Künstler stellt Bildband vor: Zu Gast bei Familie Gursky

Künstler stellt Bildband vor: Zu Gast bei Familie Gursky

Die Fotografen Willy und Andreas Gursky luden nach Grafenberg, um einen Bildband mit Aufnahmen Willy Gurskys vorzustellen. Dabei gewährten sie Einblicke ins Familienleben und schwärmten vom künstlerischen Zusammenhalt zwischen den Generationen.

In Kindertagen gab es das häufiger — dass man dazugebeten wurde, wenn eine andere Familie im Restaurant zu Mittag isst. Das ist etwas Intimes, Freundschaftliches doch wohl auch, und deshalb freute man sich über die Einladung der Familie Gursky ins Hotel Rolandsburg am Rande der Galopprennbahn in Grafenberg. Anlass ist die Vorstellung eines Buches, eine Werkschau mit Aufnahmen von Willy Gursky, 88 Jahre alter Papa von Andreas und wie der Filius Fotokünstler.

Vor dem Hotel steht nun schon der Sohn, er trägt schwere Schuhe und eine Jeans, und er telefoniert mit dem iPhone. Da will man nicht stören. Auf dem Weg zum Saal, in dem Fruchtsalat mit Joghurt in zwei Farben gereicht wird, trifft man auf die Freundin von Andreas Gursky, aber auch Julia Stoschek telefoniert; sie trägt ein orangefarbenes Kleid und Schuhe, die glitzern.

Drinnen warten Willy Gursky und seine Frau Rosemarie und überreichen das Buch, ein Sammlerobjekt : Privatdruck, 100er Auflage, Autogramm, ganz schwer zu kriegen. Beim ersten Durchblättern rauscht die Geschichte der BRD vorbei, es wird einem wohl zumute: Porträtfotos der ehemaligen Udo-Jürgens-Freundin Corinna Reinders, Werbeaufnahmen für Henkel und Stollwerck, Busenbilder einer Venus im Pelz — man hat sie auf den Flokati-Überwurf eines Bettes gebeten und ein einstmals populäres Schmuckstück um ihren Hals gehängt, den Zahn eines wilden Ebers. Neben ihr liegt eine Ukulele.

In Gedanken hört man die Les-Humphries-Singers aufspielen, als man Willy Gursky fragt, ob er denn noch immer fotografiere. "Ja", sagt er, "aber nur noch frei", und eigentlich male er viel lieber. Er trägt eine folkloristische Kette.

Dann geht es auch schon los, es sind nämlich noch mehr Journalisten eingeladen worden, und denen möchten die Gurskys Gelegenheit geben zu fragen. Die jungen Leute legen die Telefone weg, und Julia Stoschek nutzt die Chance, auf eine Performance hinzuweisen, die es am Samstagvormittag in ihrer Kunstsammlung zu erleben gibt. "Julia, sag doch mal", wird sie gebeten, und das tut sie: Künstler aus Kuba, aufgeschnittenes Piano, von innen zu spielen, sehr schwierig, Beethoven, "Ode an die Freude". Man nickt interessiert, könnte man mal hingehen. Der Moderator erwähnt, dass das Buch, um das es hier eigentlich geht, so gut wie gar nicht zu bekommen sei.

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Willy Gursky erzählt alsdann die Geschichte seiner Flucht in den Westen. Er hatte in Leipzig ein Fotostudio, fingierte Mitte der 50er Jahre einen Auftrag von drüben, fuhr mit kompletter Ausrüstung rüber und schrieb ein Telegramm an die Gattin — das Zeichen zum Nachkommen.

Solche Geschichten aus dem Familienschatz hört man gern. Auch dass Gurskys sich im Westen mit roten Lacktapeten und grünen Teppichböden einrichteten, nimmt man fasziniert zur Kenntnis. Willy Gurskys Vater war ebenfalls Fotograf, Hans Gursky machte Naturaufnahmen ausschließlich mit Tageslicht. Vom dynastischen Fachwissen habe er natürlich profitiert, sagt Andreas Gursky, in Sachen Lichttechnik habe er sich vom Vater im Studium gern beraten lassen.

Welches denn sein Lieblingsbild vom Sohn sei, fragt jemand den Vater. "Prada I", antwortet der, aber Andreas Gursky korrigiert: "Prada II", und da sagt der Papa: "Prada II." Ob denn die vierte Generation der Gurskys ebenfalls künstlerisch veranlagt sei, will einer wissen, der darüber selber grinsen muss. "Ich habe bis jetzt zwei Kinder", sagt Andreas Gursky, die Tochter studiere Wirtschaft in Maastricht, der Sohn bereite das Abitur vor und greife auch mal zur Kamera. Gut möglich also, dass da noch was kommt.

Und wie das bei solchen Treffen ist, zum Abschied bekommt man etwas mit auf den Weg. "Man muss immer neugierig sein", mahnt Willy Gursky, "etwas wegen des Geldes zu machen, das ist schon wie halb gestorben." Der Andreas sei sechs Jahre in Düsseldorf Taxi gefahren, das wisse ja kaum jemand.

Da nickt man erbaut und sagt auf Wiedersehen.

(RP)
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