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1.Mai in Duisburg: So war der Tag der Arbeit in der Innenstadt

Tag der Arbeit : So war der 1. Mai in Duisburg

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie fand in Duisburg wieder eine große Mai-Kundgebung statt. Rund 3000 Menschen verfolgten am Sonntag die Reden und Auftritte in der Innenstadt.

Die Polit-Prominenz trat diesmal woanders auf. Bundeskanzler Olaf Scholz war Gastredner der Düsseldorfer Maikundgebung, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und sein Herausforderer Thomas Kutschaty standen in Dortmund am Mikrofon.

Aber auch der Duisburger Demonstrationszug, der am Sonntagvormittag vom Hauptbahnhof aus startete, wurde von durchaus prominenten Bannerträgern angeführt. Immerhin ließ es sich die Duisburger Bundestagsabgeordnete und aktuelle Präsidentin des Bundestages Bärbel Bas auch in diesem Jahr nicht nehmen, neben Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link und der regionalen DGB-Vorsitzenden Angelika Wagner, dem bunten Zug durch die Duisburger Innenstadt voranzugehen.

Der „Tag der Arbeit“ wurde in den Jahren vor der Corona-Pandemie jeweils im Landschaftspark gefeiert. Das war in diesem Jahr nicht möglich, da dort Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht sind. Somit wurde die Königstraße zwischen City-Palais und Life-Saver zur Festmeile.

Gewerkschafter Ünsal Baser schätzte die Teilnehmerzahl des von zahlreichen politischen Gruppierungen begleiteten Demonstrationszuges auf „rund 1000“ ein. Vor der Rednertribüne hatten sich nach seiner Aussage später dann sogar rund 3000 Menschen versammelt: „Das ist mehr, als wir erwartet haben.“

 Mit dabei war am 1. Mai auch die Duisburger SPD-Abgeordnete und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas.
Mit dabei war am 1. Mai auch die Duisburger SPD-Abgeordnete und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas. Foto: Christoph Reichwein (crei)
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Angelika Wagner freute sich, dass der Maifeiertag endlich wieder wie gewohnt durchgeführt werden konnte. Sie begrüßte die Kundgebungsteilnehmer mit den Worten: „Schön, euch endlich mal wieder in echt zu sehen.“ Flagge vor der Bühne zeigten nicht nur die Gruppen vom äußersten linken politischen Spektrum, auch SPD, Grüne und die DGB -Einzelgewerkschaften demonstrierten auf diese Weise ihre Präsenz.

Im Mittelpunkt der Redebeiträge stand auch bei der Duisburger Veranstaltung der Ukraine-Krieg. Angelika Wagner: „Der Krieg findet keine 2000 Kilometer entfernt von hier statt. Dass so etwas geschehen kann, haben wir uns bis vor kurzem nicht vorstellen können. Unsere volle Solidarität gehört der Ukraine.“

Wagner hatte aber auch die kommende Landtagswahl im Blick („Geht wählen“) und machte in diesem Zusammenhang noch einmal die gewerkschaftlichen Forderungen an die Parteien deutlich. Dringend geboten seien ein Tariftreuegesetz und die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverträgen. Manja Schnetgöke von der DGB-Jugend legte den Fokus auf die Ausbildungssituation. Sie bezeichnete den Verlust an Ausbildungsplätzen während der Pandemie als „Katastrophe“.

Hauptrednerin Irene Schulz vom IG-Metall-Vorstand thematisierte ebenfalls den Krieg in der Ukraine. Sie fand deutliche Worte: „Menschen sterben, Städte werden zerstört, das ist ein Verbrechen an der Menschlichkeit.“ Ihre Forderung: „Schafft Fluchtkorridore, ein sofortiger Waffenstillstand muss her.“ Sie weiß auch, dass es ein schmaler Grat zwischen Unterstützung und Kriegsbeteiligung ist: „Wir dürfen nicht zur Kriegspartei werden.“

Auch aus ihrer Sicht sei eine funktionstüchtige Bundeswehr notwendig, aber: „Einen neuen weltweiten Rüstungswettlauf darf es nicht geben.“

Die derzeitige, vornehmlich durch den Krieg verursachte inflationäre Entwicklung, sprach Schulz ebenfalls an: „Die Politik muss reagieren, das bisherige Entlastungspaket reicht nicht. Familien mit niedrigem Einkommen und Rentner brauchen mehr Unterstützung.“

Die IG-Metall-Geschäftsführerin ging auch auf die aktuellen Tarifrunden ein. Dabei rechtfertigte sie die aktuelle 8,2-Prozent-Forderung im Stahlbereich: „Die Branche hat im letzten Jahr gut verdient, daran sollen die Beschäftigten jetzt beteiligt werden.“ Für die Gewerkschafterin macht eine kräftige Lohnerhöhung gerade in diesen Zeiten Sinn: „Wer Kaufkraft will, muss die Löhne erhöhen.“