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Premiere war in Duisburg: Als die Parkuhr nach Deutschland kam

Premiere war in Duisburg : Als die Parkuhr nach Deutschland kam

Duisburg war die erste deutsche Stadt, in der am 4. Januar 1954 sogenannte Parkographen eingeführt wurden. Das Vorbild, die "Black Maria", kam aus den USA. Inzwischen gibt es kaum noch Parkuhren – Solingen ist eine Ausnahme.

Duisburg war die erste deutsche Stadt, in der am 4. Januar 1954 sogenannte Parkographen eingeführt wurden. Das Vorbild, die "Black Maria", kam aus den USA. Inzwischen gibt es kaum noch Parkuhren — Solingen ist eine Ausnahme.

Im gedruckten Duden gibt es dutzende Begriffe zum Thema Parken: Park-and-ride-System, Parkbucht, Parkdauer, Parkkralle, Parksünder, Parkscheibe, Parkschein, Parkraum, Parkleitsystem, Parklücke, Parkausweis, Parkhaus, Parkverbot — die Parkuhr aber kommt nur noch in Klammern vor. Weil ihre Zeit längst abgelaufen ist. Sie hat als Teil der "wirtschaftlichen Parkraumüberwachung" ausgedient und ist heute nur noch ein Begriff, den man verwendet, wenn man nostalgisch über die Zeit spricht, als das Wort Parken erst erfunden wurde. In den 50er Jahren, als Automobile die Pferde als Transportmittel längst abgelöst hatten und die Automobilbesitzer ihre Fahrzeuge stundenlang vor den Geschäften abstellten, musste ein Kontrollinstrument her, das die Verweildauer regelte: die Parkuhr.

  • Mönchengladbach : Nordpark: Parkplatznot und Verkehrschaos
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Als erste deutsche Stadt installierte Duisburg am 4. Januar 1954 insgesamt 20 sogenannte Parkographen entlang der Haupteinkaufsstraße Am Buchenbaum. Mit den aus der Schweiz importierten Parkuhren sollten Dauerparker aus der Innenstadt vertrieben werden. Der damalige Verkehrsdezernent der Stadt, Fritz Seydaack, war überzeugt davon, dass die Autofahrer bald "die größten Befürworter" der Parkuhren sein würden. Doch er irrte: Die Bürger protestierten vehement gegen die "Wegelagerei" und erklärten vor Gericht, dass das Einnehmen von Gebühren gegen die Straßenverkehrsordnung verstoße. Sie nannten die verhassten Parkuhren "Groschengräber". Am 1. Mai 1956 wurde das Gesetz geändert, so dass die Städte die Pkw-Besitzer legal zur Kasse bitten konnten. So richtig in Betrieb kamen die Parkographen trotzdem zunächst nicht, wegen einer "Kinderkrankheit" froren die ersten Exemplare bei Kälte ein, und die tatsächliche Parkdauer war nicht zu ermitteln.

Zehn Pfennig pro Stunde

Zunächst musste man die Parkuhren nur mit zehn Pfennigen pro Stunde füttern. Nach dem Münzeinwurf rechnete die eiserne Säule ähnlich wie eine Eieruhr die verbleibende Zeit herunter. Später wurde das Parken deutlich teurer und brachte den Kommunen, die die eingenommenen Münzen anfangs für gute Zwecke zur Verfügung stellten, viel Geld in die Stadtkassen. In Düsseldorf an der Königsallee mussten Autofahrer in den 80er Jahren bereits drei Mark pro Stunde bezahlen.

Die erste Parkuhr überhaupt entstand in den USA, als 1935 Carlton Cole Magee das Messgerät zur Überwachung des Parkraumes in seiner Heimatstadt Oklahoma City einführte. Als Chef des Verkehrsausschusses wollte er Dauerparker aus dem Zentrum fernhalten und Platz für Kunden schaffen, die mit dem Wagen zum Einkaufen fuhren. Der Lokalpolitiker entwickelte eine mechanische Uhr, die an einer schlichten, rempelfesten Säule angebracht war. Die Amerikaner gaben der Erfindung einen ähnlich liebevollen Spitznamen wie die Deutschen: "Black Maria — Schwarze Maria".

Auch in den deutschen Städten dienten Parkuhren viele Jahrzehnte lang der Parkraumüberwachung. Seit etwa 20 Jahren geht ihre Zahl jedoch dramatisch zurück. Bereits in den 90er Jahren wurden vielerorts, etwa in Geldern, an den Parkuhren geschraubt. Später beschied die Euro-Umstellung vielen Parkuhren das endgültige Aus. So wurde 2001 unter anderem in Mönchengladbach der Restbestand abmontiert, 500 Stück wurden für 50 Mark bzw. 30 Euro verkauft. Selbst aus den USA gab es Anfragen von Liebhabern. In den sonst so fortschrittlichen Vereinigten Staaten gibt es Parkuhren nach wie vor millionenfach.

In Deutschland sind Parkuhren hingegen nur noch Sammlerobjekte, ein Gag im Partykeller oder eine ungewöhnliche Verkleidung an Karneval. In Betrieb sind sie nur noch in sehr wenigen Städten. In Solingen gehören sie noch zum Straßenbild. Laut einer Stadtsprecherin sind noch etwa 80 Parkuhren in Betrieb, die meisten von ihnen an Nebenstraßen in der Innenstadt sowie in den Stadtteilen Wald und Ohligs — dort, wo sich "der Einsatz eines Parkautomaten nicht rechnen würde", erklärt sie. In Bielefeld überdauerten sie bis in dieses Jahrzehnt. Wesel schaffte als eine der letzten Städte in NRW die Münzschlucker vor zwei Jahren ab.

Größtenteils übernehmen heute moderne, solarbetriebene Parkautomaten den Betrieb. Sie verlangen längst mehrere Euro und zwingen den Autofahrer immer wieder zu aufwendigen Geldwechsel-Aktionen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, die Gebühr gleich online per Scheckkarte zu bezahlen. Unter finanziellem Druck haben viele Kommunen in NRW in den vergangenen Monaten die Parkgebühren erhöht.

Wie die öffentliche Telefonzelle ist die Parkuhr heute nur noch ein stummer Zeuge der Vergangenheit. Die Zeit der Parkuhr ist auch in Duisburg längst abgelaufen. Heute erinnern Sketche von Loriot, die die Zeit überdauert haben, an den roten Balken, den die Uhr aus Eisen mit ihrem komplizierten Mechanismus nach dem Münzeinwurf anzeigte. Beim "Parkgebührenstreit" gerät eine Politesse (Evelyn Hamann) gegenüber der Polizei und Passanten in Erklärungsnot und redet sich dabei in Rage. Aber werden nachfolgende Generationen, die die Parkuhr gar nicht mehr kennen, über die Politesse noch lachen können?

Hier geht es zur Bilderstrecke: Parkuhren im Laufe der Zeit

(RP)