Duisburg: 2,55 Millionen Euro für eine Ruine

Duisburg : 2,55 Millionen Euro für eine Ruine

Bei der Zwangsversteigerung des "Weißen Riesen" in Hochheide trieben gestern zwei Spekulanten den Preis in die Höhe. Doch niemand zahlt mehr als die öffentliche Hand. Jetzt ist der Weg frei für den Abriss.

Was ist eine Ruine wert, die als größter Taubenschlag Deutschlands verspottet wird? Nichts, sagt der Gutachter. Denn wer die 320 Wohnungen in dem 20-Geschosser wieder herrichten will, um 1,5 Millionen Euro an Jahreskaltmiete einnehmen zu können, müsste erst einmal 19 Millionen in die Sanierung stecken. Selbst die Abrisskosten von drei Millionen würden den Wert des Grundstücks von 2,6 Millionen Euro auffressen. Deshalb liegt der Verkehrswert bei einem symbolischen Euro.

Und dennoch witterten zwei Immobilien-Spekulanten gestern Morgen ein Geschäft, trieben bei der Zwangsversteigerung im zweiten Stock des Amtsgerichts die Preise für den "Weißen Riesen" in die Höhe. Am Ende bleibt der Höchstbietende die öffentliche Hand: Die Stadt, mit Fördergeldern des Landes im Rücken, ging jedes Gebot mit. Sie erhielt am Ende den Zuschlag, musste für die seit Jahren leerstehende Ruine an der Ottostraße aber dann doch stolze 2,55 Millionen Euro auf den Tisch blättern.

Der Freude im Rathaus tat das keinen Abbruch: "Ich bin sehr zufrieden, das ist ein riesiger Schritt für die Entwicklung in Hochheide. Wir haben den Worten jetzt Taten folgen lassen", sagt Oberbürgermeister Sören Link, der gestern überraschend noch verkündete, dass die Stadt bereits Ende Juli ein weiteres der sechs Hochhäuser gekauft hatte: Ebenfalls eines der riesigen Blöcke mit 320 Wohnungen, an der Friedrich-Ebert-Straße, der ebenfalls seit Jahren leer steht.

Damit ist die Stadt sich doch noch mit dem Eigentümer Altro Mondo einig geworden. Denn eigentlich hatte die Firma aus Hannover den Wohnklotz sanieren wollen und vor einigen Monaten etwaige Verkaufsabsichten noch dementiert. Zuletzt sprach man von 20 Millionen Euro Marktwert der Immobilie - falls man denn überhaupt verkaufen wolle. Natürlich gehören solche Äußerungen zum Verkaufspoker. Über den tatsächlichen Kaufpreis schweigen beide Seiten. Jedenfalls ist der Weg jetzt frei für den lange geplanten Abriss. "Ich hoffe, dass wir in den nächsten Tagen einen Zeitplan vorstellen können, wann welcher Teil abgerissen wird", sagte Link. Die Menschen in dem Stadtteil hätten lange darauf gewartet. Der Ankauf der beiden Immobilien zeige den Weg, wie es in Hochheide weitergehen kann. "Es ist ein großes Projekt. Aber wir haben mit der Landesregierung einen aktiven Partner an unserer Seite, der die Probleme vor Ort erkannt hat", sagt Link.

Wie berichtet, hatte die Stadt das Hochhaus-Quartier nach dem Beschluss des Rates im März zum Sanierungsgebiet erklärt. Bei einem Eigentumswechsel hat die Stadt ein Vorkaufsrecht. Vier der sechs in den Siebzigern erbauten Hochhäuser sollen verschwinden, pro Haus soll der Abriss rund drei Millionen Euro kosten. Und was danach auf der Fläche entstehen soll, steht auch schon fest: Grün statt Beton, eine große öffentliche Fläche, die die Stadt erwartungsvoll in einem Konzept als "Hochheide Central Park" bezeichnet hat. Bei der Reihenfolge für den Hochhaus-Erwerb hält sich die Stadt eng an das beschlossene Handlungskonzept: Die Ruine an der Ottostraße und das leerstehende Haus an der Friedrich-Ebert Straße haben demnach die höchste "Konzentration problematischer Umfelder und sanierungsbedürftiger Bausubstanz", sie seien "eindeutig als Problemschwerpunkte mit massiver negativer Ausstrahlung zu identifizieren".

Welche weiteren zwei Häuser im Anschluss in den Fokus rücken, dazu hält sich die Stadt deutlich bedeckt. Der Planungsamtsleiter hatte zu dem Handlungskonzept lediglich erklärt, alle Register ziehen und sämtliche Instrumentarien des Städtebaurechts nutzen zu wollen.

"Vor uns liegt noch sehr viel Arbeit, aber mit diesem gelungenen Einstieg bin ich zuversichtlich, dass wir die Sanierungsziele zeitnah umsetzen können", erklärte gestern Baudezernent Carsten Tum. Der Abriss der beiden angekauften Hochhäuser werde "einige Zeit" beanspruchen: Nötig sei erst "eine detaillierte, technische Bestandsaufnahme", dann müsse der Abriss europaweit ausgeschrieben werden.

(RP)