefe des Menschen, deren Seele, Sinne und Gefühle und dringt dorthin wieder zurück.

"Nach dem Tod von Tante Anneliese", so Johannsen, "fühlte sich Duisburg für mich völlig leer an. Also befasste ich mich mit anderen deutschen Städten und Ländern auf der Suche nach meiner künftigen Wahlheimat. Doch dann passierte etwas, was nicht auf meinem Zettel stand: das Leben." Im Juni 2011 lernte sie nämlich das Café Kaldi in Ruhrort kennen, dessen beherzte Inhaberinnen Silke Laskowski und Britta Gies, aber auch, wenn nicht sogar vor allem, die liebenswerten Menschen, die dort verkehren. Und so fragte sie sich: "Wie sehr hatte ich dieser Stadt bislang eine Chance gegeben, zu meiner Heimat zu werden? Wie sehr hatte ich mich auf sie eingelassen? Wie sehr war ich hier überhaupt je angekommen?"

  • Wer macht mit? : Stadtwerke rufen zur Baumpflanzaktion auf

Fortan sprudelte sie vor Kreativität als auch von Ideen und Projekten. Nach der Gründung ihrer Band, der "Anke Johannsen Band", nahm sie im August 2011 in dieser Besetzung das Album "Es war einmal..." auf, das sie vor allem durch sogenanntes "Crowdfunding" finanzierte. Sofort war sie damit Thema der Medien und der Wirtschaftsförderung. Und mit dem Album ging sie auf Tournee. 2012 klopfte die "R+V Betriebskrankenkasse" aus Wiesbaden bei ihr an und bat sie, eine Komposition als Warteschleife für deren Telefonnetz zu machen. Heraus kam nicht nur eine chillig-loungige Musik mit einem witzigen Text dazu über das mühselige Warten in der Leitung, sondern auch ein dazugehöriger kurzweiliger Video-Clip. Sowohl der Song als auch das von ihr für Social-Media-Zwecke produzierte Video erfuhren viele Internet-Klicks und erlangten bundesweite Beachtung. Im August des gleichen Jahres nahm sie ihr Piano-Album "Auf dem Seil" auf mit 12 Improvisationen, alle live eingespielt auf einem Steinway-Flügel.

Ende 2012 folgte ihre wagemutige musikalische Solo-Reise in den Libanon. Zehn Tage und Nächte war sie dort und kam wieder voller Eindrücke und Erlebnisse. In einem mitreißenden Vortragskonzert Anfang dieses Jahres in Ruhrort (die RP berichtete), fasste sie die Konzertreise in den Libanon in Wort, Bild und Ton zusammen. Inspiriert von dieser Arbeit machte sie sich nahtlos auf, einen Film über das Thema "Mut" zu drehen. Das Ergebnis ist ein Video mit einer großen Portion von "Über-Mut" bis übermütig. Zwischendurch gibt Anke Johannsen immer wieder Konzerte, ob allein oder mit Band, ob daheim oder unterwegs. Mit Vorliebe aber geht sie im Café Kaldi, ihrem "zweiten Wohnzimmer", wie sie sagt, der ehemaligen Kneipe "Zum Anker", vor Anker. So zuletzt am 8. August mit einem Soloauftritt vor ausverkauftem Haus.

Ihr neuestes Projekt "Pool Position" widmet sie der Einrichtung "pro kids". Das Streetwork- und Kontaktcafé vom Diakoniewerk Duisburg feiert am 27. September sein zehnjähriges Bestehen. "pro kids" ist eine Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der Innenstadt, deren Lebensmittelpunkt die Straße ist. Zusammen mit anderen Engagierten, darunter der Autor Robert Tonks, dessen Buchtitel dem Projekt den Namen gab, musiziert sie mit diesen jungen Menschen und dem Ziel, ein Projekt zu entwickeln, bei dem verschiedene Generationen und Kulturkreise mit Hilfe der Musik einander begegnen.

Info im Internet: http://www.anke-johannsen.de

(RP)
Mehr von RP ONLINE