60 Jahre Kindernothilfe: Gottesdienst mit Christina Rau in Duisburg

„Ein Stück Himmel auf Erden“ : Sprachrohr für die Kinder der Welt

Einen so emotionalen Gottesdienst hat es in der Salvatorkirche vermutlich selten in der jüngeren Vergangenheit gegeben. Anlass war das 60-jährige Bestehen der Kindernothilfe. Die ARD übertrug live.

Christina Rau, Ehefrau des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau, und Sinafikish Legesse aus Äthiopien erzählten von ihren Erlebnissen mit Kinderarmut und Kinderarbeit. Der Gottesdienst stand unter dem Motto „Ein Stück Himmel auf Erden“. Moderatorin Sabine Heinrich blickte zunächst noch einmal zurück auf die Anfänge der Kindernothilfe mit dem Sitz in Buchholz. Zu Beginn sei es mühevolle Kleinarbeit gewesen, um Paten für notleidende Kinder in Indien zu finden. Aber die Hartnäckigkeit zahlte sich aus. „In den ersten zehn Jahren wurden fast 5000 Patenkinder vermittelt“, sagte Heinrich, die auch Botschafterin der Organisation ist.

Die Kindernothilfe verstehe sich als Anwältin, als Sprachrohr für die Kinder in der Welt. „Jedes Kind hat das Recht gesund und behütet aufzuwachsen, gefördert zu werden und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden.“

Pfarrerin Katrin Weidemann, zugleich Vorsitzende der Kindernothilfe, predigte und gestaltete liturgisch gemeinsam den Gottesdienst mit Manfred Rekowski, Präses der evangelischen Kirche im Rheinland. Weidemann betonte, dass man weiterhin alles tun werde, um Kindern in Armut, Not und Gewalt zu helfen. Kinder in aller Welt könnten durch die Arbeit der Organisation zur Schule gehen, würden gut ernährt, medizinisch versorgt und unterstützt, betonte Rekowski. Allerdings richtete er seinen Blick nicht nur in fremde Länder. „Auch in unserem Land ist noch sehr viel zu tun.“

Einige Schüler des Mercator-Gymnasiums engagieren sich für die „Action!Kidz“-Kampagne der Organisation und setzen damit ein Zeichen gegen Kinderarbeit. Im Gespräch mit Sabine Heinrich erzählten sie von ihrer Schuh-Putz-Aktion in Duisburg. „Wir wollen damit Kindern in Guatemala helfen, damit sie nicht mehr arbeiten müssen und stattdessen zur Schule gehen können“, sagte ein Schüler.

Christina Rau, Schirmherrin der Kampagne, zeigte sich beeindruckt von dem sozialen Engagement der Schüler. Sie selbst berichtete von ihrer allerersten Reise für die Kindernothilfe. „Es ging nach Südamerika“, sagte sie. Sie habe gesehen, was für eine „unvorstellbare Gewalt gegen Straßenkinder“ herrsche. „Die Kinder sind nicht nur Bandenmitgliedern ausgesetzt, sondern auch Polizeibeamten, die diese Kinder als Störfaktor erleben.“

In Äthiopien erlebte sie „ganz starke Frauen“. „Dort ist der Ansatz, dass man die Mütter fördern muss. Damit sie die Möglichkeit haben, die Kinder in die Schule zu geben“, sagte Rau. Hierzu berichtete Sinafikish Legesse über Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort. Sie koordiniert die Selbsthilfegruppen für Mütter in ihrem Heimatland Äthiopien und im Somaliland für die Kindernothilfe. Sie stellte einige Produkte vor wie Schalen oder Körbe, die die Frauen in den Gruppen herstellen. „Die Frauen gehören zu den Ärmsten der Armen, sie treffen sich in Gruppen und werden geschult, wie man solche Produkte herstellt und vermarktet“, übersetzte Dolmetscherin Barbara Kochhan ins Deutsche. Aufgrund dieser wirtschaftlichen Veränderungen haben die Kinder, die Möglichkeit in die Schule zu gehen, Essen und eine gute Gesundheitsversorgung zu bekommen.

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