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1.Mai in Duisburg: DGB lädt zum Tag der Arbeit ins Autokino

Tag der Arbeit : So läuft der 1. Mai in Duisburg

Der DGB wollte weder auf seine Mai-Kundgebung verzichten noch zum Treiber der Corona-Pandemie werden. Stattdessen lädt die Gewerkschaft nun zur Viren-sicheren Alternative vor die Schauinsland-Reisen-Arena.

Ein 1. Mai in Corona-Zeiten ist Abwägungssache. Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die sagen: Gerade jetzt müssen wir mit Hunderten auf die Straße gehen. Auf der anderen Seite diejenigen, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes am liebsten nur an digitalen Angeboten teilnehmen wollen. Beim DGB Duisburg suchten sie daher einen Kompromiss und fanden ihn auf dem Parkplatz vor dem MSV-Stadion. Dort soll am Samstag die traditionelle Mai-Kundgebung stattfinden. Als Autokino.

„Da sind unsere Kolleginnen und Kollegen zusammen, aber im geschützten Raum“, sagt die Duisburger DGB-Vorsitzende Angelika Wagner. Noch bis vor wenigen Tagen hatte die Gewerkschaft mit einer Kundgebung vor dem Duisburger Stadttheater geplant und sich dann nach einer Beratung der Verantwortlichen doch umentschieden. Die aktuell hohen Corona-Zahlen in Duisburg hätten den entscheidenden Ausschlag gegeben. Was jedoch nicht heißt, dass in der Innenstadt am 1. Mai gar keine Kundgebungen stattfinden werden. Zumindest rufen andere Bündnisse mit Stand Mittwoch weiterhin dazu auf.

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Der DGB hat sich hingegen geschlossen für die Auto-Lösung entschieden. Bis zu 600 Fahrzeuge könnten am Samstag neben der Schauinsland-Reisen-Arena Platz finden, bei großem Andrang soll es zudem Ausweichmöglichkeiten geben. Davon geht Wagner jedoch nicht aus. „Wir rechnen mit 400 teilnehmenden Autos“, sagt sie. Da eine Anmeldung nicht erforderlich ist, müssen sich die Verantwortlichen allerdings wohl überraschen lassen. Das Bühnengeschehen soll auf der Leinwand zu sehen und im Radio zu hören sein.

Das Programm soll am Samstag um 11 Uhr beginnen (Einlass: 10 Uhr) und entspricht in etwa dem, was auch von einer klassischen Kundgebung zu erwarten gewesen wäre. Wagner und die Vorsitzenden der Duisburger DGB-Jugend Stephan Somberg und Manja Schnetgöke wollen Grußworte halten, als Hauptredner ist der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Werneke vorgesehen. Und auch die Kultur soll nicht zu kurz kommen, wie DGB-Organisationssekretär Bulut Surat erklärt. Wer nicht mit dem Auto anreisen kann oder will, kann die gesamte Kundgebung im Livestream verfolgen. Sie wird in Zusammenarbeit mit „Studio 47“ sowohl im Fernsehen als auch bei Youtube übertragen.

 Ein Bild aus vergangenen Zeiten. Die damalige Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) spricht am 1. Mai 2015 bei der DGB-Kundgebung im Landschaftspark Nord.
Ein Bild aus vergangenen Zeiten. Die damalige Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) spricht am 1. Mai 2015 bei der DGB-Kundgebung im Landschaftspark Nord. Foto: Christoph Reichwein (crei)/Reichwein, Christoph (crei)

„Es ist eine besondere Herausforderung, das in diesem kurzen Zeitraum umzusetzen“, sagt Wagner. Aber, dass die Kundgebung im Autokino ein „guter, gangbarer Weg“ sei, zeigten auch die vielen positiven Rückmeldungen, die sie von Gewerkschaftsmitgliedern erhalte. Denn ein Komplettverzicht sei gerade in diesem Jahr eigentlich nicht vertretbar gewesen. Dabei verwies Wagner auf die historische Bedeutung des „blutig erkämpften“ Tags, aber auch auf die aktuelle Situation. „Die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt sind bereits zu spüren“, sagt sie.

Inhaltlich dürfte es für die Redner am Samstag somit nicht langweilig werden. Wagner gibt bei der Ankündigung schon einmal einen kleinen Vorgeschmack: Die Vermischung von Arbeitszeit und Freizeit im Homeoffice, hohe Kurzarbeiterzahlen, die Auswirkungen der Pandemie für Auszubildende und das dauerhafte Wegfallen von Arbeitsplätzen. All das soll am 1. Mai eine Rolle spielen.

Bei aller Zuversicht, mit dem Autokino das richtige Format für die richtige Zeit gefunden zu haben: Eine Dauerlösung soll das Konzept aus DGB-Sicht tunlichst nicht werden. „Das Bedürfnis der Menschen, sich zu treffen, ist schon groß“, sagt Wagner. „Ich bin sicher, dass die Präsenzkundgebungen zurückkommen werden.“