Duisburg: Alberto Giacometti: Sieben Figuren und ein Kopf

Duisburg: Alberto Giacometti: Sieben Figuren und ein Kopf

Im Wilhelm-Lehmbruck-Museum ist bis zum 18. April die Ausstellung "Alberto Giacometti – die Frau auf dem Wagen. Triumph und Tod" zu sehen. In einer kleinen Serie begleitet die RP diese international bedeutsame Schau. Autor ist der Kurator der Giacometti-Ausstellung und und stellvertretende Museumsdirektor, Dr. Gottlieb Leinz.

Auf vier Sporen scheint sich durch das Gewicht von 7 unterschiedlich hohen weiblichen Figuren und einer Männerbüste die Grundplatte durchzubiegen. Die frontal ausgerichtete Gruppenplastik, die Giacometti "Komposition" nannte, folgt einer lockeren Rhythmisierung der wie Baumstämme senkrecht aufsteigenden und blicklosen Figuren. Diese stehen mit ihrer für Giacomettis Spätstil typischen Ausdünnung auf klobigen Füßen , deren im Raum versetzte Ordnungen und Perspektiven erst durch das allseitige Umschreiten erkennbar werden. Allein die Büste weist keine Plinthe auf und scheint tief im Erdreich zu stecken. Dieser Kopf bestimmt nun aber das extrem tiefliegende Blickfeld und die Maßstabssprünge: Er lässt die Figuren in schwindelerregende Höhe ansteigen. Die Szenerie als inselartig ausgegrenzte und unbewegliche Figurengruppe verharrt wie im Zustand eines wie gebannt eingefrorenen Stillebens, deren Ursprung tatsächlich auf einer imaginären Vision beruht . Diesen Charakter nämlich beschreibt Giacometti selbst, wenn er die zufällige Anordnung von Figurinen auf dem Fußboden seines Ateliers als unverrückbaren Ausgangspunkt seiner Plastik deutet, die er nur noch auf einen Sockel bzw. eine Platte zu stellen brauchte. Er erinnere sich darüber hinaus an eine seit seiner Kindheit immer wieder gesehene "Waldecke", wo die Bäume "mit ihren nackten, schlanken Stämmen (ohne Äste fast bis zum Gipfel) mir immer als auf ihrem Weg erstarrte Personen vorkamen, die miteinander sprachen".

Heute Abend Vortrag

Am heutigen Freitag, 18 Uhr, spricht Romina Pieper über Giacomettis "Komposition mit sieben Figuren und einem Kopf (Der Wald)". Romina Pieper ist Absolventin der Kunstgeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und hat zu Giacomettis Skulptur "Komposition mit sieben Figuren und einem Kopf (Der Wald)" geforscht.

Das Museum ist heute bis 20 Uhr geöffnet. Eintritt acht, ermäßigt fünf Euro. Die Teilnahme am Vortrag ist frei.

(RP)