Kinder in Düsseldorf Kinder-Paradies in altem Kloster

Flingern · Stephanie Boschanski hat sich mit ihrer Zwergenstube, in der Turn- und Bewegungskurse angeboten werden, stetig vergrößert, dann legte Corona alles lahm. Zusammen mit Sven Ballmann startet sie jetzt einen Neuanfang in Flingern.

Sven Ballmann und Stephanie Boschanski mit Sohn Noah, der sich das Pauli-Kostüm übergestreift hat. Die ehemalige Galerie im Kloster an der Flurstraße ist inzwischen nicht mehr wiederzuerkennen.

Sven Ballmann und Stephanie Boschanski mit Sohn Noah, der sich das Pauli-Kostüm übergestreift hat. Die ehemalige Galerie im Kloster an der Flurstraße ist inzwischen nicht mehr wiederzuerkennen.

Foto: Marc Ingel

Stephanie Boschanski hat vor sieben Jahren klein angefangen, mit einem Krabbelkurs, in einer Blockhütte. Und weil alles so winzig war, hat die alleinerziehende Mutter ihr Reich Zwergenstube getauft. Es folgte der Umzug in das ehemalige Büdchen am Ostpark, hier war alles schon ein wenig größer. Noch mehr Platz für ihre Kinderangebote hatte sie später an der Heyestraße, dann jedoch kam Corona – und Boschanski hielt sich mühsam mit Schnitzeljagden über Wasser.

Aber das ist ja nun alles vorbei, also: Zeit für einen Neuanfang. Zum einen fand sie mit Sven Ballmann einen neuen Lebenspartner, der zudem willig war, seinen Job im Marketing aufzugeben und sich in das kleine Unternehmen für alles, was so im Hintergrund passiert, einzubringen. Boschanski durfte dann ja auch wieder in Sporthallen und dort ihre begehrten Turnzwerge-Kurse anbieten, „aber die Hallenzeiten in dieser Stadt sind halt begrenzt und nicht ausreizbar“, sagt sie. Und so machten sich beide auf die Suche nach einer neuen Zwergenstube. „Aber das war nicht so einfach, Vermieter sind da wenig aufgeschlossen, wenn es um Kinder geht und fürchten die Lautstärke“, erzählt Ballmann.

Mit offenen Armen aufgenommen wurde das Duo dann ausgerechnet in dem alten Kloster an der Flurstraße. Die Geschichte des Gebäudes begann 1890, als die Ordensgemeinschaft der Töchter vom Heiligen Kreuz ein Heim für gefallene Mädchen eröffneten. Längst hat Sarah Zimmer den Klosterbau in eine Art Event-Location verwandelt, in der sich auch Start-ups oder Ateliers und sogar ein Kindergarten ausbreiten können, nebenan ist noch eine Grundschule – also wie gemacht für die Zwergenstube.

„Wir konnten uns anfangs nicht so recht vorstellen, in ein altes Kloster zu ziehen, aber kaum hatte ich den ersten Schritt in die Räumlichkeiten gemacht, war klar: Das ist perfekt“, sagt Boschanski, die eigentlich Germanistik und Sozialwissenschaften studiert hat. Vorher war dort eine Galerie, „alles sehr weiß und clean, dann die hohen Decken“, so Ballmann, wie sollen sich hier Kinder wohlfühlen? Doch oh Glückes Geschick: In seinem ersten Leben war Ballmann Handwerker, „und so etwas verlernt man nicht“. Alles wurde bunt gestrichen, ein Baumhaus entstand, eine Berg- und Hügellandschaft mit integrierter Rutsche ebenso, Kriechtunnel und Turnmatten wurden ausgelegt, und so wurde aus dem kargen leeren Raum innerhalb von zweieinhalb Monaten auf 260 Quadratmetern eine abenteuerliche Bewegungslandschaft inklusive einer komplett neu eingerichteten Küche.

„Wir hatten jetzt in den Sommerferien ein paar Schnupperzeiten angeboten, da mussten wir die Leute teilweise schon wegschicken und sie bitten, einen Tag später noch mal zu kommen, weil es so voll war“, berichtet Stephanie Boschanski. Ohnehin sei Flingern der optimale Stadtteil für so eine Erlebniswelt „mit vielen offenen Menschen, die ihren Kindern auch etwas bieten und sie in Bewegung halten wollen“, glaubt Ballmann. Das offizielle Kursangebot mit Krabbelzwergen bis Actionkursen startet am Montag, 7. August, „das ein oder andere ist schon ausgebucht, es gibt aber noch Luft nach oben“, so die Geschäftsführerin. Kindergeburtstage können hier ebenfalls gefeiert werden.

Und weil so eine Zwergenstube ja irgendwie auch ein Maskottchen braucht, wurde Pauli geboren. Den gibt es überlebensgroß als Walking-Act-Kostüm – Boschanskis ältester Sohne Noah schlüpft da gerne mal zur Belustigung der Kinder rein – ebenso wie bald als Plüschfigur in einer Stückzahl von 500. Stephanie Boschanski braucht noch ein wenig Verstärkung, um das Kursangebot zu bewältigen, eine freie Mitarbeiterin ist schon an Bord, eine 520-Euro-Kraft kommt hinzu, aber das reicht nicht. Denn da gibt es ja auch noch den offenen Spieletreff, der jetzt regelmäßig gegen einen Obolus stattfinden soll, dann können die Kinder einfach mal nach Lust und Laune herumtoben. Allerdings ist irgendwann bei 30 Kinder Schluss. Denn auch bei einem Kloster sind die räumlichen Kapazitäten irgendwann erschöpft.