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Mercatorhalle in Duisburg: Abriss könnte preiswerter sein als Sanierung

Mercatorhalle in Duisburg : Abriss könnte preiswerter sein als Sanierung

Die Probleme bei Duisburg guter Veranstaltungsstube sind so riesig, dass Experten darüber nachdenken, von einer Brandschutzsanierung Abstand zu nehmen und die Halle "zurückzubauen".

Gerade mal gute fünf Jahre alt, droht die Mercatorhalle zum größten Sanierungsfall in der Stadt zu werden. Beim Brandschutz muss offenbar so viel nachgebessert werden, dass sich dies kaum noch rechnet.

Anfangs waren Optimisten noch davon ausgegangen, dass sich die Schäden beziehungsweise Mängel mit ein paar hunderttausend Euro aus der Welt schaffen lassen. Dann wurde mit niedrigen Millionen-Beträgen kalkuliert. Und jetzt ist bereits die Rede von Kosten in Höhe von zehn bis 15 Millionen Euro.

Dieser Betrag erscheint Experten bei der Stadt und beim zuständigen Immobilienmanagement Duisburg als so hoch, dass nun genau abgewogen werden muss, ob nicht auf eine Sanierung der vorhandenen Halle verzichtet und stattdessen neu gebaut werden sollte. Neubau heißt in diesem Fall, dass quasi ein Rohbauzustand hergestellt wird und der Innenausbau samt Brandschutz neu erfolgt. Unterm Strich könnte das preiswerter werden und vor allem zügiger über die Bühne gehen, als wenn Stück für Stück re pariert wird.

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Wie hinter vorgehaltener Hand im Ratshaus zu hören ist, soll offenbar erst einmal abgewartet werden, wie es um den Brandschutz in den anderen Bereichen des CityPalais bestellt ist. Der Bericht des Gebäudeeigentümers soll spätestens nach den Sommerferien vorliegen. Im Casino gibt es angeblich keine Probleme. Aber ob das auch für die Ladenzeilen im CityPalais gilt, wird beispielsweise derzeit geprüft. Gleiches für die Tiefgarage: Geht hier ein Auto in Flammen auf, könnte es theoretisch sein, dass der Rauch dann wegen des mangelhaften Brandschutzes in den Bereich der Mercatorhalle und in den des CityPalais zieht.

Dass die Duisburger in den nächsten zwei bis drei Jahren wieder einen Fuß in den Großen Saal setzen können, scheint bei einer Sanierung ausgeschlossen zu sein, bei einem neuen Innenausbau nicht unbedingt. Die nicht an großen Veranstaltungssälen reiche Stadt kann aber eigentlich schon aus finanziellen Gründen auf die Mercatorhalle nicht verzichten. Allein die fehlenden Mieteinnahmen aus den zurückliegenden zehn Monaten — die Halle ist voriges Jahr im August nach und nach geschlossen worden — summieren sich schon auf fast zwei Millionen Euro. Eigentlich sollte im Spätherbst zumindest der Kleine Saal wieder nutzbar sein. Doch bei einer Bauzeit von rund fünf Monaten lässt sich dieser Termin kaum noch halten. Denn bislang ist dort noch nichts passiert. Vor diesem Hintergrund wird bereits überlegt, das Theater am Marientor wieder als städtische Immobilie zu vermarkten. Dazu müsste er vom Rat gefasste Beschluss, dass TaM zu verkaufen, "einkassiert" oder so verändert werden, dass die Immobilie zumindest vorübergehend nicht den Besitzer wechselt, sondern von Stadt beziehungsweise von einer ihre Töchter vermietet wird.

Unabhängig davon, welches Schicksal der Mercatorhalle droht — noch ist nicht geklärt, wer die anfallenden Kosten übernimmt. Die Bauunternehmen, die damals den Murks fabriziert haben, droht dann die Insolvenz. Die Gebäudeeigentümerin Hannover Leasing wird sich den Schuh wohl kaum anziehen. Bliebt also nur noch die Stadt selbst.

(RP/sgo/anch)