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Duisburg: A 40-Brücke: Schäden sind dramatisch

Duisburg : A 40-Brücke: Schäden sind dramatisch

Drei direkt nebeneinander liegende Risse hätten schnell zu einem "Reißverschluss-versagen" der Streben führen können.

Dass die neuen Schäden an der Neuenkamper A 40-Rheinbrücke schwerwiegend sind, konnte sich jeder denken. Ansonsten wäre Ende vergangener Woche der Verkehr in Fahrtrichtung Essen nicht von einem auf den anderen Tag auf eine Fahrspur reduziert worden. Wie dramatisch die Lage wirklich ist, wurde gestern bei einem Ortstermin mit NRW-Verkehrsminister Michael Groschek deutlich.

 An dieser Stelle unter der Brücke wurde schon geschweißt.
An dieser Stelle unter der Brücke wurde schon geschweißt. Foto: Christoph Reichwein

"Es sieht im Moment wirklich nicht gut aus", sagte Nicole de Witt, Brücken-Expertin beim Landesbetrieb Straßen NRW. Mehr als 600 Risse wurden in den vergangenen Monaten entdeckt, die allermeisten bereits geschweißt. In der vergangenen Woche seien jedoch unterhalb der Richtungsfahrbahn Essen an drei hintereinanderliegenden sogenannten Schrägstrebenanschlüssen Risse festgestellt worden. "Das sind wahnsinnige Schäden. Die hätten schnell zu einem Reißverschlussversagen dieser Streben führen können", sagte de Witt. Weil die Lage so dramatisch war, sei die Teilsperrung so kurzfristig erfolgt.

Wie es auf der anderen Seite der Brücke aussieht, untersuchen Experten gerade. "Bis Ende März werden verdächtige Stellen in die andere Fahrtrichtung überprüft, um zu sehen, ob es dort auch so starke Beschädigungen gibt", sagte de Witt. Es kann also gut sein, dass die Rheinbrücke auch in Richtung Moers einspurig wird.

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Was jetzt schon sicher ist: Ab kommenden Freitag, 22 Uhr, wird die Brücke in Fahrtrichtung Essen fünf Wochen lang komplett für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt. Dann finden die erforderlichen Schweißarbeiten an den geschädigten Trägern statt; dabei darf die Brücke nicht schwingen, sonst gehen die Nähte direkt wieder auf. "Und diesmal darf wirklich kein Lkw über die Brücke fahren", betonte Imke Halbauer von Straßen NRW mit Nachdruck. Also nicht wie an den vergangenen Wochenenden, als geschweißt wurde, Lkw auf der Brücke eigentlich nichts zu suchen hatten - und viele Fahrer das Verbot einfach missachten. "Allein an einem Samstag wurden 2500 Lkw auf der Brücke gezählt", sagte Halbauer.

"Das darf jetzt nicht mehr passieren, und das werden wir auch scharf kontrollieren", kündigte Verkehrsminister Groschek an. Man werde "ordnungsbehördlich alles tun, um Lkw von der Brücke fernzuhalten". Dazu zählten Blitzer, die das Gewicht von Fahrzeugen erfassen, und verstärkte Polizeikontrollen. Außerdem, so Halbauer, soll die Fahrspur Richtung Essen mit Leitwänden auf 2,10 Meter verengt werden, so dass große Laster gar nicht durchpassen. Zudem sollen die Auffahrten Rheinhausen und Homberg in Richtung Essen komplett gesperrt werden. Die Überfahrt für Rettungsfahrzeuge werde aber gewährleistet, versicherte Halbauer. Und was den Öffentlichen Nahverkehr angeht, so arbeite man an einer Lösung. Hier ist noch die Frage, ob die Busse der DVG und der Niag weiter über die Rheinbrücke fahren dürfen.

Großes Ziel ist jetzt der Neubau der Rheinbrücke. "Das müssen wir jetzt so schnell wie möglich hinbekommen", sagte Groschek. Er arbeite dabei Hand in Hand mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrinth, der "100-prozentig hinter der Maßnahme steht". Und so war dann gestern mit Christian Weibrecht auch ein Vertreter des Bundesverkehrsministeriums anwesend, der betonte, dass man alle Hebel in Bewegung setze, um das Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. "Die notwendigen finanziellen Mittel stehen zur Verfügung", bestätigte er.

Mit dem Brücken-Neubau ist Dr. Udo Pasderski von der Berliner DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) befasst. Der Neubau, sagte er, soll am gleichen Standort errichtet werden, breiter sein und aus zwei Bauwerken bestehen. Erst werde das eine errichtet, dann die alte Brücke abgerissen, und schließlich werde das zweite gebaut. 2023, sagte er, könnte die erste Brücke fertig sein, 2025 die zweite. Das setze aber einen optimalen Planungsverlauf voraus, nach dem Ende 2016 der technische Entwurf steht, dann das Baurechtsverfahren folgt und 2019/2020 Baubeginn ist.

Bis der 160 bis 180 Millionen teure Neubau kommt, werden aber noch viele Reparatur- und Instandhaltungsmaßnahmen nötig sein, sagte de Witt. Für die Verkehrsteilnehmer bedeutet dies Sperrungen, Teilsperrungen, lange Staus und viel Geduld. Ein mit allen Akteuren abgestimmtes Verkehrslenkungskonzept soll dafür sorgen, dass alles im Rahmen bleibt. Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG, der nach eigenen Worten sogar über einen Schiff-Shuttle zwischen seinen Standorten Logport II in Wanheim und Logport I in Rheinhausen nachdenkt, bezeichnete ein "dezidiertes Verkehrskonzept" gestern als "zentrale Herausforderung".

Minister Groschek kündigte an, dass weiträumige Umleitungen über die A 57, A 42, A 3 und die A 59 eingerichtet werden. "Zum Glück haben wir die Berliner Brücke saniert", sagte er - und sprach damit wohl allen Beteiligten aus der Seele. Jetzt heißt es: Daumen drücken, dass die A 40-Brücke noch zehn Jahre hält. "Richtig in die Zukunft zu gucken, ist sehr schwer", fasste es Imke Halbauer von Straßen NRW zusammen. "Aber wir tun alles, um die Brücke lebendig zu halten, bis die neue steht."

(RP)