Tarifstreit im Öffentlichen Dienst: 14.000 Streikende in Duisburg lassen sich wie Hulk nichts gefallen

Tarifstreit im Öffentlichen Dienst : 14.000 Streikende in Duisburg lassen sich wie Hulk nichts gefallen

Neben die gewohnten Trillerpfeifen mischten sich bei der zentralen Kundgebund der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf dem Burgplatz in Duisburg am Donnerstag auch wummernde Bässe und laute Sprechgesänge. Vor allem die jugendlichen Gewerkschaftler machten lautstark und mit bunten Plakaten auf ihre Forderungen aufmerksam.

Die mehr als 800 Mitglieder der Jugendvereinigung von Verdi setzten sich wie die insgesamt über 14.000 Streikenden vor allem für eine Lohnsteigerung ein. Im Gespräch mit den Vertetern der einzelnen Bezirksverbände und Berufsgruppen wurde aber auch deutlich, dass es in einigen Bereichen die Arbeitsbedingungen sind, die die Mitarbeiter auf die Straße bringen.

Demonstrationszug zieht durch Duisburg

Die Bediensteten im Theater- und Schauspielgewerbe bemängeln vor allem die Ausbildungssituation. So auch die Vertreter der Deutschen Oper am Rhein mit ihren Standorten in Duisburg und Düsseldorf. Der Betriebsratsvorsitzende der Deutschen Oper am Rhein, Yvor Caljkusic, sagte unserer Redaktion: "Seit dem letzen Tarifabschluss hat sich die Ausbildungssituation verschlechtert. Die Leitung übernimmt so gut wie keine Auszubildenden. Dazu gibt es nur noch eine Auszubildende im Kostümbereich und drei in der Maske."

Während Forderungen nach mehr Lohn meist sehr abstrakt wirken, trugen viele Gruppen ihre Anliegen am Donnerstag mit ausgefallenen Bannern und mit deutlichen Worten vor. Die Verdi-Jugendorganisation kam mit einem Protestzug an dessen Kopf ein Lkw mit aufgedrehter Musikanlage fuhr. Als Symbol des Kampfes war an dem Fahrzeug "der unglaubliche Hulk" angebracht, eine Comic-Figur, deren Kräfte erst dann zum Vorschein kommen, wenn sie wütend ist. Eine Gruppe von Beschäftigten der LVR-Klinik in Düsseldorf stimmte auf dem Burgplatz unter mithilfe eines Megafons Gesänge an, die eine Atmosphäre wie im Fußballstadion herstellten.

Weniger lautstark brachte Rainer Kinast sein Anliegen vor. Er ist Musikschullehrer und war mit einer Gruppe Kollegen gekommen. Die Musikschulpädagogen fühlen sich bei der Entlohnung im Vergleich zu Lehrern an weiterführenden Schulen benachteiligt. "Wie unsere Kollegen haben wir ein Musikstudium abgeschlossen, stehen aber in der Regel zwei Gehaltsstufen unter den Musiklehrern an den weiterführenden Schulen", sagte Kinast.

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Uwe David ist Betriebsratsvorsitzender der Rheinbahn in Düsseldorf. Er schlug auf der Bühne am Burgplatz einen kämpferischen Ton an und sagt: "Wir sind gekommen, um unsere Forderungen zu unterstreichen. Wenn diese nicht erhört werden, kommen wir wieder - und dann wird es heftig. " Seine Kollegen der DVG klatschten als David spricht.

Während die Bus- und Bahnfahrer sich bereits auf weitere Streikaktionen einstellten, zeigte der Streik bereits heute Wirkung. Die Sparkasse Duisburg musste im Geschäftsgebiet Duisburg und Kamp-Lintfort die Filialen in Hochfeld, Beeck, Bergheim, Homberg, Schwan, Huckingen, Rumeln und Geisbruch aufgrund des Streiks der Mitarbeiter schließen. Wie bereits am Mittwoch fuhr keine Linie der Duisburger Verkehrsbetriebe, sodass Pendler auf andere Verkehrsmittel umsteigen mussten. Pendler, die mit dem Auto unterwegs waren, traf der Streik gleich doppelt, da ab 9 Uhr die Steinsche Gasse und weitere Zufahrtsstraßen zum Burgplatz gesperrt wurden.

Die Polizei konnte einen weitgehend reibungslosen Verlauf der Kundgebung bilanzieren. Die über 14.000 Teilnehmer waren mit 160 Bussen angereist. Die Kundgebung war bis 13 Uhr angemeldet, endete jedoch bereits gegen 12.30 Uhr. Da die Kundgebung größere Ausmaße angenommen hatte als zunächst erwartet, sperrte die Polizei zusätzlich die Poststraße. Die Steinsche Gasse, die Gutenberg-, Ober- und Schwanentorstraße wurden planmäßig gesperrt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Laute Forderungen und laute Bässe beim Streiktag in Duisburg

(ac)
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