1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Thema Altenwohnanlage Der Fliedner-Stiftung: Angehörige erheben schwere Vorwürfe

Thema Altenwohnanlage Der Fliedner-Stiftung : Angehörige erheben schwere Vorwürfe

Aufzeichnungen und Berichte zeichnen das Bild einer Vernachlässigung der Heimbewohner. Fliedner äußert Bedauern, weist die Anschuldigungen aber zurück.

Großenbaum Gegen die Altenwohnanlage der Fliedner-Stiftung erheben mehrere Angehörige von Bewohnern schwerwiegende Vorwürfe. Aufzeichnungen, die eine Angehörige über anderthalb Jahre lang gemacht hat, zeichnen das Bild einer möglichen Vernachlässigung von Bewohnern. Zurückhaltend äußert die Stiftung Bedauern: "Wir bedauern, wenn begründeter Anlass zur Beschwerde vorliegt", so Pressesprecherin Claudia Kruszka. Im Übrigen gelte aber: "Die zum großen Teil langjährigen Mitarbeiter leisten eine wertvolle Arbeit."

Dem widersprechen einige Angehörige und nennen Beispiele. Da sei eine alte Dame mehr als ein dutzend Mal aus ihrem Rollstuhl gerutscht. Sie habe sich dabei zwar keine Brüche zugezogen, habe aber ärztlich untersucht werden müssen. Als Ursache für die Stürze habe sich herausgestellt, dass die Feststellbremse des Rollstuhls defekt gewesen sei und die Frau beim Waschen am Waschbecken alleine gelassen worden sei, trotz Pflegestufe 2. Ein weiteres Beispiel: Zu wenig Trinken habe zum Krankenhausaufenthalt der Dame geführt. Aber auch danach seien monatelang keine Vorkehrungen getroffen worden, ihr Trinkverhalten besser zu kontrollieren. Ärztliche Weisungen seien tagelang nicht umgesetzt worden. Die Bewohnerin sei nach einem Sturz auf den Kopf kotverschmiert ins Krankenhaus gebracht worden, ohne sie vorher zu säubern - und das im Winter und im Nachthemd. Als deutliche Hinweise auf Personalmangel werteten Angehörige, dass auch das Pflegepersonal Küchenarbeiten erledigt habe. Nicht selten sei eine halbe Stunde vergangen, ehe auf den Zimmernotruf reagiert worden sei. Das Nägelschneiden sei Angehörigen überlassen worden oder einer Fußpflege - auch wenn es dafür gar keine ärztliche Verordnung gegeben habe und diese Leistung folglich vom Taschengeld der Bewohner zu bezahlen war. Dagegen hätten junge Leute im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) alleine Pflegetätigkeiten leisten müssen. Die Angehörigen vermuten, dass es hierbei darum ging, anfallende Arbeit und damit den Personalbedarf zu verringern.

Beschwerden über solche Missstände seien, so der Eindruck der Angehörigen, von allen Stellen bis hinauf zur Leitung der Stiftung in Mülheim beschwichtigt und ausgesessen worden.

Fliedner weist solche Kritik zurück: Eine erste Rückmeldung auf Beschwerden gebe es innerhalb von zwei Werktagen. Die Fußpflege gehöre zum Angebot des Hauses. FSJler seien "selbstverständlich unter der Anleitung einer Pflegekraft" eingesetzt worden.

Im Herbst hatten Missstände zu einem zweimonatigen Aufnahmestopp geführt, den die städtische Heimaufsicht über die Altenwohnanlage verhängt hatte. Jahrelange Beschwerden von Angehörigen von Bewohnern sollen mit dazu geführt haben. Zu Einzelheiten gibt die Stadt keine Auskunft. Fliedner will von einer krisenhaften Zuspitzung im vergangenen Jahr nichts wissen. Die Organisation des Hauses habe "an einzelnen Stellen leider nicht den vorgegebenen Qualitätsstandards" entsprochen, "auch in keinster Weise dem Qualitätsanspruch der Stiftung", heißt es in einer Stellungnahme. Daran habe man nachdrücklich gearbeitet. Es habe umfassende Veränderungen gegeben, auch beim Personal.

Führende Personen in der Altenwohnanlage sollen ausgewechselt worden sein oder es noch werden. Dazu sollen auch die Stationsleitung, die Pflegedienstleitung und die Heimleitung gehören. Offenbar mit Erfolg: Angehörige beobachten seit dem Jahreswechsel mehr personelle Präsenz des Pflegepersonals an Wochenenden und auch mehr Zuwendung gegenüber den Pflegebedürftigen.

(RP)