Duisburg: 450 Gramm voller Lebenswillen

Duisburg: 450 Gramm voller Lebenswillen

Eda kam am 13. November 2009 im St. Johannes-Hospital in Hamborn zur Welt – in der 23. Schwangerschaftswoche und mit einem Gewicht von 450 Gramm. Ihr Lebenswille war so stark, dass sie es geschafft hat.

"Das ist einfach eine ganz tolle Familie. Aber Eda ist natürlich die Tollste von Allen", sagt Dr. Peter Seiffert, Chefarzt der Kinderklinik im Hamborner St. Johannes-Hospital. Behutsam nimmt er das gesund und fröhlich wirkende Baby in den Arm.

Das war anfangs ganz anders. Ihre Eltern Sevil (25) und Uysal Akalan (30) aus Beeck haben bewegende Tage und Wochen erlebt. "Eda ist ein Wunschkind, und ich habe gewusst: Sie wird es schaffen", erklärt Vater Uysal. Eigentlich sollte Eda am 13. März das Licht der Welt erblicken. Doch am Ende hatte es das Mädchen ganz eilig. "In der 23. Schwangerschaftswoche ist eine Geburt schon eine medizinische Grauzone", so Seiffert. Zwar ist das Perinatalzentrum am St. Johannes-Hospital auf Frühgeborene spezialisiert, doch auch das hat seine Grenzen. "Wir haben das vorher mit den Eltern besprochen. Wenn Eda zu erkennen gibt, dass sie leben will, dann versuchen wir alles medizinisch Mögliche", erklärt der Chefarzt. "Ich habe gehofft und gebetet", sagt Mutter Sevil.

Nach der Geburt ging alles sehr schnell: "Eda hat sich geräkelt und gekräht, ihr Herz hat geschlagen, sie hat versucht zu atmen", erinnert sich Seiffert. In dem Moment war für ihn klar: Das kleine, nur 450 Gramm schwere Bündel will leben. Das Frühchen wird durch einen Schlauch in der Luftröhre künstlich beatmet und durch eine Infusion als Nabelschnurersatz ernährt. Im Inkubator ist es warm, die Luft wird wegen der noch kaum vorhandenen Haut ständig feucht gehalten. Schon nach wenigen Minuten darf Vater Uysal sein Kind sehen. Und obwohl er alles andere als auf den Mund gefallen ist, gibt er zu: "Ich war sprachlos. Diese Gefühle kann ich auch jetzt noch nicht so recht in Worten ausdrücken." Auch Sevil ist schier überwältigt: "Ich war sehr glücklich, aber auch voller Angst."

In dieser Zeit fließen viele Tränen. Aber schon nach wenigen Tagen baut sich bei den Eltern ein immer stärker werdendes Vertrauen in Ärzte und Pflegepersonal des Krankenhauses auf. "Nach drei, vier Tagen haben wir uns ziemlich sicher gefühlt", so der Vater. Schon bald beginnt das Kangarooing: Vater oder Mutter bekommen Eda für mehrere Stunden auf einer Liege auf die Brust gelegt. Der Hautkontakt soll einen positiven Einfluss auf das Baby ausüben.

Ständiges Auf und Ab

In der Folgezeit gibt es ein stetes Auf und Ab. Eda liegt im Inkubator, die Eltern kommen täglich mindestens zweimal ins Krankenhaus. "Es gab die üblichen Probleme bei derart früh Geborenen", schildert Seiffert ganz nüchtern. Infektionen und Blutungen treten auf, eine Operation ist zum Glück nicht erforderlich.

Am 25. November klingelt bei den Akalans das Telefon. "Als ich im Display die Nummer des Krankenhauses sah, habe ich den Hörer meinem Mann gegeben", erinnert sich Sevil Akalan. "Ich hatte schon befürchtet, dass etwas Schlimmes passiert ist." Doch das Gegenteil war der Fall: "Eda hatte zum ersten Mal selbst die Augen geöffnet. Das war ein unbeschreiblicher Glücksmoment", sagt Uysal Akalan. In der Folgezeit mussten Edas Augen gelasert werden, um Sehschäden zu vermeiden. "Das hat alles gut geklappt. Eda wird zwar intensiver betreut werden müssen und häufiger zu Untersuchungen. Aber ansonsten wird sie heranwachsen wie jedes andere Baby auch", sagt Seiffert.

(RP)