Wehrhahn-Anschlag: Zeugin erhebt unter Tränen schwere Vorwürfe gegen Ermittler

Wehrhahn-Anschlag: Zeugin erhebt unter Tränen schwere Vorwürfe gegen Ermittler

18 Jahre nach Bomben-Anschlag in Düsseldorf: Auftakt im Wehrhahn-Prozess

Die Ex-Freundin des Angeklagten, die als Spitzel für die Polizei tätig war, erhob am Montag bei der Fortsetzung des Wehrhahn-Prozess schwere Vorwürfe gegen die Ermittler.

Immer mehr Details aus dem Leben des Angeklagten werden im Landgerichtsprozess um den Wehrhahn-Anschlag vom Juli 2000 jetzt rekonstruiert. So hatte eine Zeugin, die damals zur Skinhead-Szene gehörte und mit dem angeklagten Ex-Soldaten zeitweise zusammen war, den 51-Jährigen einst als "durchgeknallten Psychopathen" bezeichnet.

Montag im Zeugenstand wiederholte sie das nicht. Unter Tränen schilderte sie aber, dass sie damals auf Initiative von Polizeibeamten die Beziehung zum Angeklagten wieder aufgefrischt habe: "Ich konnte das Gefühl nicht loswerden, dass er das gewesen ist! Ich wollte für mich Gewissheit haben!"

Weil ihre Spitzeltätigkeit aber aufgefallen sei und sie kurz danach von mutmaßlichen Neonazis überfallen worden war, erhob sie nun schwere Vorwürfe gegen die Ermittler: "Ich hätte das alles nie gemacht, wenn mein Name dabei auftaucht!" Ähnlich wie bisherige Zeugen beschrieb auch ein Gutachter am Montag den Angeklagten — nämlich als maligne, narzisstische Persönlichkeit, die durchdrungen sei von eigener Grandiosität.

Der Experte kam aber auch zum Ergebnis, dass jene Persönlichkeitsstörung keinen Krankheitswert erreicht, sondern dass der Angeklagte strafrechtlich voll schuldfähig sei. Die damals als Spitzel agierende Ex-Freundin, die sich von der rechten Szene inzwischen losgesagt und angeblich ihr "Leben neu aufgebaut" hat, gewann damals offenbar aber keine Gewissheit darüber, ob der Angeklagte für die Bombenexplosion verantwortlich war.

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Am S-Bahnhof Wehrhahn waren damals durch eine Rohrbombe überwiegend jüdische Sprachschüler teils schwer verletzt worden, eine Schwangere verlor ihr ungeborenes Kind. Und nach Aktenlage hatte keineswegs die Polizei jene Zeugin als Spitzel auf den Angeklagten angesetzt. Die Frau soll sich demnach nämlich an mehreren Tagen hintereinander an die Polizei gewandt und ihre Aussage angeboten haben.

Und Vertraulichkeit ist ihr dafür nie zugesichert worden, so eine Aktennotiz. Fakt ist: Durch Zufall war die Zeugin damals im Gespräch mit einem Polizisten gesehen worden. Und kurz danach wurde sie an ihrer Wohnungstür von mehreren Männer abgepasst, überfallen und verletzt. Die Täter hätten ihr "schöne Grüße vom durchgeknallten Psychopathen" ausgerichtet. "Für mich war klar, dass die vom Angeklagten kamen!"

Am Donnerstag geht der Prozess weiter.