1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Düsseldorf: Zukunft von Gut Mydlinghoven ist offen

Düsseldorf : Zukunft von Gut Mydlinghoven ist offen

Auf dem Rittergut in Hubbelrath will sich eine "Genossenschaft in Gründung" den Traum von einem altersgemischten Wohnprojekt erfüllen. Mit den Eigentümern konnte man sich bis jetzt aber nicht über einen Kaufpreis einigen.

Die Genossenschaft ist in Gründung, die viermonatige "Denkpause" beendet: Seit Anfang des Jahres hat der Vorstand der "Genossenschaft in Gründung Wir vom Gut", die auf Gut Mydlinghoven in Hubbelrath ein Projekt für generationsübergreifendes Wohnen realisieren will, mit Vertretern der REAQ Hess & Partner Immobilien GmbH, die die Eigentümergemeinschaft des Objekts, eine Reihe von Privatinvestoren, vertritt, die Verhandlungen über einen Ankauf des ehemaligen Ritterguts wieder aufgenommen. Diese laufen seit Anfang 2014, nachdem der damalige Pächter Insolvenz anmelden musste. Ein Ergebnis gibt es bislang aber nicht - vor allem, weil sich die Verhandlungspartner nicht über die Höhe des Kaufpreises einigen konnten.

Ein Antrag im Beirat der Unteren Landschaftsbehörde Ende Februar auf Änderung der Nutzung als Boardinghouse (vorher Pflege/betreutes Wohnen) hatte bei der Genossenschaft, die seit Anfang Dezember als Träger des Objekts auftritt und aus dem Verein Lebensraum hervorgegangen ist, für Irritationen gesorgt. Wie sich herausstellte, war die Bauvoranfrage jedoch einige Jahre alt und passierte erst jetzt den Beirat. "Dass die Eigentümer sich mehrere Optionen offenhalten wollen, ist aus deren Sicht legitim. Unser Wunsch, das altersgemischte Wohnprojekt auf Gut Mydlinghoven zu realisieren, bleibt aber bestehen. Wir haben jedoch keinen Investor im Rücken, und das Projekt muss bezahlbar bleiben, wenn wir auch junge Familien gewinnen wollen", sagt Genossenschaftsvorstand Ralf Heller.

"Dieser denkmalgeschützte Ort inmitten eines Naturschutzgebietes mit einer sanierten Wohnfläche von 3600 Quadratmetern, 90 Prozent davon barrierefrei, und einer Gemeinschaftsfläche von knapp 1000 Quadratmetern ist einfach ideal für unser Projekt. Wir müssten so gut wie nichts ändern. Es wäre unser Traum, das alte Gut wieder mit Leben zu füllen. Wir wollen den Boden der Spekulation entziehen und nachhaltig günstigen Wohnraum sichern", ergänzt Sabine Metz-Plaum vom Vorstand der "Wir vom Gut".

Parallel halte man dennoch die Augen offen und schaue sich nach Alternativen um. In Dormagen zum Beispiel hat der Verein Lebensraum für das Projekt "Wohnen am Grind" bereits den Kaufvertrag unterschrieben. "Hier in Düsseldorf muss sich die Gemeinschaft noch finden. Wir sind bereits rund 40 Genossenschaftsmitglieder, wollen aber auf mindestens 70 Mitglieder wachsen", erklärt Metz-Plaum, die wegen der geografischen Nähe auch den Kreis Mettmann als Einzugsgebiet betrachtet.

Die Aufmerksamkeit der Stadt Düsseldorf sei jedenfalls vorhanden, auch Oberbürgermeister Thomas Geisel habe sich die Idee bereits erläutern lassen, sagt Heller. "Etwas in dieser Art gibt es hier ja bisher nicht. Wir schaffen Leben an diesem verlassenen Ort, dazu Arbeitsplätze, etwa in der Kinderbetreuung, und wir wollen die Verwaltung des Gutes gemeinsam bewältigen. Nicht zuletzt wird keine Fläche neu versiegelt. Wir wollen in dem Naturschutzgebiet nichts verändern."

Konnte der Verein Lebensraum anfangs noch zu Informationsveranstaltungen auf Gut Mydlinghoven einladen, ist das Objekt inzwischen abgesperrt. Ilker Simons, Geschäftsführer der REAQ, bestätigt, dass man die Gespräche mit der Genossenschaft wieder aufgenommen habe, "solange der Gründungsprozess aber nicht abgeschlossen ist, sind deren Vertreter auch nicht handlungsfähig".

Dementsprechend könne man es den Eigentümern nicht verdenken, dass sie anderweitig ihre Fühler ausstrecken und mehrgleisig fahren wollen. "Der Dialog läuft gut, kann aus dem genannten Grund aktuell aber zu keinem Abschluss gebracht werden", so Simons. Dass die genannte Nutzungsänderung erst viereinhalb Jahre, nachdem die entsprechende Bauvoranfrage bei der Stadt gestellt wurde, behandelt worden sei, sei nicht den Eigentümern anzulasten. "Da sind wir selbst eher die Leidtragenden."

(RP)