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Loveparade-Anklage in Duisburg: Angehörige und Opfer: "Schlimmste Befürchtungen bewahrheitet"

Loveparade-Anklage in Duisburg : Angehörige und Opfer: "Schlimmste Befürchtungen bewahrheitet"

Die Duisburger Staatsanwaltschaft hat gegen sechs städtische Bedienstete, darunter den früheren städtischen Baudezernenten, Anklage erhoben. Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland, Lopavent-Chef Rainer Schaller und Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe gehören nicht zu den Angeschuldigten, dafür aber vier Lopavent-Mitarbeiter.

Angehörige von Opfern zeigten sich von den Ergebnissen der Ermittlungen enttäuscht, die der Leitende Oberstaatsanwalt Horst Bien, Oberstaatsanwalt Michael Schwarz und Staatsanwältin Anna Christiana Weiler am Mittwoch bei einer Pressekonferenz vor zahlreichen Journalisten in der Rheinhausen-Halle vorstellten.

Die Einlasskontrollen vor der Rheinhausen-Halle waren so streng, dass nicht einmal Angehörige von Opfern der Loveparade-Katastrophe eingelassen wurden. So standen sie im Eingangsbereich und berichteten den Journalisten von ihrer Enttäuschung über die bisherigen Ermittlungsergebnisse. Auch der Fotograf der Stadt Duisburg kam nicht in die Halle: Er hatte keinen Presseausweis dabei. Anders war es dann bei der öffentlichen Stellungnahme von Oberbürgermeister Sören Link im "Kleinen Prinzen" in der Innenstadt: Hier bekam jeder Zutritt — dafür beantwortete Link nach seinem Statement keinerlei Nachfragen. Link empfahl den Ratsmitgliedern indirekt. den Dezernenten Wolfgang Rabe am 7. April nicht wiederzuwählen, um so "den Aspekt der politischen Verantwortung" bei dieser Entscheidung zu berücksichtigen, so Link.

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Jörn Teich von der Betroffenen-Initiative LoPa 2010 teilte mit, die "schlimmsten Befürchtungen Betroffener und Angehöriger" würden sich nun bewahrheiten. Dass die Verantwortlichen, die am 25. Juli 2010 bei der Pressekonferenz als "Loveparade-Macher" auftraten, nun strafrechtlich nicht belangt werden, sei "die Katastrophe nach der Katastrophe".

Viele haben nun die Hoffnung, dass die ausstehenden Zivilprozesse um Schadensersatzansprüche von Loveparade-Geschädigten mehr Aufklärung bringen als die strafrechtliche Aufarbeitung, die vermutlich auch noch Jahre andauern wird.

(mtm)