Duisburg: AfD-Vorsitzender Lücht kommt Abwahl zuvor

Duisburg: AfD-Vorsitzender Lücht kommt Abwahl zuvor

Nach einer Stunde hielt es zwei neue AfD-Mitglieder gestern beim Parteitag nicht mehr auf den Sitzen: Kaum eingetreten, sei man gleich "in einen Personalsumpf" gestolpert: "Wie sich hier Leute aus dem Vorstand und Parteifreunde in kleingeistigen Reaktionen zerfleischen, das habe ich noch nie erlebt", machten sie ihrem Unmut Luft.

Dabei ist ihnen ein Teil der Schlammschacht erspart geblieben: Der umstrittene Vorsitzende Holger Lücht kam wie seine Stellvertreterin Almut Wielpützden Abwahlanträgen in letzter Minute zuvor, beide erklärten ihren Rücktritt.

Der außerordentliche Parteitag war Gipfel eines wochenlangen Machtkampfes, den die Mitglieder vor allem über E-Mails verfolgen konnten, in denen zum Teil auch private und berufliche Details von Amtsinhabern ausgebreitet wurden. Auch gestern noch wurden dicke Dossiers über die Hintergründe verteilt, selbst die Einladung zur Versammlung hatte Lücht vor dem Schiedsgericht im Eilverfahren angefochten. Mehrfach hatte sich AfD-Landeschef Marcus Pretzell in den letzten Wochen genötigt gesehen, in die Entwicklung des Kreisverbandes einzugreifen. Gestern reiste Pretzell persönlich nach Duisburg und verfolgte die Versammlung.

Der ein oder andere Wortbeitrag dürfte ihm im Kampf gegen die rechtslastigen Kräfte in seiner Partei gar nicht gefallen haben: So verharmloste eines der 32 stimmberechtigten Mitglieder nicht nur das Abstimmungsverhalten zugunsten der NPD, sondern sprach auch davon, dass "Moscheen keine Gotteshäuser" seien. "Indiskutabel" nannte Pretzell beide Haltungen und denkt - wie er später erklärte - schon über das nächste Parteiausschlussverfahren nach.

Ein solches hatte Pretzell auch gegen Holger Lücht in Gang gesetzt. Wann es eine Entscheidung gibt, ist noch unklar. Lücht ist inzwischen als Fraktionsvorsitzender abgewählt, laut Pretzell gibt es einen Beschluss, dass Lücht komplett aus der dreiköpfigen Ratsfraktion ausgeschlossen wird. "Wir haben der Stadt bereits mitgeteilt, dass die AfD künftig als Ratsgruppe weiterarbeitet", sagte Pretzell der Redaktion.

Auch der Machtkampf in der Partei dürfte vorerst beendet sein: Die von Lücht initiierten Anträge gegen andere Vorstandsmitglieder scheiterten an einer breiten Mehrheit. Übrig an der Parteispitze sind jetzt Rolf Cappel als stellvertretender Vorsitzender, Schatzmeister Ulrich Martel sowie Marion Stöbbe und Heiko Thyssen als Beisitzer. Sie wollen in den nächsten Tagen aus ihrem Kreis einen Interims-Parteichef wählen. Die turnusmäßigen Neuwahlen stehen im Januar an.

(ib)
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