Duisburg: Altrektor: Abschied mit Witz

Duisburg : Altrektor: Abschied mit Witz

Mit einer "streng wissenschaftlichen Abschiedsfeier" leitete gestern Prof. Dr. Lothar Zechlin, der von 2003 bis 2008 die Universität Duisburg-Essen als Gründungsrektor führte, seinen sogenannten Ruhestand ein.

Wenn ein ehemaliger Rektor einer Universität in den Ruhestand geht, dann sind natürlich Abschiedsreden fällig. So auch gestern, als Prof. Dr. Lothar Zechlin, der von 2003 bis 2008 die Universität Duisburg-Essen (UDE) als Gründungsrektor führte, in den sogenannten Ruhestand verabschiedet wurde. "So genannt" deshalb, weil Zechlin zwar emeritiert wurde, aber weiterhin an der Uni Lehraufträge durchführen wird. Und das ist gut so!

Aber bitte unkonventionell!

Es gab also Reden. "Aber bitte unkonventionelle!", hatte sich Zechlin gewünscht. Und daran hielten sich alle, vor allem Zechlin selber. Nach launigen Grußworten von Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, Dekan der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften, und Prof. Dr. Susanne Pickel, Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Politikwissenschaften, hielt Zechlin selber eine überaus witzige und mit scharfsichtigen Kurzanalysen gespickte Ansprache, die als "These" formuliert war: "Lothar Zechlin als Prototyp 'erfolgreichen Scheiterns'." Zechlin, ein Meister der entlarvenden Ironie, sorgte gleich zu Beginn für Heiterkeit, als er die Anrede mit "Sehr geehrter Herr Zechlin" begann.

"Streng wissenschaftlich" blickte da jemand, der "Zechlin besser als alle anderen kennt", auf das Berufsleben und Wirken des Hochschullehrers. Die Pointe der Rede war, dass das im Titel angeführte Scheitern in Wirklichkeit gar kein Scheitern war. Und das umgekehrt so mancher Erfolg durchaus auch als Scheitern betrachtet werden kann. Für Gelächter sorgte der Altrektor, als er an Wendepunkten seiner eigenen Karriere davon sprach, dass sich "Zechlin, man muss es schon sagen, vom Acker gemacht hat..."

Seriös, von der Uni-Pressestelle aufbereitet, liest sich die Laufbahn so: 1944 in Plön geboren, studierte Zechlin Rechtswissenschaft in Marburg, München und Bonn; promovierte in Bonn und legte das Zweite Juristische Staatsexamen in Hamburg ab. Es folgten Assistentenjahre am Interdisziplinären Zentrum für Hochschuldidaktik der Uni Hamburg, ein Forschungsaufenthalt an der Sorbonne und eine zweijährige Tätigkeit als Öffentlichkeitsreferent der Hamburger Behörde für Wissenschaft und Forschung. 1980 übernahm Zechlin eine Professur für Öffentliches Recht in der Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg, zu deren Präsidenten er 1991 gewählt wurde. Zwei Jahre nach seiner Bestätigung in diesem Amt wurde er 1999 Rektor der Karl-Franzens-Universität in Graz, die er bis zu seiner Berufung als Gründungsrektor der fusionierten Universität Duisburg-Essen im Jahr 2003 leitete. Als erster gewählter UDE-Rektor übergab er die Amtsgeschäfte 2008 seinem Nachfolger Ulrich Radtke und übernahm eine Professur für Öffentliches Recht an der UDE.

Der Kontakt zu seinen Studenten sei ihm überaus wichtig, sagte Zechlin am Rande seiner Verabschiedung. Es komme darauf an, dass die Studierenden ge-, aber nicht überfordert werden. Und es schade auch nicht, wenn der Hochschullehrer seine Vorlesungen gut gelaunt halte.

(RP/rl)
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