Urteil in Düsseldorf: Zöllner klaute am Flughafen - wegen Spielsucht

Urteil in Düsseldorf : Zöllner klaute am Flughafen - wegen Spielsucht

Den Gegenwert eines Einfamilienhauses habe er verspielt, gab ein Zollbeamter am Mittwoch vor Gericht an. Dort musste er sich wegen Diebstahls von Zollwaren verantworten. Am Ende verhängte der Richter bewusst eine milde Strafe.

Wegen „extremer Spielsucht“ hat sich ein Zollbeamter am Flughafen mehrfach an Zollwaren vergriffen und Artikel im Gesamtwert von 1500 Euro beiseite geschafft. Das gestand der 53-jährige Familienvater am Mittwoch vorm Amtsgericht. Zwei Jahre nach seinen Verfehlungen habe er aber Therapien absolviert, sei inzwischen „spielfrei“.

Der Richter urteilte milde, verhängte 1275 Euro als Strafe. Die Staatsanwältin hatte 5400 Euro gefordert. Doch die Familie des seit zwei Jahren suspendierten Beamten steckt weiter mitten in einer Privatinsolvenz. Immerhin sei die Frau des Angeklagten, so gab er an, früher kaufsüchtig gewesen.

„Das war insgesamt vermutlich ein Ein-Familien-Haus“, schätzte der Angeklagte die Höhe jener Verluste ein, die er durch seine Spielsucht erlitten hat. Schon als Jugendlicher habe er an Automaten gedaddelt, erst nur zum Zeitvertreib, später aber habe es sich „immer mehr hoch geschaukelt“. So sehr, dass er sogar Pausen in seiner Dienstzeit als Zöllner dazu genutzt habe, um in die nächste Spielhalle zu fahren. „Ich musste ein Doppelleben führen, es war immer ein Versteckspiel“, zumal er dauernd frisches Geld brauchte, um es gleich zu verzocken.

Zehn nagelneue Ferngläser aus Japan habe er daher bei einer Zollkontrolle heimlich eingesteckt, davor waren es auch schon Angelruten oder vier Paar Boxhandschuhe. Sein Sohn habe versucht, die Beute zu verkaufen, doch als er einem Jagdgeschäft die Ferngläser anbot, flog das Doppelleben des Angeklagten auf. Bei reduzierten Bezügen wurde er vorerst aus dem Dienst entfernt.

Ob er je dorthin zurückkehren darf, wird noch in einem Disziplinarverfahren geklärt. Fakt ist: Nach der Enttarnung als Zocker hat der Angeklagte eine Therapie angeblich „ohne Rückfall“ absolviert.

Sein Anwalt bezeichnete die Diebstähle der Zollwaren als „völlig blödsinnige Taten“. Das sah auch der Richter so. Um dem 53-Jährigen eine Rückkehr in den Staatsdienst aber nicht völlig zu verbauen, hat er gegen den diebischen Zöllner bewusst eine geringe Geldstrafe verhängt.