42. Duisburger Filmwoche ist die letzte von Werner Ruzicka

Duisburger Festival: Filmwoche: Denken und handeln heute

Die 42. Auflage vom 5. bis 11. November lädt dazu ein, beides zu tun. Es ist das Festival in Duisburg, was überregionale Bedeutung und internationale Ausstrahlung besitzt.

Zugleich ist das Festival des deutschsprachigen Dokumentarfilms im Filmforum am Dellplatz das letzte unter der Leitung von Werner Ruzicka (71), der aus Altersgründen ausscheidet. Er habe das Festival zu dem gemacht, was es heute ist, sagte Kulturdezernent Thomas Krützberg am Dienstag.

Es sei seine Handschrift und sein Gesicht, die die Filmwoche während seiner Amtszeit seit 1985 geprägt hätten. Und das habe man auch andernorts zur Kenntnis genommen, so Krützberg weiter. In diesem Februar nämlich habe Ruzicka auf der „Berlinale“ den renommierten Ehrenpreis der deutschen Filmkritik erhalten, mit der Begründung: „Als Widerständler gegen die Konsensbildung hat er sich in seiner über 40-jährigen Schaffenszeit dem Dokumentarfilm intellektuell rigoros und leidenschaftlich wie kaum ein anderer verschrieben“. Krützberg, der die Filmwoche als „solitär in der Festivallandschaft“ sieht, betonte ausdrücklich, dass es „keinen Bruch“ mit dem Weggang Ruzickas von der Filmwoche geben werde, das heißt: „Duisburg lässt sich ein solch bedeutsames Filmfestival nicht nehmen.

Auch wird es kein finanzielles Beschneiden des städtischen Zuschusses geben. Dieser beträgt jährlich 300.000 Euro.“

Ganz im Sinne der Ehrenpreis-Begründung lautet das diesjährige Motto „Handeln“. Dazu schreibt Ruzicka im Programmheft: „Handlungsräume, Rederäume, Denkräume, Kunsträume: Die Filmwoche lädt für eine Woche ein, einzutreten, ihre dokumentarischen Positionen zu sehen, zu vergleichen und zu verhandeln. Die Sujets der Filme sind so ubiquitär und komplex, wie es die Probleme dieser Welt sind. Es wird darauf ankommen, sich den Bildern und Redeweisen auszusetzen, und sich dann mit ihnen auseinanderzusetzen. (…) Zu fragen wird sein, ob sich ein Denken und Handeln heute nähren kann aus dem, was zur Bearbeitung liegengeblieben ist.

  • Duisburg : Ehrenpreis für Festivalleiter Werner Ruzicka

In diesem Jahr zeigt die Filmwoche insgesamt 23 Filme, darunter drei Uraufführungen und vier Deutsche Erstaufführungen sowie zwei österreichische und drei schweizerische Beiträge. „So wie das Festival ein drei Länder-Festival des deutschsprachigen Dokumentarfilms darstellt, hat auch der Fernsehsender „3sat“ eine solche Drei-Länder-Konstruktion“, sagte Ruzicka.

Und so freue er sich, dass diese seit 1996 bereits bestehende TV-Kooperation in diesem Jahr erneut zum Tragen komme. Dazu gehöre unter anderem der „3sat“-Dokumentarfilmpreis, der mit 6.000 Euro dotiert sei. Auch „ARTE“ lobe einen gleichnamigen und ebenso hoch dotierten Preis aus. Weitere Auszeichnungen vergeben am Vorabend des Schlusstages der Filmwoche (Samstag, 10. November um 20 Uhr) die Stadt Duisburg (Förderpreis), das Land Nordrhein-Westfalen (Nachwuchspreis) und die Rheinische Post (Publikumspreis).

Eröffnet wird das Festival, das auch „doxs!“, die Dokumentarfilmreihe für Kinder und Jugendliche, zum 17. Male umfasst, am Montag, 5. November um 20 Uhr. Um 21 Uhr wird dann als Deutsche Erstaufführung der 90-minütige Streifen „Kulenkampffs Schuhe“ von Regina Schilling gezeigt. In ihm geht es um das späte deutsche Nachkriegsfernsehen mit Showmastern wie Hans Rosenthal, Peter Alexander und Hans-Joachim Kulenkampff. Vor allem diese drei boten „neuartige Zerstreuung, kleinbürgerliche Selbstvergewisserung und Therapie für ein Land in Amnesie: ‚Das war … Spitze‘! In Versprechern, Unbeholfenheiten, Subtilitäten wiegt die beschwiegene Vergangenheit gleichwohl schwer auf der leichten Unterhaltung und ihren Zuschauern“, heißt es über den Inhalt.

Neben Filmen, die das Thema Nachkriegsöffentlichkeit beziehungsweise die heutige Medienwelt („Die vierte Gewalt“ am 7. November um 20:30 Uhr) zum Inhalt haben, gibt es auch Dokumentationen über prekäre Familiensituationen („Lucia und ihre Kinder“ am 7. November um 10 Uhr) und zur Konsumgüterindustrie („ChinAfrika.mobile“ am 6. November um 17.30 Uhr).

(reife)
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