Duisburg: "Alle Gruppen vor dem Aus"

Duisburg : "Alle Gruppen vor dem Aus"

Interview Künstlerin Sigrid Beuting kritisiert die Schließungspläne für den Bürgerraum im Atelierhaus Baerl. Sie hofft auf ein Einlenken seitens der Politik.

Interview Künstlerin Sigrid Beuting kritisiert die Schließungspläne für den Bürgerraum im Atelierhaus Baerl. Sie hofft auf ein Einlenken seitens der Politik.

Die Verwaltung gibt den kostenfrei nutzbaren "Bürgerraum" im Atelierhaus Baerl auf. Sigrid Beuting, die die "1. Galerie Baerl" unterhält und Kunstkurse in dem Raum gibt, nimmt dazu Stellung.

Sie sehen das Bezirksamt in der Verantwortung, den Bürgerraum zu erhalten – warum?

Beuting Das ist der einzige Erwachsenen-Bildungsstandort in Baerl, und es ist meiner Ansicht nach die Aufgabe einer Stadt, dafür zu sorgen, dass es so einen Standort gibt. Das Atelierhaus ist außerdem von Anfang an als Raum der Begegnung geplant gewesen, der sich den Bürgern öffnen soll. Und das ist mittlerweile sehr erfolgreich geschehen.

Das Bezirksamt argumentiert, der Raum werde nicht intensiv, sondern eher sporadisch genutzt.

Beuting Tatsache ist, dass dieser Raum viel genutzt wurde. Er war täglich belegt bis auf die Wochenenden, und für die haben wir die ehrenamtlich geführten Ausstellungen der "1. Galerie Baerl" ins Leben gerufen. Aus VHS-Kursen und Musikgruppen besuchen etwa 150 Menschen das Atelierhaus in der Woche, und die "1. Galerie Baerl" hat ein einem einzigen Tag 300 bis 400 Besucher.

Warum fragen Sie nicht das Immobilienmanagement, ob die Galerie den Raum kostenfrei nutzen darf?

Beuting Das IMD hat gegenüber der Volkshochschule schon deutlich gemacht, dass es jetzt einen zahlenden Mieter sucht.

Sie geben VHS-Kurse in dem Bürgerraum – ist das für Sie wichtiger oder ihre Sorge um die "1. Galerie Baerl"?

Beuting Ich habe die Galerie ins Leben gerufen, weil ich es für wichtig halte, Kunst zu kommunizieren. Mein erster Beruf ist der der Bildenden Künstlerin. Natürlich könnte ich nicht mehr vor Ort unterrichten, wenn der Raum geschlossen wird, das ist klar. Aber ich bin nur ein kleines Rad im Getriebe. Wichtig sind die Menschen, die dieses Haus besuchen. Besonders Leid tut es mir für die Gruppe der an Multipler Sklerose Erkrankten. Alle Gruppen stehen vor dem Aus. Eine Besucherin kommentierte heute: "Erst hat Duisburg Baerl geschluckt, und jetzt will man die Kultur aus Baerl zur Nachspeise!"

Wie sehen Sie in die Zukunft?

Beuting Das Herz dieses Hauses ist der öffentliche Raum. Wenn man ihm das Herz nimmt – steckt da der Wunsch dahinter, dass es stirbt? Der Oberbürgermeister wollte sich für dieses geschichtsträchtige Haus einsetzen, dafür sorgen, dass Reparaturen durchgeführt werden. Darauf warten wir bis heute. Meine Hoffnung ist, dass es ein Einlenken gibt seitens der Politik.

Hintergrund unter www.rp-online.de/duisburg

(RP)
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