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Duisburg: Alice Schwarzer ärgert sich über Frauen

Duisburg : Alice Schwarzer ärgert sich über Frauen

"Genau wie Mercator hat unser heutiger Gast auch wegweisende Impulse gesetzte", kündigte Petra Dobler-Wahl, Veranstaltungsleiterin der Zentralbibliothek Duisburg, die Lesung von Alice Schwarzer an.

Diese war zur zweiten Literatur-Veranstaltung der 34. Duisburger Akzente in die Bibliothek gekommen und las vor ausverkauftem Haus aus ihrer im Jahr 2011 erschienen Autobiografie "Lebenslauf".

Lob für die "lebendige Stadt"

Schwarzer freute sich, wieder einmal in Duisburg zu sein: "Während meiner Mercator-Professur habe ich die Stadt als sehr lebendig wahrgenommen." Generell sei sie gerne im Ruhrgebiet. "Hier stehen die Menschen mit beiden Beinen im Leben und sind voller Vitalität", begrüßte die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes die zumeist weiblichen Gäste. Die Männer im Saal waren an zwei Händen abzuzählen. Nach der kurzen Einstimmung begann Schwarzer die Lesung chronologisch mit ihrer "unerwünschten Geburt 1942".

Die Zuhörerinnen erfuhren von der Affäre der Mutter mit einem Soldaten. Hier hätte man den Eindruck einer äußerst schwierigen Kindheit bekommen können, die Schwarzer zu der kämpferischen Frau werden ließ, die sie seit Jahrzehnten darstellt. Wären da nicht die Großeltern, die sie Mama und Papa nennt, und die sie mit viel Liebe aufzogen. Ihr Papa, also der Großvater, habe sie als Baby gefüttert. "Denn die Frauen in unserer Familie waren wenig mütterlich", las Schwarzer vor. Einige im Publikum schmunzelten. Den Gedanken, den sie gehabt haben mögen, konterte die Feministin: "Bei einer Lesung sagte eine Frau: "Na, dann haben sie das wohl von denen!" Das hat mich überrascht, denn ich halte mich für besonders mütterlich."

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Unkonventionelle Großmutter

Stolz erzählte Schwarzer die Passagen über ihre politisierte und unkonventionelle Großmutter, die stets gegen die Nazis war. Schnell merkte man, dass das Gerechtigkeitsempfinden und die für damals ungewöhnliche Rollenverteilung im Hause Schwarzer die Journalistin zu der werden ließen, die sie heute ist. Mit dem Klischee der männerhassenden, lesbischen Revolutionärin räumte Schwarzer auf:

Sie berichtete von ihrer ersten Tanzstunde, als sie erkannte, dass ihr Wert nun davon abhängt, ob sie bei den Jungs gut ankommt. Als sie von ihrer Vorliebe für Elvis las, schwärmte sie wie ein Teenager. Es folgten Berichte über ihren ersten Kuss, die Beziehung zu ihrem langjährigen Partner Bruno und die Freundschaft zu Sartre. Auch die Treffen der französischen Frauenbewegung thematisierte Schwarzer.

Wie damals genießt sie noch heute Essen in weiblicher Runde, wie zuletzt am Frauentag mit ihrer EMMA-Redaktion. Auch wenn sie diesen Tag eigentlich für unnötig hält. Die Urteile vieler männlicher Journalisten über sie entlarvte die 69-Jährige als oberflächlich, indem sie sie selbstironisch, fast schon süffisant vortrug.

Sehr lebendig gestaltete sich die folgende Gesprächsrunde, in der Schwarzer zugeben musste, dass sie sich über Frauen oft so sehr ärgere, wie man sich über Männer gar nicht ärgern könne.

(RP)