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Zwei Tote in Düsseldorf: Wie helfe ich Obdachlosen

Zwei Männer erfroren in Düsseldorf : So können Sie Obdachlosen bei Kälte helfen

Zwei obdachlose Männer sind in den vergangenen Wochen in Düsseldorf auf der Straße erfroren. Wir geben Tipps, wie man Menschen ohne festen Wohnsitz helfen kann.

Egal wie vermeintlich reich eine Stadt zu sein scheint, Obdachlose und Bettler trifft man überall: in den Einkaufsstraßen, vor Bahnhöfen und Supermärkten, auf Parkbänken. Gerade in der kalten Jahreszeit kann es für Obdachlose lebensgefährlich sein, die Nacht unter freiem Himmel verbringen zu müssen. Zwei Männer sind in den vergangenen Wochen in Düsseldorf erfroren, beide lebten auf der Straße.

Eine Anlaufstelle für Obdachlose in Düsseldorf ist der Gutenachtbus. Der Wagen steht ganzjährig montags bis donnerstags zwischen 22 Uhr und 23 Uhr am Kommödchen (Kay-und-Lore-Lorentz-Platz, an der Dominikanerkirche) und von 23.30 Uhr und 0.30 Uhr am Hauptbahnhof (Ecke Karlstraße/Friedrich-Ebert-Straße). Bei Temperaturen unter null Grad fährt der Bus auch durch die Stadt. Trifft man bei der Kälte nachts auf einen Obdachlosen, sind Alena Hansen oder Ahmad Jabbari-Arfaei vom Gutenachtbus bis 1 Uhr unter der 01578 3505152 erreichbar. Dieses Angebot ersetzt allerdings keinen Notruf. In einem echten Notfall sollte daher stets die 112 gerufen werden.

Dazu gibt es auch verschiedene Notunterkünfte, manche nur für Männer, andere nur für Frauen und am Graf-Adolf-Platz kommen auch Paare sowie Obdachlose mit Hunden unter. Mitte Januar eröffnet die Stadt nahe dem Hauptbahnhof zudem ein bundesweit einzigartiges Projekt: ein geschütztes Haus nur für Frauen. Dort entsteht auch eine neue Notunterkunft.

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Viele Passanten gehen achtlos an bettelnden Menschen vorbei, oft, weil sie nicht wissen, wie man ihnen helfen kann. Die Caritas in Köln hat einen Leitfaden mit Tipps und Entscheidungshilfen herausgegeben, wie man sich bettelnden Menschen auf der Straße gegenüber verhalten sollte.

Soll man bettelnden Menschen überhaupt Geld geben?

„Warum nicht?“, heißt es hierzu in dem Leitfaden. „Auch auf die Gefahr hin, dass der bettelnde Mensch Alkohol oder andere Suchtmittel kauft und nicht etwas zu essen, so wie ich es mir vorstelle.“ Menschen, die auf der Straße leben, hätten oft Suchtprobleme - ein kalter Entzug könne im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein.

Wie viel soll ich geben?

Das muss laut Caritas jeder selbst entscheiden: „Die Frage ist eher, was kann ich mir von meinen Möglichkeiten her leisten und was mit meinem Gewissen vereinbaren.“ Meistens gebe man so viel, dass es einem selber nicht weh tue. „Fakt ist: Die Menschen auf der Straße brauchen Hilfe. Ich darf mich daher fragen, ob ich nicht großherziger sein könnte“, schreibt die Caritas.

Wäre eine Sachspende - ein Kaffee, ein Brötchen - nicht sinnvoller als Geld?

Was der bettelnde Mensch mit dem Geld macht, sollte man ihm überlassen und ihn nicht bevormunden. Die Caritas rät, es als Geschenk zu betrachten und zu akzeptieren, dass man meistens nicht erfahren wird, was damit passiert. Zwar erschienen ein belegtes Brötchen oder ein Getränk vielen Menschen sinnvoller als Geldspenden: „Was aber, wenn es der zehnte Kaffee und das sechste Brötchen an diesem Tag ist?“, gibt die Caritas zu bedenken.

Geld geben ist mir trotzdem nicht geheuer - was mache ich dann?

Wer kein Geld spenden möchte, kann stattdessen den bettelnden Menschen fragen, was er brauchen könnte - einen Schal oder Kleidung gegen die Kälte, einen Einwegrasierer, etwas zu essen. Auch ein freundlicher Blick, ein Gruß oder ein paar Worte drücken laut Caritas Wertschätzung aus und können mindestens so wertvoll sein wie eine achtlos hingeworfene Münze. Eine Alternative sei auch, an gemeinnützige Einrichtungen und Vereine zu spenden.

Was, wenn der Bettler gar nicht arm ist?

Das Risiko besteht, gibt die Caritas zu. Sie betont aber, wie verbreitet Armut auch hierzulande ist. Die Menschen sollten das von folgender Seite betrachten: „Wenn ich zehn Menschen etwas spende und darunter ist einer kriminell, kann ich mit dieser Quote vielleicht ganz gut leben.“ Gerade Menschen aus Südosteuropa würden von vielen einer „Bettelmafia“ zugeordnet. Die Caritas stellt hierzu eine Gegenfrage: „Mal ehrlich: Sieht die bei Wind und Wetter auf der Domplatte sitzende Bettlerin osteuropäischen Einschlags im offenbar erbarmungswürdigen Zustand mit dem Becher in der Hand und dem nach unten gerichteten Blick, wie eine Gewinnerin aus?“

Muss in Deutschland überhaupt jemand betteln? Sind Bettler also nicht selber schuld?

Dass in Deutschland niemand auf der Straße leben muss, treffe in der Theorie zu, so die Caritas. Die Realität sehe anders aus, Gründe für Obdachlosigkeit gebe es viele. So hätten unzählige Menschen auf der Straße weder Ausweis noch Geburtsurkunde, ohne die sie bei den Behörden nichts erreichen könnten. Oft kämen viele Schicksalsschläge zusammen: Jobverlust, Trennung, Gewalterfahrungen. Viele Obdachlose seien krank, hätten Sucht- oder psychische Probleme - und seien schlichtweg nicht in der Lage, sich selbst zu helfen.

Den kompletten Leitfaden der Caritas zum Umgang mit Betteln und Armut finden Sie hier im PDF-Format.

(csr/kess)