Duisburg: Am Dienstag ruht der Nahverkehr

Duisburg : Am Dienstag ruht der Nahverkehr

Alle Busse und Bahnen der DVG bleiben an diesem Tag im Depot. Mit einem ganztägigen Warnstreik will die Gewerkschaft Verdi Druck machen. Weitere Aktionen bei Kitas, der Müllabfuhr oder der Verwaltung sind möglich.

Bisher hat es erst eine Verhandlungsrunde für die Tarife im öffentlichen Dienst gegeben, da ruft Verdi bereits rund 1100 Beschäftigte der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) auf, die Arbeit für einen ganzen Tag niederzulegen. Die DVG geht daher davon aus, dass am Dienstag, 18. März, in Duisburg überhaupt kein Linienverkehr stattfinden wird. Busse und Bahnen werden ab Betriebsbeginn um 3 Uhr die Betriebshöfe nicht verlassen. Betroffen sind alle 65 Bahnen und 115 Busse des Verkehrsunternehmens. Außerdem werden die Kunden-Center in der Stadtmitte und in Marxloh den ganzen über Tag geschlossen bleiben. Nicht betroffen sind dagegen die S-Bahnen des VRR und die Regionalbahnen. Ab Mittwoch, 3 Uhr morgens, sollen alle Bahnen und Busse der DVG wieder planmäßig fahren. Die Kunden-Center öffnen um 7 Uhr am Hauptbahnhof und um 9 Uhr in Marxloh.

Thomas Keuer, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Duisburg-Niederrhein, wollte gestern noch gar keine konkreten Aktionen für einen Warnstreik bekannt geben. Die DVG war ihm zuvorgekommen. Über weitere Arbeitsniederlegungen wollte Keuer gestern nichts sagen — außer, dass weitere Warnstreiks in der kommenden Woche nicht ausgeschlossen sind. Ob dies bei Kitas, der Müllabfuhr oder der Stadtverwaltung sein wird, wollte der ver.di-Geschäftsführer nicht sagen. "Zunächst werden wir dann aber Bereiche bestreiken, die die Bürger nicht so direkt treffen", so der ver.di-Geschäftsführer.

Die Tarifverhandlungen werden am Donnerstag und Freitag, 20./21. März, in Potsdam fortgesetzt. Einer der Verhandlungsführer bei den Gewerkschaften ist der Meidericher Achim Meerkamp. "Der kennt die Situation in Duisburg ganz genau. Und er weiß auch, dass ein neu eingestellter Busfahrer bei der DVG 2100 Euro verdient — und zwar brutto", so Keuer. Die Forderungen der Gewerkschaft enthielten daher auch eine "soziale Komponente". Konkret fordert Verdi 100 Euro mehr, eine Lohnsteigerung von 3,5 Prozent sowie einen Nahverkehrsbereichszuschlag von 70 Euro. Der Beruf des Bus- oder Bahnfahrers sei in der Vergangenheit so unattraktiv geworden, dass es gravierende Nachwuchsprobleme gebe. Nicht zuletzt deshalb bilde die DVG "nach Jahrzehnten" nun auch wieder selbst Fahrer aus, so Keuer. Insgesamt seien die Lohnsteigerungen im öffentlichen Dienst immer unter denen der Privatwirtschaft geblieben. Nun sei auch der öffentliche Bereich einmal an der Reihe. Das Gros der Betroffenen seien Menschen mit kleinerem oder mittlerem Einkommen. Wenn sich Bundestagsabgeordnete eine zehnprozentige Lohnerhöhung genehmigten, dürften auch Angestellte im öffentlichen Dienst Forderungen stellen.

Der im März ausgelaufene Tarifvertrag enthielt auch eine Regelung zur Übernahme von Auszubildenden. Danach wurden fertige Azubis bei Bedarf für ein Jahr befristet übernommen. Bewährten sie sich in diesem Jahr, gab es gleich anschließend eine Entfristung. "Auch Jugendliche können zu Helden werden", meinte ver.di-Jugendsekretär Pierre Reyer in Anspielung auf die "Wir sind Helden"-Kampagne der Gewerkschaft. Auszubildende seien aufgerufen, bei öffentlichen Aktionen zu zeigen, dass ihnen ihre Übernahme nicht egal ist. Zuletzt profitierten knapp 40 Azubis im DVV-Konzern von dieser Übernahme-Regelung. "Sie muss unbedingt erhalten bleiben", forderte Reyer. Zum ver.di-Bezirk Duisburg-Niederrhein gehören rund 30 000 öffentlich Bedienstete, in Duisburg sind es etwa 20 000. Bei der DVG seien fast alle Angestellten gewerkschaftlich organisiert, so Keuer.

(RP)