Düsseldorf: Zwei, die sich mit Bonhoeffer auskennen

Düsseldorf : Zwei, die sich mit Bonhoeffer auskennen

Wenn es um das Leben und Wirken von Dietrich Bonhoeffer geht, wissen Ferdinand und Hellmut Schlingensiepen genau, worüber sie reden. Die Verbindung zu dem evangelischen Theologen, der als Vertreter der "Bekennenden Kirche" und durch seine Rolle im kirchlichen Widerstand gegen das NS-Regime bekannt wurde, besteht dabei schon von Kindesbeinen an. "Mein Vater war in der ,Bekennenden Kirche' und mit Bonhoeffer befreundet", sagt Ferdinand Schlingensiepen.

Zufällig lernte er während seiner Zeit bei einer Gemeinde im englischen Bradford Eberhard Bethge kennen, der durch die Veröffentlichung der Briefwechsel mit Bonhoeffer zum Bekanntwerden seiner Rolle im Widerstand beigetragen hatten. "Die Art vom Zeugnis seines Glaubens, dass Bonhoeffer entgegen seiner theologischen Werte zu einem Attentat auf Hitler bereit gewesen wäre, hat mich beeindruckt", sagt er. Mittlerweile hat der 89-Jährige Biografien zu Bonhoeffer und weiteren Persönlichkeiten des christlichen Widerstands gegen die Nationalsozialisten geschrieben.

Da das Interesse an Bonhoeffer, Moltke und Co. auch auf seinen Sohn Hellmut überging, der Fotografiedesigner und Filmemacher ist, wurden die Biografien verfilmt. 2005 etwa entstand in Zusammenarbeit mit Lehrern des Theodor-Fliedner-Gymnasiums eine Kurzbiografie über Bonhoeffer für den Schulunterricht. Als der Kurzfilm dann bei einem Kongress zu Bonhoeffer in New York gezeigt wurde, wurden die beiden Kaiserswerther vom amerikanischen Regisseur Gary Blount kontaktiert. "Blount verfolgte Bonhoeffer seit den 50er-Jahren. Da alle Verfilmungen weit entfernt von der Realität waren, kam die Idee auf, ein richtiges Dokudrama von den letzten Tagen Bonhoeffers bis zu seiner Hinrichtung zu drehen", sagt Hellmut Schlingensiepen.

Heute feiert "Come before Winter" um 19 Uhr seine Premiere in englischer Sprache in der Kulturkirche Stammhaus, Fliednerstraße 23. Während Hellmut Schlingensiepen das Drehbuch schrieb, stand Vater Ferdinand als Experte vor der Kamera. Beide hoffen, dass der Film die Erinnerung an Bonhoeffer lebendig hält. "Sein theologisches Denken war revolutionär und hatte in der Welt eine Wirkung, die hier nicht allzu bekannt ist."

(RP)
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